Vierschanzentournee

„Das ist abartig!“ Staunen nach ÖSV-Traumauftakt

Ski Nordisch
30.12.2024 05:49
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Erst ein Fünffachsieg in der Quali, dann ein Dreifachsieg im Auftaktbewerb. „Dass wir es jetzt noch einmal so herbringen, ist abartig!“ Daniel Tschofenig kam nach dem ÖSV-Traumauftakt bei der 73. Vierschanzentournee aus dem Staunen nicht mehr heraus.

Die ÖSV-Dominanz hatte sich am Samstag angekündigt, als fünf Athleten aus dem Team von Cheftrainer Andreas Widhölzl in der Qualifikation die ersten fünf Plätze belegt hatten. „Ein Dreifachsieg ist absolut genial, da wird die eine oder andere Nation schon ein bisschen einen Grant auf uns haben, aber das nehmen wir in Kauf“, lächelt Tschofenig.

Daniel Tschofenig
Daniel Tschofenig(Bild: GEPA pictures)

ÖSV-Team glaubt an Tourneesieg
Die Show von Stefan Kraft, Jan Hörl und Tschofenig beim Auftaktbewerb in Oberstdorf befeuerte Österreichs Hoffnungen auf den ersten Gesamtsieg bei der Vierschanzentournee seit zehn Jahren weiter. In den jüngsten drei Weltcupbewerben gingen acht von neun möglichen Podestplätzen an das Triumvirat. Selbst dem fünffachen Saisonsieger Pius Paschke bleibt vor dem Neujahrsspringen auf seiner Heimschanze in Garmisch-Partenkirchen in der Tournee nur die Rolle des Jägers.

Kraft war 2014/15 mit damals 21 Jahren der bisher letzte Österreicher, der den goldenen Adler des Tourneesiegers mit nach Hause genommen hat. In Oberstdorf hatte er damals sein erstes Weltcupspringen gewonnen, nun machte sich der Routinier mit seinem ersten Saisonsieg eindrucksvoll zu einem der Favoriten. „Es war perfektes Timing. Ich habe mir die zwei besten Sprünge für den richtigen Zeitpunkt der Saison aufgespart“, meinte der Gesamtweltcupsieger.

Stefan Kraft
Stefan Kraft(Bild: Andreas Tröster)

Der Dreifachsieg zum Tourneestart sei „nichts Selbstverständliches“, betonte Kraft. „Das müssen wir genießen.“ Er nimmt 3,5 Punkte Vorsprung auf Hörl und 11,5 auf Tschofenig mit nach Garmisch. Der viertplatzierte Deutsche Paschke liegt 13,8 Zähler zurück. „Man muss immer daran glauben“, sagte Kraft über einen möglichen Tourneesieg. „Das machen wir als ganzes Team, dass wir hoffentlich einen durchbringen. Das ist ein großer Wunsch von uns.“

Garmisch als Nagelprobe für Kraft
Die mannschaftliche Stärke zeigte sich schon in der Qualifikation, als fünf Österreicher voran lagen. „Es ist ein sehr gutes Teamklima, wo jeder so sein kann, wie er ist. Das ist auch wichtig“, meinte Hörl. „Wir haben ein gutes Selbstvertrauen bis hierher mitgenommen.“ Nach den beiden zweifachen Saisongewinnern Hörl und Tschofenig zeigte zuletzt vor allem Kraft ansteigende Form. „Man weiß, dass der Krafti, wenn er alles beinander hat, schwer zu schlagen ist“, sagte Hörl über seinen Salzburger Landsmann. „Er weiß immer, was er zu tun hat.“

Jan Hörl
Jan Hörl(Bild: Andreas Tröster)

Zur Nagelprobe für den 31-Jährigen könnte einmal mehr Garmisch werden. Kraft schaffte es dort erst einmal auf das Podest – am Neujahrstag 2017 als Dritter. Zwischen 2018 und 2023 landete er nie in den Top-10 und musste seine Tournee-Hoffnungen jeweils auf der zweiten Station begraben. Zum Jahreswechsel 2021/22 verpasste der damalige Weltmeister auf der Großen Olympiaschanze sogar die Qualifikation für den Bewerb.

Stefan Kraft
Stefan Kraft(Bild: GEPA pictures)

Auch in Oberstdorf, auf einer seiner Lieblingsschanzen, war Kraft laut eigenen Angaben alles andere als ruhig. „Die Routine merke ich nicht, wenn ich da oben die Ski anschnalle. Da fühle ich mich wie ein 18-jähriger Bub, der keine Ahnung hat, was er jetzt kurz tun soll“, schilderte der Sieger von 44 Weltcup-Springen. „Ich weiß aber, wenn es um etwas geht, dass ich da oft meine besten Sprünge auspacke. Darauf kann ich mich verlassen.“

Tschofenig und die Lernprozesse
Tschofenig, dem Dominator von Qualifikation und Probedurchgang sowie Gewinner der Generalprobe in Engelberg, spielten im ersten Wettkampfsprung die Nerven einen Streich, ehe er im zweiten den wertvollsten Sprung des Tages zeigte. „Ich bin noch jung und habe noch nicht so viele Tourneen in irgendeiner Favoritenrolle hinter mir. Da ist es ganz normal, dass man einmal ein bisschen einen Ausritt hat mit den Gefühlen“, meinte der 22-jährige Kärntner. „Das sind Lernprozesse, die ich mitnehme und in den nächsten Jahren hoffentlich anders mache.“

Die Chance bietet sich bereits in Garmisch. Dort hat seit dem mittlerweile als Co-Trainer im Frauen-Team des ÖSV tätigen Thomas Diethart im Jahr 2014 kein Österreicher mehr gewonnen. Noch länger warten die Deutschen: Seit dem „Grand Slam“ des bisher letzten deutschen Tourneegewinners Sven Hannawald 2002 gelang ihnen im Neujahrsspringen kein Sieg. Um die beiden Unserien zu beenden, muss Paschke aber eine österreichische Phalanx brechen.

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