14 Jahre nach Tat

Kleinkind zu Tode gequält: Freispruch für Angeklagten

Österreich
14.03.2013 19:13
Mit einem nicht rechtskräftigen Freispruch im Zweifel ist am Donnerstagabend in Wien der Prozess gegen einen 45-jährigen Kosovo-Albaner zu Ende gegangen. Dem Mann war vorgeworfen worden, vor fast 14 Jahren den 13 Monate alten Sohn seiner damaligen Lebensgefährtin derart schwer misshandelt zu haben, dass das Kind ins Koma fiel und zwei Tage später im Spital starb.

Ramiz K., der 1998 infolge der Kriegswirren im ehemaligen Jugoslawien nach Österreich gekommen war, hatte Mirels Mutter Anfang 1999 kennengelernt. Im März zog er bei ihr ein. Wenn die Bedienerin und Kellnerin arbeiten ging, passte er auf das Kleinkind auf. Behandelt habe er Mirel, "als ob er mein Sohn wäre", betonte der 45-Jährige. Er habe ihn nie - wie ihm unterstellt wurde - geschlagen, mit Nadeln gestochen oder mit Zigaretten verbrannt. Er habe mit dem Ableben des Kindes nichts zu tun: "Ich habe nie etwas gemacht."

Am späten Abend des 12. April 1999 brachte die Mutter den Kleinen dann mit einem Herz- und Atemstillstand ins Preyer'sche Kinderspital, nachdem Ramiz K. sie an ihrem Arbeitsplatz angerufen und nach Hause gebeten hatte, weil er befürchtete, Mirel liege im Sterben. Bei seiner stationären Aufnahme befand sich der Bub im Koma, aus dem er nicht mehr erwachte. Er starb am 14. April 1999.

Knochenbrüche, Hirnödem und diverse Wunden festgestellt
Bei der Obduktion wurden insgesamt 30 Knochenbrüche - darunter eine Sprengung der Brustwirbelsäule und Serienrippenbrüche -, ein Gehirnödem, Brand- und Stichwunden sowie Verletzungen im Intimbereich festgestellt. 

Gerichtsmediziner Johann Missliwetz konnte nachweisen, dass die massiven Verletzungen von mindestens vier verschiedenen Attacken herrührten und zum Teil "zehn bis zwölf Wochen oder älter waren". Vor allem dieser Umstand dürfte den Schöffensenat zu dem Freispruch für Ramiz K. bewogen haben. Die alten Verletzungen hätten den frischen "sehr stark geähnelt", sagte Richterin Stefanie Öner. Die älteren wären dem zum Todeszeitpunkt 13 Monate alten Kind "vermutlich von der Mutter oder jemand anderem zugefügt worden", so Öner wörtlich. Es sei "nicht ersichtlich, weshalb der Angeklagte dieses Verhalten hätte fortsetzen sollen. Er hatte dafür kein Motiv".

Mutter als Beitragstäterin 1999 zu fünf Jahren Haft verurteilt
Mirels Mutter war bereits im August 1999 wegen Kindesmisshandlung zu fünf Jahren unbedingter Haft verurteilt worden - allerdings als Beitragstäterin, weil sie nach übereinstimmender Ansicht der Staatsanwaltschaft und des Gerichts "weggesehen" hatte, während Ramiz K. der Justiz damals als der eigentliche Täter galt. Im Licht der Entscheidung am Donnerstag offenbar eine Fehleinschätzung.

Auch der Zeugenauftritt der Mutter habe "zahlreiche Widersprüche" ergeben, monierte die Richterin. Das Schicksal Mirels und "dass dagegen nicht gehandelt wurde", sei "sehr bedauerlich", meinte Öner: "Die Mutter wurde zur Verantwortung gezogen. Mehr war hier leider nicht zu erbringen."

Staatsanwältin Andrea Kain gab vorerst keine Erklärung ab. Ramiz K., der bei der Verkündung der Entscheidung in Tränen der Erleichterung ausbrach, wurde noch in den Abendstunden auf freien Fuß gesetzt.

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