Sein 27-jähriger Teamkollege sei aus unmittelbarer Nähe im Oberkörper getroffen worden. "Das war ein Durchschuss", schilderte der Augenzeuge. "Als der Schuss gefallen ist, sind wir gerannt und haben uns hinter einem Felsen versteckt. So lange, bis sie unser Gepäck und alles mitgenommen haben, was möglich war. Die Zelte wurden zerschnitten." Mehrere der Männer hätten Gewehre bei sich gehabt.
"Die haben uns im Prinzip zu verstehen gegeben, dass wir vom Camp verschwinden sollen. Wir haben uns nicht gewehrt", beschrieb der Oberösterreicher, der in Salzburg geboren wurde, die dramatischen Szenen unmittelbar vor und während des Überfalls.
Obwohl die Täter dann noch von der Schluchtkante hinunter auf die schwer zugängliche Einbuchtung des Flusses schauten, wo sich das Camp befand, seien sie zu dritt unter Lebensgefahr zurück zu dem angeschossenen Oberösterreicher geschlichen. "Um zu sehen, wie es ihm geht." Doch für den 27-Jährigen kam jede Hilfe zu spät.
"In Felshöhle versteckt"
"Etwa 50 Meter vom Tatort entfernt befand sich eine Felshöhle, dort haben wir uns dann den ganzen Tag über versteckt", erzählte der Expeditionsteilnehmer. Über ein Satellitentelefon konnten sie Kontakt zur Österreichischen Botschaft in Äthiopien aufnehmen. "Die haben alles in die Wege geleitet, um uns zu suchen und uns hier heil rauszuholen." Da aber das GPS nicht richtig funktionierte, konnten sie keine genauen Koordinaten über den Standort durchgeben.
Am Sonntag um 21 Uhr verließen die drei geschockten Österreicher schließlich die Felshöhle und marschierten rund 13 Stunden flussabwärts zum Startpunkt der Schlauchboot-Tour unterhalb der Nil-Fälle zurück. "Wir standen in ständigem Kontakt mit der Botschaft." Die Gruppe sei mit einem Hubschrauber nach Bahir Dar gebracht worden, ebenso die Leiche des Verstorbenen.
"Zum falschen Zeitpunkt am falschen Ort"
Schon am Samstagabend hätten einige Einheimische das Camp aufgesucht, erzählte der Oberösterreicher. "Sie schauten sich neugierig um. Die Äthiopier sind eigentlich ein friedliches Volk." Der Überfall am Morgen sei eine völlig untypische Aktion gewesen. Etwa acht bis zehn Männer hätten sich daran beteiligt, beim Abtransport des Diebesgutes seien plötzlich 20 Personen da gestanden. "Da sind wir draufgekommen, dass alles abgesprochen war. Wir waren zum falschen Zeitpunkt am falschen Ort."
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