Pneumokokken sind Bakterien, die unter Umständen zu schwerwiegenden Erkrankungen führen. Laut einer aktuellen Umfrage wissen aber zu wenige Menschen in Österreich Bescheid über Risiken und mögliche Langzeitfolgen einer Infektion. Stark unterschätzt wird vor allem, dass nicht nur die Lunge, sondern auch das Herz geschädigt werden kann.
In einer aktuellen Studie des Mindtake Instituts, beauftragt durch die Patientenorganisation „Österreichische Lungenunion – ÖLU“, wurden Personen ab 55 Jahren zur Bekanntheit und den Folgen einer Pneumokokken-Infektion befragt. Teilgenommen haben sowohl Frauen als auch Männer, drei Viertel der Befragten waren über 60 und zählen somit schon deutlich zur Risikogruppe für schwere Komplikationen nach einer Erkrankung.
Befragt nach Ihrem Wissen über Pneumokokken, gaben 95 Prozent an, den Begriff schon einmal gehört zu haben. Zudem war über 46 Prozent der Befragten bekannt, dass es sich dabei um Bakterien handelt. Etwa 27 Prozent hingegen dachten, es seien Viren und rund 26 Prozent waren sich nicht sicher. Unzureichendes Wissen und falsche Risikoeinschätzungen ziehen sich durch sämtliche Antworten, wie die „Österreichische Lungenunion“ bemerkte.
Mehr als die Hälfte der Befragten wusste nicht, dass die Hauptübertragung bei über 60-Jährigen durch direkten Kontakt mit infizierten Kindern erfolgt. Nur etwa 33 Prozent war bewusst, dass auch der indirekte Kontakt mit infizierten Kindern, etwa durch deren Eltern, einer der häufigsten Übertragungswege ist.
Pneumokokken als Krankheitsauslöser
Die Untersuchung zeigte auch, dass etwa 40 Prozent der Befragten keine Kenntnisse über mögliche Langzeitfolgen einer Pneumokokken-Infektion hatten. Etlichen Befragten war zwar bekannt, dass die Bakterien mit Lungenerkrankungen in Verbindung gebracht werden, jedoch wussten 83 Prozent nicht über das bis zu 10 Prozent höhere Herzinfarkt- und Schlaganfallrisiko Bescheid.
Rund 75 Prozent der Befragten gaben an, dass Pneumokokken eine schwere Lungenentzündung auslösen können, dabei werden andere Erkrankungen schwer unterschätzt, wie etwa die chronische Herzerkrankung, bei welcher nur rund ein Zehntel der Befragten eine Pneumokokken-Infektion als Auslöser angaben.
Dabei ist wissenschaftlich belegt, dass Pneumokokken-Erkrankungen kardiovaskuläre Ereignisse verschlimmern können oder sogar eine ursächliche Rolle spielen. Berichte zeigen, dass ein Krankenhausaufenthalt wegen einer Pneumokokken-Pneumonie (Lungenentzündung) mit neuen oder verschlimmerten Ereignissen wie Vorhofflimmern, Herzinsuffizienz oder Myokardinfarkt in Verbindung gebracht wurden.
Risikofaktoren großteils unbekannt
Etwa ein Drittel (32,7 Prozent) der Befragten gab an, keinerlei Wissen zu den im Fragebogen genannten Risikofaktoren zu haben. Patienten mit COPD oder Asthma bzw. Raucher werden generell als größte Risikogruppen bei einer Pneumokokken-Infektion eingeschätzt. Gefolgt vom Alter, das aber nur von einem Viertel (25,3 Prozent) angeführt wird. Herzinsuffizienz sowie Blutdruck wurden nur von 10 Prozent ausgewählt.
Grundsätzlich gilt, je mehr Risikofaktoren, desto größer die Gefahr, an Pneumokokken zu erkranken bzw. mit schweren Komplikationen rechnen zu müssen.
Schutzimpfung eine Kostenfrage
Betreffend der Pneumokokken-Schutzimpfung gaben nur 20 Prozent der Befragten an, geimpft zu sein. Knapp die Hälfte der ungeimpften Befragten zeigte jedoch Impfbereitschaft, wenn eine Teil-Finanzierung durch die Kassen gegeben wäre. Eine Pneumokokken-Schutzimpfung wird hierzulande zwar laut österreichischem Impfplan für Personen ab dem vollendeten 60. Lebensjahr empfohlen, ist jedoch nur für kleine Kinder kostenfrei.
Ein wichtiges Thema ist auch die Aufklärung über die Impfung. 33,4 Prozent der Befragten würden sich impfen lassen, wenn sie mehr Informationen dazu bekommen würden. Mehr als die Hälfte gab Unkenntnis über eine Notwendigkeit der Impfung an. Hier ortet die Lungenunion hohen Nachholbedarf an öffentlicher Information bzw. bei medizinischen Experten.
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