Großer ÖAMTC-Test

Ganzjahresreifen: Zum ersten Mal ist einer gut!

Motor
25.06.2024 17:44

Ganzjahresreifen zu konstruieren ist sozusagen wie die Quadratur des Kreises: Viele relevante Eigenschaften stehen einander entgegen. Und doch hat der ÖAMTC beim Test von 16 Fabrikaten brauchbare Exemplare gefunden. Testsieger ist allerdings nicht der mit den besten Fahreigenschaften …

(Bild: kmm)

Bei allen Testkandidaten gleich: die Dimension 205/55 R16, eine der meistverkauften Reifengrößen. Bei allen grob unterschiedlich: die Eigenschaften. Und eh wie immer: „Der aktuelle Test macht deutlich, dass es aber nach wie vor keinen Ganzjahresreifen gibt, der sowohl bei der Fahrsicherheit als auch bei der Umweltbilanz eine Top-Note erzielt“, sagt ÖAMTC-Reifenexperte Steffan Kerbl.

Bereits beim Bremsen auf trockenem Asphalt zeichnete sich im Test die Bandbreite der Ergebnisse ab: Um von 100 km/h per Vollbremsung zum Stillstand zu gelangen, braucht der beste Reifen in dieser Disziplin (Michelin Cross Climate 2) 39,5 Meter – wohingegen der schwächste (Uniroyal AllSeason Expert 2) erst 7,1 Meter später zum Stehen kommt. Als das Testfahrzeug mit dem Michelin bereits stillstand, fuhr es mit dem Uniroyal also noch mit knapp 40 km/h weiter.

Die Fahrsicherheit bei Nässe gehört zu den wichtigsten Eigenschaften eines Autoreifens. (Bild: ÖAMTC)
Die Fahrsicherheit bei Nässe gehört zu den wichtigsten Eigenschaften eines Autoreifens.

Goodyear und Pirelli stechen positiv heraus
Von den 16 Modellen im Test wurden zwei (Kenda Kenetica 4S und Infinity Ecofour) mit „Nicht genügend“ beurteilt. Weitere sieben Kandidaten erreichten nur ein „Genügend“. „Damit kann für mehr als die Hälfte der getesteten Modelle tatsächlich keine Kaufempfehlung ausgesprochen werden“, bilanziert der Reifenexperte.

Dennoch gibt es zwei Lichtblicke: Erstmals in einem ÖAMTC-Reifentest hat ein Ganzjahresreifen die Gesamtnote „Gut“ erreicht – der Goodyear Vector 4Season Gen-3. Auf nassen und winterlichen Straßen erzielt er gute Ergebnisse. Auf trockener und heißer Fahrbahn zeigt er zwar geringfügige Schwächen, dennoch sichert sich der getestete Goodyear-Ganzjahresreifen aufgrund sehr guter Laufleistung, geringem Abrieb und großer Effizienz in der abschließenden Gesamtbeurteilung vier von fünf Sternen.

Die Ergebnisse im Überblick – zum Vergrößern bitte klicken! (Bild: ÖAMTC)
Die Ergebnisse im Überblick – zum Vergrößern bitte klicken!

Ebenfalls positiv herausgestochen ist der Pirelli Cinturato All Season SF2 – als Einziger im Test schafft er bei der Fahrsicherheit ein „Gut“: Sowohl bei sommerlichen als auch winterlichen und nassen Fahrbedingungen konnte dieser Ganzjahresreifen von Pirelli überzeugen. Ein Wermutstropfen aber bleibt: Mit einer prognostizierten Laufleistung von 33.000 Kilometern bildet er das Schlusslicht im Testfeld. Für Wenigfahrer kann dieser Pirelli aber eine gute Wahl sein.

Neben dem Pirelli konnten fünf weitere Ganzjahresreifenmodelle mit der Gesamtnote „Befriedigend“ ein immer noch solides Ergebnis einfahren: Hankook Kinergy 4S2, Michelin Cross Climate 2, Kumho Solus 4S HA32+, Vredestein Quatrac und Falken EuroAll Season AS210. Diese liefern aufgrund ihrer Stärken und Schwächen zwar kein absolut ausgeglichenes Gesamtpaket, können aber jeweils zum individuellen Nutzungsprofil bestimmter Autofahrer passen.

Deutliche Sicherheitseinbußen beim Rest
Nur mehr ein „Genügend“ schaffen Firestone Multiseason2, Sava All Weather, Nankang Cross Seasons AW-6, Toyo Celsius AS2, Semperit AllSeason-Grip, Uniroyal AllSeason Expert 2, Yokohama BluEarth-4S. Die Schwächen dieser sieben Ganzjahresreifen sind bereits so ausgeprägt, dass man keine Empfehlung mehr aussprechen kann, sagt Kerbl. Ihre Leistungen bei der Fahrsicherheit auf trockener Fahrbahn führten bei allen Modellen zu deutlichen Abwertungen, zu unpräzise erweisen sich diese Reifen bei sommerlichen Temperaturen. Bei Ausweichmanövern im Grenzbereich tendieren sie deutlich zum Übersteuern, auch eine schnelle Stabilisierung ist daraufhin nicht mehr möglich.

Auch wenn man selten auf Schnee fährt: Wenn, dann sollte der Reifen auch hier etwas taugen. (Bild: ÖAMTC)
Auch wenn man selten auf Schnee fährt: Wenn, dann sollte der Reifen auch hier etwas taugen.

Am Ende des Testfelds landen Kenda Kenetica 4S und Infinity Ecofour. Der Kenda kann auf trockener und nasser Fahrbahn zwar bessere Resultate verbuchen, ist aber bei winterlichen Bedingungen schlichtweg ungenügend: Von allen getesteten Reifen hat er die geringste Traktion auf Schnee, frühes Unter- und Übersteuern fallen als Mankos besonders ins Gewicht. Der Infinity zeigt ein ähnliches Fahrverhalten auf nasser Fahrbahn – zudem erweist er sich auch auf trockener Fahrbahn als sehr unpräzise.

Ja, es gibt sie, die brauchbaren Allwetterreifen – aber man muss genau hinschauen.

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(Bild: kmm)



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