Eltern in U-Haft

Baby im Burgenland misshandelt und schwer verletzt

Österreich
26.09.2012 17:08
Im Südburgenland ist ein Fall von schwerem Kindesmissbrauch aufgedeckt worden. Vergangene Woche waren Eltern mit ihrem etwa zwei Monate alten Baby zu einer Untersuchung ins Spital gefahren. Dabei entdeckten die Ärzte zahlreiche Knochenbrüche, Prellungen und Blutergüsse. Das kleine Mädchen sei schwer verletzt, aber nicht in Lebensgefahr. Die Eltern sitzen in U-Haft, hieß es am Mittwoch seitens der Staatsanwaltschaft.

Das Mädchen befindet sich auf der Intensivstation der Kinderchirurgie des Landeskrankenhauses Graz. Ihm gehe es den Umständen entsprechend gut, teilte die Sprecherin der Universitätsklinik in Graz, Simone Pfandl-Pichler, mit. "Das Kind weist sehr schwere Verletzungen auf: multiple und alte Brüche, unter anderem Serienrippenbrüche sowie Hämatome und andere Verletzungen." Ein Teil der Verletzungen dürfte neu, ein Teil schon mehrere Tage alt gewesen sein. Sowohl die Kinderschutzgruppe als auch das Jugendamt sind in den Fall involviert.

"Nichts von zweiter Schwangerschaft gewusst"
Erst im März war die Familie in ein Haus im Bezirk Güssing gezogen, berichtete die "Burgenländische Volkszeitung". Zuvor lebten Vater, Mutter und auch ihr nun 15 Monate alter Sohn im steirischen Bezirk Feldbach. Schon seit der Geburt des ersten Kindes sei die junge Familie in Betreuung gewesen. Man habe vom Krankenhaus damals den Hinweis bekommen, sich anzuschauen, wie die Mutter mit dem Kind zurechtkomme, erinnerte sich Bezirkshauptmann Wilhelm Plauder.

Zwei Mal wöchentlich sei die Familie betreut worden, von einer zweiten Schwangerschaft bzw. einem zweiten Kind habe man nichts gewusst, sagte Plauder. Als das junge Paar - sie ist 22 Jahre alt, er 25 - wegzog, fand ein Übergangsgespräch mit den burgenländischen Behörden statt. Hinweise auf Misshandlung habe es nicht gegeben.

Umgang mit Kindern "zumindest nicht auffällig"
Das teilten am Mittwoch auch Vertreter des Landes mit. "Bereits in der Steiermark war eine Betreuung der Familie durch die Jugendwohlfahrt installiert. Diese Betreuung ist auch im Burgenland installiert worden", erklärte Elvira Waniek-Kain, Leiterin der Sozialabteilung des Landes. Mehrere Male pro Woche sei eine von zwei betreuenden Sozialarbeiterinnen bei der Familie gewesen. Misshandlung sei nie im Spiel gewesen, sagte Waniek-Kain.

Der Umgang mit den Kindern sei "zumindest nicht auffällig" gewesen, berichtete die leitende Sozialarbeiterin des Landes, Bettina Horvath. Bei der Betreuung sei sehr viel Aufmerksamkeit darauf gelegt worden, wie es den Kindern geht, wie sie gepflegt und verpflegt seien und wie die Mutter mit ihnen umgehe. Der Vater habe nicht ständig bei der Familie gelebt, aber die 22-Jährige unterstützt.

Gefährdung der Kinder laut Gutachten "nicht so hoch"
"Wenn es dort Hinweise auf eine Misshandlung, zum Beispiel einen blauen Fleck oder ein verletztes Knie, gegeben hätte, die nicht mit den Erklärungen zusammenpassen, dann hätten wir das sicher genau geprüft. Das hat es nicht gegeben", so Horvath. Die Kinder für eine eingehendere Untersuchung nackt auszuziehen, dazu habe es keine Veranlassung gegeben.

"Wir dürfen in Elternrechte so viel wie nötig, aber so wenig wie notwendig einschreiten", erläuterte die leitende Sozialarbeiterin. In einem Gutachten, das von einer Sachverständigen erstellt worden war, sei die Gefährdung der Kinder "nicht so hoch eingeschätzt worden", sagte Horvath.

Beide Eltern in U-Haft genommen
Vater und Mutter wurden am Mittwoch bzw. Donnerstag vergangener Woche festgenommen und befinden sich nun in der Justizanstalt Eisenstadt bzw. Wiener Neustadt in Untersuchungshaft. Sie leugnen die Taten. In beiden Fällen lautet der Verdacht auf Quälen unmündiger Personen und absichtliche schwere Körperverletzung.

Resultieren aus den schweren Verletzungen Dauerfolgen, müssen die Eltern bei einer Verurteilung wegen absichtlicher schwerer Körperverletzung mit einer Freiheitsstrafe von ein bis zehn Jahren rechnen, ohne Dauerfolgen bis zu fünf Jahren, klärte die Sprecherin der Staatsanwaltschaft Eisenstadt, Magdalena Wehofer, auf. Mittlerweile soll dem Paar laut "Burgenländischer Volkszeitung" auch die Obhut für das zweite Kind entzogen worden sein.

"Fundamentale Sorgen" in der Familie
So sehr die Nachbarn der beiden Verdächtigen mit dem schwer verletzten Baby mitfühlen, so wenig wundert sie der Vorfall. Ein Pensionist: "Die haben sich isoliert. Wir haben schon lange gemunkelt, dass bei denen etwas nicht stimmt."

Laut Polizei haben die Verdächtigen große Geldprobleme. "Langzeitarbeitslosigkeit, Schulden, schwerwiegende Essstörungen der Mutter - dass es in dieser Familie fundamentale Sorgen gibt, liegt auf der Hand", so ein Ermittler.

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