Im Wiener AKH

Renommierter Künstler Franz West 65-jährig gestorben

Österreich
26.07.2012 11:45
Der bekannte österreichische Künstler Franz West ist in der Nacht auf Donnerstag im Wiener AKH verstorben. Sein Schwager bestätigte bereits entsprechende Medienberichte. West hatte seit Jahren an infektiöser Gelbsucht gelitten. Der breiten Öffentlichkeit wurde der Künstler vor allem durch die Installation seiner "Lemurenköpfe" auf der Wiener Stubenbrücke (Bild rechts) bekannt, die dort seit dem Jahr 2001 zu sehen sind.

West war einer der bedeutendsten zeitgenössischen Künstler des Landes und als Maler und Bildhauer in der internationalen Kunstwelt hoch gefragt. Seine Arbeiten gehören zu den teuersten, mit denen Österreich auf dem weltweiten Kunstmarkt vertreten ist. 

Die Werke waren an prominenten Orten wie dem Belvedere-Garten oder am Eisernen Vorhang der Wiener Staatsoper in der Saison 2009/10 zu sehen (Bild 2). Ungeachtet aller internationalen Erfolge blieb West seiner Heimatstadt Wien stets eng verbunden.

Ausstellungen auf der ganzen Welt
Geboren in der Bundeshauptstadt am 16. Februar 1947, studierte West von 1977 bis 1982 bei Bruno Gironcoli an der Akademie der bildenden Künste in Wien. Seiner ersten Ausstellung 1970 in der Wiener Galerie Hamburger folgten unzählige wichtige Einzelausstellungen und Beteiligungen an Gruppenausstellungen auf der ganzen Welt. 

Zu den bedeutendsten Personalen zählten etwa jene im New Yorker Museum of Modern Art im Jahr 1997, in den Hamburger Deichtorhallen (2002), im Wiener Museum für angewandte Kunst (MAK) im Jahr 2008 oder jene in der Riehener Fondation Beyeler vor drei Jahren. Im Herbst 2010 war West sowohl eine Personale beim "Steirischen herbst", im Kölner Ludwig-Museum als auch eine Einzelausstellung von Großskulpturen in Rom gewidmet. 2011 war seine Skulptur "Gekröse" Teil des renommierten, internationalen Kunstfestivals "Art 43 Basel" in der Schweiz (Bild 3).

"Möbel"-Objekte zwischen Kunst und Gebrauch
Seine Auslotung der physischen, psychischen, kultischen und nicht zuletzt auch profanen Gebrauchsdimensionen der Skulptur an sich trieb West mit seinen "Möbel"-Objekten voran, die an Orten wie dem Kunsthistorischen Museum, in Venedig und nicht zuletzt bei der "documenta 9" zur Benützung und Betrachtung einluden. 

Im Vorjahr wurde er bei der Biennale Venedig mit dem Goldenen Löwen für sein Lebenswerk ausgezeichnet (Bild 4). Am 16. Februar hatte West seinen 65. Geburtstag gefeiert. Noch vor seinem Tod hatte er gemeinsam mit dem Wiener "mumok" die Erarbeitung einer Retrospektive für das kommende Frühjahr begonnen, wie eine Sprecherin des Museums mitteilte. Eröffnet werden soll die Ausstellung "Franz West" am 22. Februar 2013.

Ehrengrab am Zentralfriedhof
Franz West wird von der Stadt Wien mit einem Ehrengrab am Zentralfriedhof gewürdigt. Das Begräbnis selbst soll im kleinsten Familienkreis stattfinden. "Österreich verliert mit Franz West einen herausragenden Künstler, einen Leuchtturm zeitgenössischer Kunst mit internationaler Strahlkraft", zollte Wiens Kulturstadtrat Andreas Mailath-Pokorny von der SPÖ dem Verstorbenen am Donnerstag Respekt: "Franz West hat mit seinen unverkennbaren Arbeiten, die das traditionelle Regelwerk hinterfragen und die Trennung zwischen Kunst und Gebrauchsobjekt aufheben, eine in Österreich einzigartige Position eingenommen."

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