Mo, 23. Juli 2018

Sex-Skandal in NY

16.05.2011 13:27

Staranwalt soll IWF-Boss Strauss-Kahn rausboxen

Unter den New Yorker Strafverteidigern kennt sich kaum einer so gut mit den Fallstricken des Rechts aus wie Benjamin Brafman (im Bild links). Prominenten wie dem verstorbenen Popsänger Michael Jackson, dem Footballstar Plaxico Burress oder dem als "P. Diddy" auftretenden Rapper Sean Combs leistete er vor Gericht Beistand. Seit Sonntag gehört auch der unter dem Verdacht der versuchten Vergewaltigung stehende IWF-Chef Dominique Strauss-Kahn zu den bekannten Mandanten Brafmans, der dafür berühmt ist, seine Klienten entweder rauszuboxen oder für sie günstige Deals auszuhandeln.

Der 62-jährige Jurist strotzt vor Selbstbewusstsein und betrachtet sich als Mann für aussichtslose Fälle. "Die meisten, die zu mir kommen, sind in einer sehr, sehr verzweifelten Lage", gab Brafman unlängst in einem Interview zu Protokoll. Er wird den gleichaltrigen IWF-Chef und jäh abgestürzten Hoffnungsträger der französischen Sozialisten mit seinem Kollegen William Taylor von der auf Wirtschaftskriminalität spezialisierten Washingtoner Kanzlei Zuckerman Spaeder vertreten.

Schon zahlreiche Prominente vertreten
Brafman kennt sich auf beiden Seiten des Strafrechts aus. Bevor er sich selbstständig machte und auf die Verteidigung von Prominenten spezialisierte, arbeitete er vier Jahre für Staatsanwaltschaft in Manhattan. Für den Footballspieler Burress von den New York Giants, dem mindestens dreieinhalb Jahre Gefängnis drohten, weil ihm in einem Nachtclub eine Pistole aus der Hose gefallen war und losging, handelte er zwei Jahre aus.

Für den früher als "Puff Daddy" bekannten Combs erreichte Brafman sogar einen Freispruch, obwohl mehr als 100 Menschen Zeugen wurden, wie sich der Rapper in einem Nachtlokal an einer Schlägerei und Schießerei beteiligte. Er sei gut darin, seine Mandanten, deren Welt zusammengebrochen sei, wieder aufzurichten, rühmte sich der Strafverteidiger unlängst in einem Interview: "Ich habe wohl mehr Menschen vor dem Selbstmord bewahrt als jeder Psychiater der Welt."

IWF-Chef von Zimmermädchen identifiziert
Strauss-Kahn, den Polizisten kurz vor dem Abflug von New York nach Paris aus einer Air-France-Maschine holten, wird Brafman zufolge auf nicht schuldig plädieren. Die Polizei wirft dem Franzosen sexuelle Nötigung, versuchte Vergewaltigung und Freiheitsberaubung einer Hotelangestellten vor. Die 32-Jährige hatte den IWF-Boss am Sonntag bei einer Gegenüberstellung auf einer Wache in Manhattan als Täter identifiziert, berichtete die Zeitung "New York Daily News".

Die Polizei schildert nach Angaben des US-Senders CNN den Fall so: Das Zimmermädchen habe am Samstag die für 3.000 Dollar (2.100 Euro) pro Nacht vermietete Luxussuite betreten - ohne zu wissen, dass sich dort jemand aufhält. In diesem Moment sei Strauss-Kahn nackt aus dem Badezimmer gekommen, sei auf sie zugerannt und habe sie ins Schlafzimmer gezerrt. Dort habe er begonnen, sie massiv zu bedrängen.

Es sei ihr jedoch zunächst gelungen, ihn abzuwehren und wegzulaufen, sagte die 32-Jährige laut CNN der Polizei. Doch dann habe Strauss-Kahn die Frau wieder erwischt und versucht, ihr die Unterhose herunterzureißen. "Ich habe gehört, sie ist aufgewühlt, aber soweit in Ordnung", sagte ein Kollege des Zimmermädchens der "New York Daily News".

Anklage verzögert sich
Zunächst hatte es geheißen, dass Strauss-Kahn zur Anklageverlesung noch am Sonntagabend vor Gericht erscheinen soll. Allerdings wurde der Termin verschoben, weil die Polizei zunächst noch am Körper Strauss-Kahns nach Kratz-Verletzungen oder DNA-Spuren des angeblichen Opfers suchen wollte. Der IWF-Chef soll nun am Montag um 10.30 Uhr Ortszeit (16.30 Uhr MESZ) dem Richter vorgeführt werden. Dieser kann entscheiden, ob Strauss-Kahn gegen eine Kaution freigelassen wird. Die "New York Times" schätzte die Höhe einer möglichen Kaution auf mehrere Millionen Dollar. Auch das Anlegen einer elektronischen Fußfessel sei wegen der vermuteten Fluchtgefahr wahrscheinlich.

Der Franzose hatte eigentlich am Sonntag die deutsche Bundeskanzlerin Angela Merkel in Berlin treffen wollen. Für Montag war er bei der Tagung der EU-Finanzminister in Brüssel erwartet worden. Wegen des Skandals geraten nun auch die Verhandlungen über Hilfen für die angeschlagenen Euro-Länder Portugal und Griechenland unter Druck.

Strauss-Kahn ist seit November 2007 Direktor des 186 Mitgliedstaaten zählenden IWF, der über die Stabilität des internationalen Finanzsystems wacht. Die Organisation erklärte, trotz der Vorwürfe gegen Strauss-Kahn bleibe sie "vollkommen handlungsfähig". Der stellvertretende Chef, John Lipsky, werde vorerst die Geschäfte übernehmen. Am Treffen der Finanzminister der Euro-Gruppe in Brüssel werde Nemat Shafik, der für die Arbeit des IWF in verschiedenen europäischen Ländern zuständig sei, teilnehmen.

Aussichtsreicher linker Kandidat in Frankreich
In Frankreich löste die Festnahme Strauss-Kahns Bestürzung aus. Die Führungsfiguren der größten Oppositionspartei "Parti Socialiste" zeigten sich schockiert über die Anschuldigungen gegen ihren Genossen, der als aussichtsreichster linker Kandidat für die Präsidentschaftswahlen 2012 galt. Vereinzelt gab es die ersten Forderungen nach einem schnellen Rücktritt von seinem Chefposten beim IWF.

Die französische Regierung rief zunächst nur dazu auf, das Prinzip der Unschuldsvermutung zu respektieren, fürchtet aber um den Ruf ihres Landes. "Neben dem mutmaßlichen Opfer, dem Zimmermädchen, gibt es bereits ein nachweisliches Opfer, und das ist Frankreich", sagte Umweltministerin Nathalie Kosciusko-Morizet dem TV-Sender "Canal+". "Ich bin überrascht, wie schnell man in Frankreich über die politischen Folgen diskutiert. Die Vorwürfe gegen ihn wiegen sehr schwer, aber ich habe Vertrauen in die amerikanische Justiz", betonte sie.

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