19.01.2022 06:30 |

Stainz im Aufruhr

Engelweingarten: Widerstand gegen Hotel wächst

Zahlungskräftige Investoren haben Appetit auf die idyllische Weststeiermark bekommen. Der Widerstand gegen ein geplantes Hotelprojekt im Stainzer Engelweingarten nimmt weiter zu, der Projektwerber hält an seinen Plänen fest, die Politik beschwichtigt. 

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Die Grüne Mark könnte bald zur Grauen Mark werden – wenn die Zubetonierer nicht gestoppt werden. Erst Graz, dann die Südsteiermark und jetzt die weststeirische Idylle! Wie berichtet, möchte Günter Ganster, Gastronom aus Graz, der für seine einstigen Lokale MM und Operncafé bekannt ist, ein ehrgeiziges Hotelprojekt durchziehen. Und zwar mitten im historischen Engelweingarten von Stainz, einem Naherholungsgebiet mit Buschenschank und malerischen Weingärten. Der Grazer hat das 16.000 Quadratmeter große Grundstück im Grünen gekauft und möchte dort um 30 Millionen Euro ein Hotel mit Wellnessbereich, Appartments, Winzerhäuschen und einem Edel-Restaurant aus dem Boden stampfen.

Sehr zum Ärger vieler Stainzer, die um ihr Paradies vor der Haustüre fürchten. Bei einer Bürgerversammlung am Montagabend gingen die Wogen entsprechend hoch. „Wenn man alles zuschüttet – was bleibt dann von unserer Weststeiermark übrig?“, meldete sich eine besorgte Einwohnerin zu Wort. „Bald schaut’s bei uns auch aus wie im Speckgürtel von Graz.“ Eine weitere Bewohnerin zweifelte an den vorliegenden, „geschönten“ Plänen: „Da wird viel weichgezeichnet, ist keine Rede vom Verkehrsaufkommen. Ich bin hier geboren, jetzt wird über unser Gebiet mit dem Bagger drübergefahren!“

„Projektwerber muss alle Vorgaben einhalten“
Bürgermeister Walter Eichmann von der ÖVP, der den Bau grundsätzlich unterstützt, versprach, die Bedenken erst zu nehmen: „Wir werden die Bebauungsplanung sicher nicht im stillen Kämmerlein machen. Der Projektwerber muss sich an alle Vorgaben, die das Land ihm setzt, strikt halten.“ Im Gemeinderat, so bestätigt er der „Krone“, werde nun überlegt, wie man die Einwohner ins Vorhaben besser einbeziehen könne.

„Engelweingarten hat nie der Öffentlichkeit gehört“
Projektwerber Günter Ganster hält jedenfalls an seinen Plänen fest. „Durch die Bürgerversammlung ändert sich für uns nichts. Es hat viel Unwissenheit gegeben, aber wir bauen nur das, was wir bauen dürfen. Uns wurde ein enges Korsett von Land und Gemeinde auferlegt.“

Dass viele Stainzer um ihr Naherholungsgebiet fürchten, versteht der Gastronom nicht. „Der Engelweingarten hat nie der Öffentlichkeit gehört. Wir haben das Grundstück ganz normal privat gekauft.“ Wenn es mit den Behördenwegen keine Verzögerungen gibt, fahren im Spätsommer die Bagger auf. 

Gerald Schwaiger
Gerald Schwaiger
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