10.12.2021 16:00 |

Gefahr Neophyten

Invasion soll in Roppener Anlage gestoppt werden

Die Globalisierung hinterlässt auch botanische Spuren: Invasive Rassen, so genannte Neophyten, breiten sich auch in Tirol rasant aus. Da sie für Mensch und Tier Gefahren bergen, sollten sie vernichtet werden. Möglich ist dies in der Biogasanlage Roppen, wo ein wissenschaftlicher Versuch ein erstaunliches Ergebnis liefert.

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Die zunehmende Kälte ist für die Sommeranbeter eine schwierige Zeit. Doch der Winter könnte dem nächsten Sommer Erleichterungen bringen, wenn zumindest die invasiven Insekten wie Stechmücken oder deren Brut erfrieren. Bei den invasiven Pflanzenarten, den Neophyten, ist jede derartige Hoffnung umsonst. Die kommen mit der Kälte zurecht, obwohl sie – meist durch den globalen Warenverkehr eingeschleppt – häufig von völlig anderen Klimazonen stammen. Und sie sind mit den „Mitbringseln“ Anpassungsfähigkeit und hohe Fortpflanzungsrate gekommen, um zu bleiben. Das Problem: Die Eindringlinge stellen nicht nur eine Gefahr für die heimische Artenvielfalt dar, sondern sind auch für die Gesundheit von Mensch und Tier relevant.

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Die Ambrosia etwa ist stark allergen und das Gift des südafrikanischen Greiskrautes, das wir über Milch oder Honig aufnehmen, ist lebertoxisch und kann die Fruchtbarkeit von Männern einschränken.

Manuel Flür vom Regionalmanagement Imst

Rund 100 Pioniere für den Kampf gegen Windmühlen
Mit einem Pilotprojekt ging man gemeinsam mit dem Neophytenkompetenzzentrum Tirol den Kampf gegen die biologischen Invasoren an, auch wenn er jenem gegen Windmühlen gleicht. „In diesem Falle ist Wissen Macht“, sagt Flür, deshalb wurden heuer rund 100 Bekämpfungspioniere relevanter Berufsgruppen wie beispielsweise Gemeinde- und Forstmitarbeiter in sechs Lehrgängen in den Basics geschult.

Forschungsprojekt: Neue Erkenntnisse für Vernichtung
Der Name des zweiten Partners, der Abfallbeseitigungsverband Westtirol, lässt schon den nächsten, essenziellen Schritt erahnen: die Entsorgung. „Neophyten müsste man verbrennen, um sie unschädlich zu machen und die Verbrennungsanlagen sind in Ostösterreich, also weit weg“, erläutert Eva Weinseisen, Deponieleiterin der Biogasanlage Roppen, Sammelstelle des gesamten Biomülls der Bezirke Imst und Landeck. Die mächtige Anlage spielt im Bekämpfungsprozess eine zentrale Rolle. In Kooperation mit einem Forschungsprojekt der Uni Innsbruck wollte man nämlich wissen, ob auch eine Verrottung die Neophyten vernichten kann. Die Biogasanlage Roppen ist eine der wenigen Anlagen Österreichs, die mit einem zweistufigen Verrottungsprozess arbeitet.

„Die Neophyten werden in Tirol zum Problem werden“
Das Experiment in der Abfallaufbereitungsanlage mit den heuer angelieferten Neophyten war spannend. Zu klären war, ob die Schädlinge bzw. ihre Samen bereits während der ersten Fermentierung - Trockenvergärung bei 50 bis 55 Grad drei Wochen lang - vernichtet werden. „Das Ergebnis ist eindeutig“, erläutert Weinseisen, „alle Neophyten außer der Lupine sind nach dem ersten Schritt zerstört.“ Die Lupine ist also die zäheste von allen und braucht für die Vernichtung den zweiten Schritt, die Vergärung in den Rotteboxen bei 70 Grad weitere zwei Wochen lang. Conclusio: Neophyten werden in Müllaufbereitungsanlagen mit einstufigem Fermentierprozess vernichtet, die Lupine allerdings müsste nach Roppen gebracht werden.

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Neophyten vermehren sich rasend und wir werden ein Problem bekommen.

Eva Weinseisen, Deponieleiterin der Biogasanlage Roppen und Biologin

Erst müsste sie allerdings erkannt und ausgerissen werden und da hakt es auch. „Neophyten vermehren sich rasend und wir werden ein Problem bekommen“, prophezeit die Deponieleiterin, die gleichzeitig auch Biologin ist. Man müsste die Bekämpfung deutlich intensivieren. Dies möchte man im nächsten Jahr mit dem Aufstellen eigener Container in den Recyclinghöfen angehen, zudem sollen Aktionstage organisiert werden.

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