World Aids Day

Nicht vergessen: HIV-Infektionen gibt es noch!

Aber es hat sich enorm viel getan in der Therapie, sodass Betroffene weitgehend ein normales Leben führen können. Was sich hartnäckig hält, sind Diskriminierung und Stigmatisierung. Unter diesem Motto steht auch der heurige Welt Aids Tag, der wie jedes Jahr am 1. Dezember stattfindet.

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„Wir sehen zunehmend heterosexuelle Menschen, für die eine Erstdiagnose meist ein ganz besonders großer Schock ist, weil sie sich vielfach noch nie mit dem Thema auseinandergesetzt haben“, berichtet Dr. Michael Skoll, von der Universitätsklinik für Dermatologie der MedUni Wien im AKH. Dort befindet sich das derzeit größte HIV-Zentrum Österreichs. In der Pandemie rückt das Thema zudem weiter in den Hintergrund. Dr. Skoll: „So haben wir immer wieder Patienten, die als sog. Late Presenter zu uns kommen, also von ihrer Diagnose erst in einem sehr fortgeschrittenen Stadium erfahren haben, in dem bereits eine deutliche Immunschwäche bzw. AIDS-definierende Erkrankungen vorliegen. Das betrifft oft Männer und Frauen ab 50, 60 Jahren, die Urlaub in Hochprävalenzländern (wie in Teilen SO-Asiens oder in Subsahara-Afrika) gemacht und sich dort angesteckt haben. Es sind eben nicht nur junge, homosexuelle Männer gefährdet, wie oftmals gedacht wird!“

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Es sollte keine Schulddiskussion stattfinden. Die Patienten haben ja kein Verbrechen begangen.

Dr. Michael Skoll, Dermatologe an der MedUni Wien, HIV-Ambulanz

Die Aufklärung in der Bevölkerung lässt noch zu wünschen übrig, leider auch im niedergelassenen Ärztebereich, meint der Experte für sexuell übertragbare Krankheiten. Vom praktischen Arzt sollte etwa bei Vorliegen bestimmter Symptome wie Gewichtsabnahme, Lymphknotenschwellung etc. auch bei älteren Menschen an HIV gedacht und eine Testung empfohlen werden. Nur wenig bekannt ist der Allgemeinheit, dass es bei erhöhtem HIV-Risiko die Möglichkeit gibt, sich durch Medikamente zu schützen. Die PrEP („Prä-Expositions-Prophylaxe“) verhindert bei korrekter Einnahme die sexuelle Übertragung der HIV-Infektion. Das gehört aber ausführlich mit dem Arzt besprochen.

Wenn das Wissen fehlt, kommt es zu Angst und Schubladendenken
HIV-positive Menschen sind leider immer noch massiver Diskriminierung ausgesetzt. „Wenn wir Patienten zu Untersuchungen oder Kontrollen schicken, bekommen sie manchmal gar keine Termine oder zumindest nur zögerlich, etwa für Magen-Darmspiegelung, Zahnbehandlungen und in der Gynäkologie. Hier wäre eine bessere Versorgung wünschenswert“, plädiert Dr. Skoll für breit angelegte Informationskampagnen. „Wenn das Wissen fehlt, kommt die Angst dazu, dann werden Betroffene in Schubladen gesteckt.“ Sollte man mit Blut oder anderen infektiösen Körperflüssigkeiten in Kontakt gekommen sein, kann man innerhalb von 48 Stunden nach dem Risikokontakt eine Post-Expositions-Prophylaxe (PEP) einnehmen. Hierbei handelt es sich um antiretrovirale Medikamente, die der HIV-Behandler nach Risikoabwägung verordnet.

Aids und Pandemie beenden

Das ist das heurige Motto des Welt-AIDS-Tages, der heuer schon zum 33. Mal am 1. Dezember stattfindet. In Österreich sind etwa 9000 Menschen mit HIV infiziert, weltweit knapp 38 Millionen. Im vergangenen Jahr sind die Zahlen bei uns etwas zurückgegangen, es wurden 332 Neudiagnosen gestellt. Bis 29. 11. läuft noch die  europäische HIV- und Hepatitis-Testwoche. Onlineanmeldung und Informationen:

Heutzutage stellt HIV eine chronische Erkrankung dar, mit einer annähernd normalen Lebenserwartung. Die Therapie besteht oftmals aus einer Tablette pro Tag, die adäquat und nach Vorgabe eingenommen nicht nur den Ausbruch von AIDS verhindert, sondern auch dazu führt, dass die Viruslast des Patienten unter die Nachweisbarkeitsgrenze sinkt, er dadurch sexuell nicht mehr ansteckend ist. „Das funktioniert sehr gut“, wie Dr. Skoll betont. Bei Älteren sollte ein Augenmerk zudem auf Komorbiditäten - Diabetes, Bluthochdruck, Übergewicht etc. - gelegt werden.

Karin Podolak
Karin Podolak
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