Statt Leichen

An „digitalen Körpern“ lernen

Studenten lernen normalerweise an toten Menschen die Anatomie-Grundlagen kennen. Das geht jetzt auch virtuell, was vielen angehenden Medizinern ein besseres Gefühl gibt.

Zum Studium der Medizin gehört es nun einmal, an echten Körpern zu lernen. Nicht jedem Studenten fällt das „Arbeiten“ an menschlichen Leichen allerdings so leicht. Forscher der Universität Camebridge (GB) stellten sogar in einer Untersuchung fest, dass die Sezierung „echter“ Verstorbener durchaus Auswirkungen auf die Medizinstudenten hatte: Zwar waren diese überwiegend positiv, etliche junge Menschen hatten jedoch Hemmungen und Angstgefühle. Bereits vor etwa zehn Jahren wurden daher virtuelle Seziertische erfunden und auch ständig weiterentwickelt. Allerdings war es die Corona-Krise, welche die Digitalisierung in allen möglichen Bereichen des Lebens schließlich vorantrieb. Medizinische Ausbildung via Fernunterricht brachte nämlich vor allem im Jahr 2020 einen großen Vorteil. Für die heutige Studentengeneration ist auch durch die Pandemie der digitale Zugang zu Lernstoff bereits vollkommen natürlich.

Moderne Methoden sind erfolgreich
So zeigte eine aktuelle Studie der Universität L’Aquila in Italien, dass die angehenden Mediziner mit der digitalen Lernmethode sehr zufrieden waren. Wissenschafter fanden heraus, dass der digitale Seziertisch außerdem die Lernergebnisse des beobachteten Jahrganges deutlich verbesserte. Darüber hinaus nahmen sie ein verstärktes Selbstvertrauen bei den jungen Lernenenden wahr. Ängste und Zögern, wie sie beim Sezieren echter Leichen immer wieder vorkommen, konnten vermieden werden.

In Europa wird der digitale Seziertisch bereits an über 90 Universitäten und Institutionen eingesetzt. Es stehen derzeit vier verschiedene komplett digitalisierte Körper zur Verfügung. Auf Basis von echten menschlichen Leichnamen wurde die Anatomie korrekt digital rekonstruiert. 2019 integrierten die Entwickler zusätzlich dynamische Funktionen in den Körper, die es ermöglichen, z. B. einen Herzschlag sichtbar zu machen. Möglich ist ebenfalls, die Nervenbahnen abzubilden, also die Reizleitungen im Körper zu visualisieren. Die neuesten „Tische“ hauchen den Körpern noch mehr Leben ein: Blut fließt hindurch, Gelenke können bewegt, kleinste Gefäße genau betrachtet werden. Schließlich vermag sogar eine Schwangerschaft dargestellt werden. Für die Studenten bedeutet das ein leichteres Verständnis der funktionellen Anatomie. Angst vor den Sezierkursen gehört außerdem der Vergangenheit an.

Eva Greil-Schähs
Eva Greil-Schähs
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Sonntag, 28. November 2021
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