31.10.2021 14:00 |

Osterfestspiele

Die etwas andere Totenmesse

Am Freitagabend eröffneten die Sächsische Staatskapelle Dresden und der Salzburger Bachchor unter der Leitung von Star-„Maestro“ Christian Thielemann die verschobenen Salzburger Osterfestspiele mit Mozarts Requiem. Für Salzburger Verhältnisse war die Totenmesse aber nicht barockig luftig, sondern breit. Das Solisten-Quartett kam erst mit Fortdauer auf Touren.

„Die großen Werke der großen Meister“ kündigte der künstlerische Leiter der Osterfestspiele, Christian Thielemann, in einer Vorschau auf das viertägige Festival an. Am Freitagabend eröffnete man, dem Anlass entsprechend, mit Wolfgang Amadeus Mozarts Requiem die Osterfestspiele im großen Festspielhaus in der Hofstallgasse. Doch wer ein Salzburg-typisches Requiem, das nach dem Ableben Mozarts von dessen Schüler Franz Xaver Süßmayr vervollständigt worden war, erwartet hatte, wurde überrascht: Anders als im Dom wirkte das thielemanneske Requiem breiter, war ein größeres Spektakel. Stellen im Piano wurden ins Pianissimo herabgestuft, klanggewaltige Passagen wie „Dies irae“ dafür noch etwas verstärkt. So bekam die Totenmesse eine ganz andere Atmosphäre. „Breitband Cinemascope“ wäre hier eine treffende Bezeichnung. Leichter war dafür die Performance von Star-„Maestro“ Thielemann, der seinen Musikern tänzerisch anmutend den Takt angab.

Kleine Schwächen traten ausgerechnet beim namhaft besetzten Solisten-Quartett auf, das zu viert („Recordare“) am besten funktionierte. Sopranistin Golda Schultz fand zu Beginn nicht ganz in die Rolle hinein, ihr Lux Aeterna (der Schlusssatz) erhellte den großen Raum aber bis in die letzte Reihe. Bass René Pape hatte es beim „Tuba Mirum“ – die Parade-Stelle des Werks für jeden Bass – eiliger als der Posaunist, der kaum noch hinterherkam. Doch auch er fand mit Fortdauer zu gewohnter Stärke. Souverän agierten dafür der wunderbare Sebastian Kohlhepp und die beseelte Altistin Christa Mayer. Auch die Balance zwischen Staatskapelle und Bachchor stimmte nicht immer zu einhundert Prozent, die Kritik ist aber eine auf sehr hohem Niveau. Sonst agierte das renommierte Orchester wie gewohnt sauber, ähnlich wie der Chor. Dieser stellte mit klarem Gesang unter Beweis, wieso er seit vielen Jahren Stammgast bei diversen Musikveranstaltungen der Extraklasse ist.

Thielemanns Requiem hatte seine Stärken und Schwächen, war für Salzburger Verhältnisse untypisch. Wer es traditionell mag, sollte in den Dom gehen.

Sebastian Steinbichler
Sebastian Steinbichler
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