Dänemarks Kapitän

Simon Kjaer: Anführer, der kein Held sein will

Er ist ein echter Anführer. Kapitän Simon Kjaer steht sinnbildlich wie kein zweiter Spieler für den Zusammenhalt, der die dänische Fußball-Nationalmannschaft in den vergangenen Monaten so stark gemacht hat. Sein schnelles Eingreifen beim Zusammenbruch von Teamkollege Christian Eriksen bei der EM hat ihn zum gefeierten Helden gemacht. Der 32-Jährige von AC Milan überzeugt aber auch spielerisch. Zuletzt wurde er als einer von nur fünf Verteidigern für den Ballon d‘Or nominiert. Held will er aber keiner sein.

Für Dänemarks Teamchef gehört sein Abwehrchef längst zu den besten Innenverteidigern der Welt. „In den vergangenen eineinhalb Jahren ist er immer besser und besser geworden. Es ist ein bisschen wie mit der guten Flasche Wein, die mit dem Alter immer besser wird“, sagte Kasper Hjulmand am Wochenende. „Er ist gut im Positionsspiel, hat enorme Persönlichkeit, ist ruhig und professionell. Er ist einfach ein starker Charakter, den man in einer Fußballmannschaft haben will.“

„Held“ im Eriksen-Drama
Das zeigte Kjaer auch an jenem schicksalhaften 12. Juni 2021. Dänemarks Topstar Eriksen war im EM-Spiel gegen Finnland in Kopenhagen zusammengebrochen. Kjaer war als einer der ersten Spieler bei ihm, stellte sicher, dass dieser seine Zunge nicht verschluckte. Danach tröstete er Eriksens Freundin und bildete mit seinem Team einen Schutzwall, um eine möglichst ungestörte Behandlung zu ermöglichen.

„Nur getan, was ich musste“
„Ich habe nur getan, was ich tun musste, ohne nachzudenken, so wie es jeder getan hätte“, sagte Dänemarks Kapitän später. Er habe instinktiv gehandelt. Held sei er deswegen keiner. „Es war eine Teamleistung.“ Eriksen wurde wegen seiner davor nicht bekannten Herzprobleme ein Defibrillator eingesetzt. Die Partie gegen Finnland ging zwar 0:1 verloren, Dänemark stürmte nach überwundenem Schock aber bis ins EM-Halbfinale.

Kjaer spielte nicht nur dabei, sondern auch in der bisher so erfolgreichen WM-Qualifikation eine entscheidende Rolle. Vor dem Duell mit Österreich am Dienstag (20.45 Uhr/live im krone.at-Ticker) in Kopenhagen hat er in zwei Länderspielen in Serie getroffen. Am Samstag gegen die Republik Moldau (4:0) donnerte er einen Elfmeter via Unterkante der Latte ins Netz.

116 Länderspiele hat Kjaer seit 2009 absolviert, satte 111 davon in der Startformation. Seit fünf Jahren ist der Abwehrspieler Kapitän. „Er ist ein absoluter Führungsspieler“, meinte ÖFB-Teamchef Franco Foda. Das habe Kjaer insbesondere beim Vorfall mit Eriksen bewiesen. „Da muss man den Hut davor ziehen, in so einer schwierigen Situation die Kontrolle zu bewahren, die richtigen Entscheidungen zu treffen“, sagte Foda. „Man sieht, dass er für Dänemark extrem wichtig ist.“

Kjaer sieht die ganze dänische Truppe in eine neue Dimension vorgestoßen. „Das ist das beste Nationalteam, für das ich bisher gespielt habe.“ Das betreffe sowohl die Qualität der Spieler als auch die Typen in der Mannschaft. „Es läuft alles sehr gut zusammen - sowohl offensiv als auch defensiv.“

Bei Milan zur Bestform
Er selbst ist nach Jahren der Wanderschaft mit Stationen in Italien (Palermo, AS Roma, Atalanta), Deutschland (Wolfsburg), Frankreich (Lille), der Türkei (Fenerbahce) und Spanien (FC Sevilla) in seinen eineinhalb Jahren bei Milan zur Bestform aufgelaufen. Als einer von 30 Akteuren für den prestigeträchtigen Ballon d‘Or des weltbesten Fußballers nominiert zu sein, sei eine große Auszeichnung - und zugleich auch eine große Motivation, weiter hart an sich zu arbeiten.

„Es ist ein großes Privileg und zeigt, dass ich ein wirklich, wirklich gutes Jahr gehabt habe“, sagte Kjaer. „Es macht mich aber nur noch hungriger, Fußball zu spielen. Es geht darum, dieses Level zu halten, noch besser zu werden und auf allen Ebenen auf und neben dem Feld zu helfen. Ob das beim Nationalteam ist oder bei Milan, egal.“ Simon Kjaer ist für alle da.

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