29.09.2021 17:58 |

Plagiats-Krimi

Ex-Ministerin Aschbacher keine „Titel-Schummlerin“

Ganze Absätze abgeschrieben, falsche Zitate, mangelhafte Deutschkenntnisse - Anfang des Jahres sorgte der Plagiats-Krimi um Arbeitsministerin Christine Aschbacher für Aufregung. Der Druck, sich ihren Magister- und Doktortitel quasi erschwindelt zu haben, wurde so groß, dass die ÖVP-Politikerin schließlich Mitte Jänner zurücktrat und abtauchte. Jetzt, nach neun Monaten, ist ein erstes Gutachten da. Und die Prüfung der Fachhochschule Wiener Neustadt entlastet Aschbacher von allen Vorwürfen: Die Diplomarbeit ist kein Plagiat!

Der umstrittene Plagiats-Jäger Stefan Weber hatte die akademischen Arbeiten der damaligen Arbeitsminister „zerlegt“. Auf die Idee, das 2006 (Aschbacher war damals 23 Jahre alt) an der FH Wiener Neustadt eingereichte Werk unter die Lupe zu nehmen, sei er nach TV-Auftritten der ÖVP-Politikerin gekommen. „Ich habe mich gewundert, wie sie mit diesem holpernden Deutsch eine wissenschaftliche Arbeit verfassen konnte.“ Die Plagiatssoftware habe dann bereits nach wenigen Stunden „gravierende Mängel“ zutage gefördert.

Arbeit erhielt „Sehr gut“
Die angegriffene Ministerin wehrte sich anfänglich gegen die schweren Vorwürfe: Sie habe „nach bestem Wissen und Gewissen geschrieben“, sei dafür mit einem „Sehr gut“ beurteilt worden. Die rasante Verbreitung der Textpassagen in sozialen Medien ließ sich da aber nicht mehr einfangen. Nachdem der öffentliche Druck zu groß geworden war, zog Christine Aschbacher schon nach wenigen Tagen die Konsequenzen und legte ihr Amt nieder.

Während sowohl die niederösterreichische Fachhochschule in Sachen Diplomarbeit wie auch die Uni Bratislava zur Doktor-Dissertation Prüfungen einleiteten, wurde es um die 38-jährige Steirerin nach ihrem Abtritt von der politischen Bühne still.

Bis heute, knapp neun Monate nach dem Rückzug. Denn jetzt ist das erste Gutachten von der Österreichischen Agentur für wissenschaftliche Integrität (ÖAWI) da. Und die Experten waschen die Ex-Arbeitsministerin von allen Vorwürfen rein! Abseits kleiner Schlampigkeiten handle es sich beim FH-Werk um kein Plagiat, alles ist somit korrekt! Damit kann Aschbacher den Magistertitel behalten.

„Keine Täuschungsabsicht“
Konkret heißt es: „Ein Widerruf des akademischen Grades kommt nach einschlägigen studienrechtlichen Bestimmungen nur beim Nachweis einer vorsätzlichen Täuschung infrage. Die abschließende Stellungnahme sieht keine Täuschungsabsicht verwirklicht. Aufgrund diese Ergebnisses stellt die Kollegiumsleitung an der FH Wiener Neustadt ihr Überprüfungsverfahren ein.“

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Sie ist über das Prüfergebnis und dass sich damit alle Plagiatsvorwürfe in Luft auflösen sehr erleichtert. Eine Rückkehr in die Politik ist aber ausgeschlossen.

Umfeld von Ex-Arbeitsministerin Christine Aschbacher

Aschbacher „sehr erleichtert“ über das Ergebnis
Offen ist noch das Gutachten der Uni Bratislava, was den Doktor angeht. Bei dieser wissenschaftlichen Arbeit hatte unter anderem der Satz „Annahmen sind wie Seepocken an der Seite eines Bootes, sie verlangsamen uns“ für Wirbel gesorgt. Aus dem Umfeld der gestürzten Ministerin heißt es, dass Aschbacher jedenfalls „sehr erleichtert über das Ergebnis ist“. Eine Rückkehr in die Politik sei aber definitiv ausgeschlossen.

Christoph Budin
Christoph Budin
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