09.09.2021 08:00 |

„Allegra!“

Graubünden: Unterwegs in der wilden Schweiz

Als größter Kanton der Schweiz besticht Graubünden mit dem ältesten Nationalparkder Alpen und einem UNESCO-Biosphärenreservat in geschützter Wildnis. Die imposante Schweizer Bergidylle ist Heimat der weltbekannten Heidifilme. 

Am südöstlichsten Ende der Schweiz, an der Grenze zu Italien und Österreich, liegt die Region Engadin Scuol Zernez in Graubünden. Die Schweizer Bergidylle ist Heimat der berühmten Heidi-Filme. Mit seinen verwinkelten Gassen und den Sgraffiti-verzierten Engadinerhäusern ist Zernez geprägt von der romanischen Kultur. Rätoromanisch wird hier noch gepflegt und gelebt. Die Bezeichnung der Geschäfte und Firmen auf Romanisch ist Plicht. Bis zur 3. Primarklasse ist es noch die einzige Unterrichtssprache. Danach wird Deutsch, Französisch, Englisch oder Italienisch gelernt. „Allegra“ übrigens heißt übersetzt „guten Tag“.

Das Tor zum Schweizer Nationalpark liegt in Zernez. Das größte Wildnisgebiet der Schweiz, mit seinen tiefen Schluchten und Mineralquellen, umfasst 170 Quadratkilometer unberührte Naturlandschaft und 100 Kilometer Wanderwege. Im ältesten Alpenpark offenbart sich eine einzigartige hochalpine Flora und Fauna: Seit über 100 Jahren wird die Natur hier sich selbst überlassen - ohne jegliches Zutun des Menschen. Geschützt ist der gesamte Lebensraum. Das bedeutet auch, dass umgestürzte Bäume, Lawinen und Murgänge nicht weggeräumt werden. Ungestört leben Gämsen, Steinböcke, Murmeltiere, Bartgeier, Hirsche und der Tannenhäher - das Nationalpark-Wappentier in der unberührten Wildnis.

So weit uns die Füße tragen: Wandern kann vielseitiger nicht sein. Immer entlang uralter Föhren-Lärchen-Mischwälder mit Blick auf die markanten Dreitausender und die Gipfel der Sesvenna-Gebirgsgruppe. Ein wahres Naturjuwel sind die Seenplatten von Macun und Lais da Rims. Auch die Schluchten Val d’Uina sowie der höchstgelegene Zirbenwald Europas prägen die landschaftliche Vielfalt.

Damit die natürlichen Prozesse in dieser streng geschützten Wildnis auch ihre Wirkung zeigen, gilt es für Besucher strenge Park-Regeln zu beachten: So dürfen beispielsweise keine Hunde in den Nationalpark. Das Verlassen der Wanderwege und das Baden in den Seen und Flüssen ist verboten. Abfälle müssen wieder mitgenommen werden. Und es dürfen keine Steine gesammelt, keine Blumen und Pilze gepflückt werden - rein gar nichts darf aus der Natur entnommen werden.

Nur eine Schutzhütte gibt es im Park: Auf 1882 Meter steht die „Chamanna Cluozza“ im Val Cluozza. Sie zählt 4500 Übernachtungen im Jahr. Der Ofenpass, 36 Kilometer lang und 2149 Meter hoch, verbindet Zernez mit dem Val Müstair. Die steile Passstraße ist eine beliebte Rennrad- und Motorrad-Strecke. Trotz der schönen Strecke mit traumhaftem Ausblick auf das Alpenpanorama sorgt die Postbus-Fahrt neben tiefen Gräben, steilen Felsen und engen Kurven für hohen Puls.

Das kleine Tal Val Müstair ist eine Welt für sich: Malerische Dörfer kontrastieren mit wilder Natur. Es ist Heimat des alten UNESCO-Benediktinerinnenklosters St. Johann - mit dem größten und besterhaltenen Freskenzyklus des Frühmittelalters. Darüber hinaus bildet das Val Müstair gemeinsam mit dem Nationalpark das erste hochalpine UNESCO-Biosphärenreservat der Schweiz.

"Jau sun BiosferaIm“
199 Quadratkilometer großen Naturpark Biosfera produzieren 80 Prozent der Landwirte biologisch. Ein ausgewogenes Zusammenspiel von Ökologie und Ökonomie soll die Lebensgrundlage für die einheimische Bevölkerung bieten. Naheliegend also, dass die Münstertaler dieses wertvolle Erbe erhalten und nutzen - ihr Motto: „Jau sun Biosfera - ich bin die Biosfera.“ Biologisch, saisonal und regional werden Milch, Getreide, Fleisch und Getränke produziert. Beispiele hierfür sind die Käserei „Chascharia“, in der Käse mit Bio-Suisse-Standard hergestellt wird (ein Besuch wert!). Oder das köstliche Biera Engiadinaisa - das Weizenbier mit Bündner Weizenmalz.

Kulinarisch hat die Region jedenfalls einiges zu bieten: Capuns, Pizocels, Schaibiettas und die Bündner Nusstorte - wer sich gerne durchkosten möchte, tut dies auf der „Chatscha culinarica“ - einer abwechslungsreichen Genuss-Schnitzeljagd für die ganze Familie.

Graubünden ist zu jeder Jahreszeit betörend: Wenn sich schon bald die Blätter rot-gelb färben und dicke Schneehauben die Berge überziehen lohnt sich ein Wiedersehen - „A revair“!

Sandra Jakubowics, Kronen Zeitung

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