06.09.2021 01:14 |

Mit Photonen-Lidar

VWs Ghostbusters ebnen den Weg in die Autozukunft

Offiziell wurde der spannende Elektro-Bulli ID.Buzz noch nicht vorgestellt und doch fährt er bereits auf deutschen Straßen - und zwar autonom. In schwarzweißer Tarnfolierung und mit auffälligen An- und Aufbauten wirkt er zwar eher wie ein neues Ghostbusters-Fahrzeug, tatsächlich leitet er aber VWs Zukunft des autonomen Fahrens ein. Am Sonntagabend wurde eines von bisher fünf Exemplaren auf der „New Auto Night“ des Volkswagenkonzerns am Vorabend der IAA in München gezeigt.

VW investiert Milliarden in die Entwicklung des autonomen Fahrens, vor allem in die Firma Argo AI mit dem gerne als „Anti-Musk“ bezeichneten Boss Bryan Salesky. Volkswagen-Chef Herbert Diess erwartet in Zukunft ein Riesengeschäft mit dem Bereich autonomes Fahren und streicht vor allem auch den umweltschonenden Aspekt heraus: „Ein Privatauto wird im Durchschnitt eine Stunde pro Tag genutzt. Ein Robotaxi könnte es auf 15 Stunden bringen.“ Umweltfreundlich deshalb, weil weniger Autos gebaut werden müssten, wenn die vorhandenen nur dauernd genutzt werden. Zudem wäre dann Schluss mit dem Verkehrskollaps in Städten, weil einfach weniger Autos auf der Straße sind.

Aber das ist Zukunftsmusik. Zunächst muss die Technik entwickelt und dazu vor allem Daten gesammelt werden. Und genau das passiert nun mit dem Ghostbusters-ID.Buzz. Derzeit fahren fünf Exemplare auf einem Testgelände am Flughafen München, ab Ende des Monats kurven sie auf öffentlichen Straßen der bayerischen Landeshauptstadt, ausgerüstet mit einer Kombination aus Lidar-, Radar und Kamerasystemen. Ein Ziel ist es, das abgefahrene Gebiet Meter für Meter zu kartografieren, damit autonome Autos dann auf Basis dieser Karten sicher unterwegs sein können. Im Moment ist immer ein Sicherheitsfahrer an Bord, der im Notfall blitzschnell eingreifen kann.

Nach und nach werden Hunderte solcher Prototypen in Dienst gestellt, dann vor allem in Hamburg. Eben dort soll der VW ID.Buzz AD (autonomous driving) ab 2025 auch den autonomen Vollbetrieb starten, als Teil der Flotte des Fahrtdienstes Moia und ohne Aufpasser am Steuer. Aber auch in anderen Städten wird er eingesetzt.

Die meisten Sensoren des Prototypen werden auch von anderen Firmen genutzt, die am autonomen Fahren forschen. Das auffällige Gerät auf dem Dach jedoch ist eine Eigenentwicklung von Argo AI: ein Langstrecken-Lidar (Abkürzung für Light detection and ranging, ein Laserscanner) mit einer Reichweite von über 400 Meter und 360-Grad-Rundumblick. Das Glanzstück am Argo-Lidar ist der sogenannte Geiger-Modus, mit dem das System so scharf sehen soll, dass es kleinste Lichtpartikel (Photonen) erkennt. So bleiben ihm auch schlecht reflektierende, dunkle Objekte in dunkler Umgebung nicht verborgen.

So soll es möglich sein, Aktionen von Fußgängern, Radfahrern und Fahrzeugen vorauszuberechnen. Die Technik soll einst so gut Bewegungen und sogar Blicke interpretieren können wie ein Fahrer aus Fleisch und Blut. „Eine Umfelderkennung aus vierzehn Kameras, sechs Lidar- und elf Radar-Sensoren, über das gesamte Fahrzeug verteilt, kann wesentlich mehr erfassen als ein menschlicher Fahrer von seinem Sitzplatz aus“, erklärt Christian Senger, Bereichsleiter Autonomes Fahren bei Volkswagen Nutzfahrzeuge. Außerdem ist die Technik weder abgelenkt noch betrunken am Steuer.

Zitat Icon

„Der Volkswagen-Konzern treibt die Transformation vom Fahrzeughersteller zu einem weltweit führenden, softwaregetriebenen Mobilitätsanbieter voran.“

Volkswagen-Vorstandsvorsitzender Herbert Diess

Tests in Deutschland und den USA
Die Zusammenarbeit von Argo AI und Volkswagen Nutzfahrzeuge im Entwicklungszentrum von Argo AI in Neufahrn bei München orientiert sich an der parallelen SDS-Entwicklung (SDS=Self Driving System) in Amerika. Argo verfügt neben seiner Teststrecke in den USA außerdem über einen neun Hektar großen geschlossenen Parcours am Münchner Flughafen, um hier gezielt auch eine Vielzahl typischer europäischer Verkehrssituationen zu testen.

Natürlich sollen künftige Fahrzeuge weniger auffällig aussehen. Doch dazu muss sich die Hardware weiterentwickeln, damit die Komponenten kleiner werden. Dann sehen sie nicht mehr aus wie Ghostbusters-Mobile - sondern sind ganz unauffällige Geisterautos …

Stephan Schätzl
Stephan Schätzl
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