Daumensattelgelenk

„Ich denke kaum noch an mein Implantat am Daumen“

Eine sogenannte Rhizarthrose machte Frau Domlatil schwer zu schaffen. Dank eines Implantats ist die Patientin nun ohne Beschwerden und hat ihre Greiffunktion vollständig zurück.

Als die menschliche Hand im Rahmen der Evolution die Fähigkeit der Greiffunktion entwickelte, büßte sie zum Vorteil der Beweglichkeit und Feinmotorik einen Großteil ihrer Stabilität im Bereich des Daumensattels ein, wie OA Dr. Axel Kaulich, Leiter der Handambulanz, Abteilung für Orthopädie und Traumatologie im Hanusch-Krankenhaus Wien, berichtet. Die dadurch erhöhte Belastung führt häufig zu Abnützungen, die neben Schmerzen, Instabilität und Deformation mit massiver Funktionseinschränkung einhergehen. Rund 10% der Gesamtbevölkerung weisen eine derartige Rhizarthrose auf. Nicht alle spüren jedoch Beschwerden, die einer Behandlung bedürfen. Zum Großteil sind Frauen ab dem 50. Lebensjahr betroffen. Der Hormonspiegel in den Wechseljahren dürfte hier eine Rolle spielen und Bindegewebe bzw. Bänder rund um das Daumensattelgelenk schwächen.

Massive Beschwerden beeinträchtigten den Alltag
Auch Manuela Domlatil litt unter starken Schmerzen in diesem Bereich. „Ich habe alle möglichen Therapien probiert, Ruhigstellung mittels Schiene, Gymnastik usw., aber nichts half“, berichtet die 57-Jährige. Ihr Alltag war dadurch eingeschränkt. „Ich bin Verkäuferin für Uhren und Schmuck. Das Aufziehen der Uhren, Anlegen der Bänder, Geld zählen oder im Haushalt Kochen sowie Staubsaugen waren kaum möglich. Auch beim Sport - ich gehe leidenschaftlich gerne schwimmen - verspürte ich Schmerzen.“ Als die Beschwerden schlimmer wurden und bereits in der Nacht auftraten, suchte die in Wien lebende, gebürtige Oberösterreicherin Dr. Axel Kaulich im Hanusch-Krankenhaus auf. Schließlich entschied sie sich für den operativen Ersatz des kaputten Daumensattelgelenks durch eine Mini-Prothese. „Indikation für eine Operation sind vor allem Schmerz sowie Funktionseinschränkung“, so Dr. Kaulich. „Jedoch sind die Röntgenbilder nicht immer mit dem Empfinden des Patienten gleichzusetzen. Bei manchen Betroffenen ist das Gelenk zwar massiv abgenutzt, jedoch die Beschwerden gering.“

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Das Aufziehen der Uhren, Anlegen der Bänder, Geld zählen oder im Haushalt Kochen sowie Staubsaugen waren kaum möglich.

Manuela Domlatil

Früher kam als OP-Technik vorwiegend die „Resektions-Suspensions-Arthroplastik“ zum Einsatz. Dabei wird das Vieleckbein (Trapezium) entfernt und der erste Mittelhandknochen mit einer zur Hälfte abgespaltenen Sehne aus der Umgebung stabilisiert. „Diese Methode braucht jedoch Geduld bei der Heilung“, erklärt der Chirurg. „Es dauert 3-6 Monate, bis die Strukturen gefestigt sind. Meist bleibt ein Kraftverlust, und der Daumen verliert durch Entfernung des Knochens an Länge.“ Wird, wie bei Frau Domlatil, eine Prothese eingesetzt, bleiben Funktion sowie Kraft erhalten, und es kommt zu keinem Längenverlust, wie Dr. Kaulich betont.

Moderne Implantate zeigen vielversprechende Erfolge
Für die modernen, verbesserten Implantate gibt es erst 10 Jahre Langzeitergebnisse, diese sind durchwegs positiv. „Man geht davon aus, dass die Prothese 20-25 Jahre hält. 8-10 Wochen nach der Operation ist wieder alles möglich, auch Sport wie Skifahren, Tennis, Golf. Einschränkungen gibt es bei Aktivitäten, wo Zug und Rotation zugleich wirken, z. B. bei Kampfsport. Auch Bauarbeitern, die mit dem Presslufthammer arbeiten, wird diese Methode wegen der massiven Vibration nicht empfohlen. Gegen eine derartige Operation spricht eine starke Allergie vor allem auf Nickel, da dieses Material in geringen Mengen im Implantat vorhanden ist“, so der Experte. Der Eingriff bei Frau Domlatil erfolgte im Februar vergangenen Jahres. Die Patientin berichtet zufrieden: „Mein Daumen ist zu 100% wieder einsetzbar. Ich war nach der OP zwei Monate im Krankenstand. Trotz Unterbrechung der Physiotherapie durch den Lockdown habe ich nun nach sechs Monaten schon fast vergessen, dass ich ein neues Gelenk habe.“

Regina Modl
Regina Modl
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Dienstag, 21. September 2021
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