Von Joints bis Kuh

Diese Anreize setzen andere Länder für die Impfung

Ausland
15.07.2021 07:06

Donuts, Bier, die Chance auf einen Lotto-Millionengewinn oder gar auf eine Kuh - weltweit gibt es die verschiedensten Anreize, sich gegen SARS-CoV-2 impfen zu lassen. Für das angesehene British Medical Journal (BMJ) haben die Journalistinnen Serena Tinari und Catherine Riva eine buchstäblich kunterbunte Zusammenstellung recherchiert.

Am finanziell einträglichsten könnte die Corona-Impfung im US-Bundesstaat Ohio sein. Dort finanziert der Bundesstaat die „Vax a Million“-Kampagne, bei der über fünf Wochen hinweg jeweils eine Million US-Dollar (rund 840.000 Euro) winken. Jugendliche können hingegen einen von fünf Universitätsplätzen für ein vierjähriges Studium gewinnen. In den USA sind Studienplätze zum Teil extrem teuer. Viele Studenten oder ihre Familien verschulden sich dafür mit Krediten.

Sonst ist die Liste an Anreizen lang: Geld, Gratis-Donuts, Fischerei- oder Jagdkarten, freier Eintritt in Museen, Tiergärten, Konzerttickets oder Plätze bei beliebten Sportveranstaltungen werden US-Bürgern für den „Shot“ angeboten, der vor Covid-19 schützen soll.

In Hongkong kann man eine Wohnung in diesem Hochhauskomplex gewinnen, wenn man sich impfen lässt. (Bild: Associated Press)
In Hongkong kann man eine Wohnung in diesem Hochhauskomplex gewinnen, wenn man sich impfen lässt.

New Jersey bietet „Impfung und ein Bier
„Lasst euch impfen und geht auf ein Bier“, hatte US-Präsident Joe Biden die Amerikaner zur Impfung aufgerufen. Der an New York City angrenzende US-Bundesstaat New Jersey startete darauf die Kampagne „Impfung und ein Bier“. Der US-Bundesstaat Washington bietet „Joints für Impfungen“ an. Michigan hat „Pot for Shots“ - also auch Cannabis als Belohnung. In West Virginia geht es bei „Call to Arms“ um Geldgeschenke, es gibt auch Lkw und sogar Gewehre zu gewinnen.

Thailand verlost Kuh unter Geimpften
In Kanada wiederum bekommen zwölfjährige Impflinge ein Gratis-Eis als Belohnung. Eine Impfstraße in den Niederlanden gibt eingelegte Heringe aus. „In Chiang Mai in Thailand kann man hingegen eine Kuh gewinnen“, heißt es in der medizinischen Fachzeitschrift. Hongkong wiederum bietet die Chance auf Goldbarren oder auf einen Tesla-E-Auto-Renner. In Rumänien wurde gar das Schloss von Graf Dracula in eine Geisterbahn-Impfstraße umgewandelt.

Wohl eine der schönsten Impfstraßen - das Schloss Bran in Rumänien, das jenem aus Bram Stokers Roman „Dracula“ ähneln soll (Bild: AFP)
Wohl eine der schönsten Impfstraßen - das Schloss Bran in Rumänien, das jenem aus Bram Stokers Roman „Dracula“ ähneln soll

Expertin: „Nicht wünschenswert in Pandemie“
Nicht alle Experten sind von solchen Aktionen begeistert. Für Ana Santos Rutschman, Professorin an der Saint Louis University School of Law in den USA, sind besonders finanzielle Zuwendungen für Covid-19-Impfungen ein Problem: „So was ist nicht wünschenswert bei einer Pandemie, die von Fake News und Misstrauen gegenüber den Gesundheitsbehörden begleitet wird.“ Das könne auch einen gegenteiligen Effekt haben und die Stimmung zum Kippen bringen.

Aber kleine Anreize sollten eben gerade bei denjenigen einen zusätzlichen Stimulus für die Impfung geben, die in bloßer Warteposition sind. Echte Impfgegner werde man damit nicht erreichen, meinte die Medizin-Philosophin Maya Goldenberg (University of Guelph/Ontario). In den USA sind es immerhin 40 Prozent der Erwachsenen, die bezüglich der Covid-19-Impfung auf „Abwarten und Tee trinken“ setzen.

„Antithese zu guten Systemen für öffentliche Gesundheit“
Ross Silverman von der Indiana University jedenfalls hat einen Wunsch: „Ich hätte es lieber, wenn die offiziellen Stellen Waffen, Alkohol oder Cannabis nicht als Anreiz einsetzen würden.“ Völlig dagegen ist Allyson Pollock, Leiterin des Exzellenzzentrums zur Erforschung von Regelsystemen der Universität von Newcastle (Großbritannien): „Solche Programme sind die Antithese zu guten Systemen für öffentliche Gesundheit. Sie sind von kommerziellen Interessen getrieben. Impfstrategien sollten auf Information, Vertrauen und Zustimmung basieren, nicht auf Zwang oder Bestechung.“

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