Krieg wird moderner

Cyberwar Thema der Sicherheits-Konferenz

Web
07.02.2011 11:46
Bei der Sicherheitskonferenz in München sind der Krieg der Vergangenheit und der Krieg der Zukunft aufeinandergeprallt: Die alte Bedrohung durch Raketen sorgte für ebenso hitzige Debatten wie die neue Bedrohung durch Cyber-Attacken. Diese standen erstmals auf der Agenda der Konferenz, werden in den nächsten Jahren aber voraussichtlich Dauerthema sein.

Die deutsche Kanzlerin Angela Merkel rang noch um passende Worte, als sie die ungewohnten Gefahren eines kostspieligen Wettrüstens gegen die Angriffe aus dem Internet beschwörte. Sie warnte vor einer Verlagerung des Wettrüstens von den militärischen Waffenarsenalen ins Internet.

"Wir werden viel Geld damit vergeuden, ohne dass man eine Armee sieht, wie es im Kalten Krieg war", warb sie für ein rasches internationales Abkommen gegen Cyber-Attacken. Die G-8 solle sich des Themas annehmen, forderte der deutsche Innenminister Thomas de Maiziere. "Pro Tag verzeichnen wir vier, fünf Angriffe auf das Netz des Bundesregierung", sagte er. Alle zwei Sekunden gebe es im Internet Angriffe, die teilweise kriminellen, teilweise aber auch staatlichen Hintergrund hätten. Auch der britische Außenminister William Hague sprach von systematischen Angriffen auf das britische Regierungsnetz und britische Rüstungsfirmen.

Verteidigung gegen Online-Angriffe schwierig
Deutsche-Telekom-Chef Rene Obermann warnte, Cyber-Attacken würden künftig die dominierende Gefahr in der Sicherheitspolitik sein. "Allein im Dezember verzeichnete die Deutsche Telekom 200.000 Angriffe auf ihr Netz", sagte er. Professionelle Virenjäger hätten mittlerweile eine Liste von mehr als drei Millionen verschiedenen Viren. Unklar ist dabei, wie das Internet, Energienetze, aber auch etwa Kontrollsysteme von Industrieanlagen geschützt werden können. Die Jagd auf die Angreifer wird dadurch erschwert, dass sie oft erst nach Wochen identifiziert werden können. Umstritten ist auch, ob Polizei oder Militär für die Abwehr von Cyber-Attacken zuständig sind.

Auch Energienetze und Zahlungsverkehr gefährdet
De Maiziere forderte einen Bündnis von Politik und Firmen, um sich gegen Gefahren zu wappnen. Gelinge es Cyber-Angreifern, den Zahlungsverkehr auch nur für einen Tag lahmzulegen, hätten alle darunter zu leiden, warnte er. Etwa 80 Prozent der Informations-, Kommunikations- und Energienetze in den Industriestaaten sind in privater Hand. Obermann mahnte die Unternehmen, Ersatznetze aufzubauen, um die Verfügbarkeit strategisch wichtiger Verbindungsstränge zu garantieren.

Zahlreiche schwere Cyber-Attacken binnen weniger Jahre
Die US-Börse Nasdaq räumte am Wochenende passend zum Thema ein, Hacker seien in ihre Computer eingedrungen (siehe Infobox). Für Aufsehen hatte vor Monaten bereits die Cyber-Attacke mit dem Virus "Stuxnet" auf den Iran gesorgt, die Medienberichten zufolge dem iranischen Atomprogramm galt. 2007 wurde Estland mit einer Cyber-Attacke angegriffen, die die Banken des Landes schwer traf und für die Russland verantwortlich gemacht wurde.

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