22.05.2021 11:22 |

Reaktion auf ÖSV-Wahl

Schmidhofer ohne Knie-Schiene: „Ziel ist Olympia“

Ski-Rennläuferin Nicole Schmidhofer arbeitet fünf Monate nach ihrem schweren Sturz in Val d‘Isere hart an ihrem Comeback. Seit sechs Wochen ist sie in der AUVA-Rehaklinik in Tobelbad bei Graz (unten im Bild mit ihrem Arzt Jürgen Mandl) und konnte seither sowohl die Krücken als auch ihre Schiene am Knie loswerden: „Zuletzt war es ein großer Schritt für mich, die Stiege wieder ohne Schmerzen hinunterzugehen“, sagte sie. Ziel ist die Teilnahme bei den Olympischen Winterspielen im Februar 2022 in Peking.

„Es wird wieder, irgendwann. Im Großen und Ganzen läuft es gut. Wir sind zufrieden, wie es ist“, sagte sie. In Anbetracht ihrer Ungeduld könnte es schneller gehen, aber da lerne sie momentan viel dazu: „Die Ungeduld kann man aber halt auch nicht unbedingt abschalten.“ Hinzu kommen Tage, an denen sie sich frage: „Kann sich das ausgehen? Wird das irgendwann noch mal was? Die Tage sind selten, aber es gibt sie.“ Dem entgegen stehen Tage, an denen sie sich sicher ist, dass sie bis zum Winter wieder fit genug zum Skifahren sein wird: „So wie diese Woche, da ist soviel weiter gegangen.“

Familie, Freunde, Therapeuten, Teamkolleginnen helfen
Durch Tiefs komme sie momentan mit Hilfe ihrer Therapeuten, Freunde und Familie und natürlich mit mentaler Unterstützung durch die Teamkolleginnen. „Das baut mich wieder auf. So vergehen dann auch die nachdenklichen Tage.“ Besonders schwer war es allerdings direkt nach dem Sturz: „Es war von 100 auf null. In den ersten drei bis vier Wochen ging gar nichts. Der Körper braucht jede Kraft, um die schwere Verletzung zu verarbeiten und man ist kaputt, obwohl man nichts tut. Da musste ich mich nach den einfachsten Bewegungen wieder hinlegen.“

Sie habe am Anfang zehn bis zwölf Stunden geschlafen und tagsüber auch noch: „Ich hätte mir nie vorstellen können, wie platt man nach einer Operation sein kann und wie sehr es einen hernimmt.“ Mit zunehmender Genesung habe sie zwar wieder mit Bewegung beginnen können, „aber wenn du mit 30 Watt am Ergo-Bike fährst, das ist ja praktisch wie im Leerlauf, dann bist du brutal am Boden der Tatsachen. Da weiß man, dass es ein weiter Weg wird, bis es für den Leistungssport wieder reichen wird“, sagte sie nüchtern. Andererseits sei sie auch froh, dass sie nun wieder mehr machen kann: „Es motiviert mich, wenn etwas weitergeht. Ich muss mich dann wieder zügeln, weil ich zu ehrgeizig bin und dann manchmal zu viel machen will und die Muskulatur zumacht. Es ist schwierig, ein Mittelding zu finden. Es motiviert mich aber mehr als dass es mich runterzieht.“

Insgesamt hat sie sich seit ihrem Sturz vier Operationen unterziehen müssen: „Wir gehen davon aus, dass es das nun aber auch war.“ Daher richtet sich der Blick nun auf die Zukunft: „Olympia ist das große Ziel. Jeder weiß, wie schwer es ist, im österreichischen Ski-Team zu Olympia zu fahren. Es gibt viele gute Mädels. Es ist eine große Herausforderung, aber diese sind dazu da, um gemeistert zu werden. Ich habe da keine Zweifel.“

Kein Plan B
Einen Plan B schmiede sie nicht, obwohl Ärzte am Anfang gesagt hätten, dass sie froh sein könne, wenn sie wieder normal gehen kann. Daran, dass sie es vielleicht nicht zurück auf die Ski schafft, denke sie nicht: „Es gibt nur eine Option und ich gebe alles dafür. Ich habe ein tolles Team um mich herum und seit der Verletzung habe ich noch nie das Gefühl gehabt, allein zu sein. Da sind so viele, die mit mir den Weg gehen und die an mich glauben.“ Seit Dezember sei sie gerade einmal zwei Wochen zu Hause im Murtal gewesen: „Das ist schon zach, aber es ist die einzige Möglichkeit wieder fit zu werden, so wie ich mir das vorstelle. Deswegen bin ich hier.“

Langeweile komme in der Rehaklinik nicht auf. Das Programm sei jeden Tag dicht und beginnt schon um 6.00 Uhr mit Radfahren, geht über Bewegung im Wasser, weiter zu Therapien, Massagen sowie Rumpf- und Oberkörpertraining: „Es ist viel mehr als sonst zu tun und situationsabhängig - je nachdem wie das Knie mitmacht.“ Als echtes Training könne man das alles aber nicht bezeichnen, es sei viel mehr ein Wiedererlernen von Bewegungsmustern: „Ich bin froh, dass ich nach fünf Monaten wieder Stiegen ohne Schmerzen nach unten gehen kann. Das war ein großer Schritt und taugt mir.“

Weit vom normalen Knie entfernt
Das kaputte Knie ist aber noch weit entfernt von Normalität: „Bisher habe ich es aktiv auf 70 Grad abgewinkelt, nun habe ich die Freigabe für 90 Grad. Da arbeiten wir aber erst hin.“ Wie lange sie noch in der Rehaklinik bleiben wird, könne sie noch nicht sagen: „Sicher bis ich wieder auf einem richtigen Rad mit normaler und nicht verkürzter Kurbel fahren kann. Das Knie braucht auch noch viel Pflege und da habe ich hier die besten Möglichkeiten.“

Eine große Überraschung waren für sie die Nachrichten über ihren Onkel, Karl Schmidhofer, in den vergangenen Tagen. Er soll Peter Schröcksnadel als ÖSV-Präsident folgen: „Es war für mich, aber auch für alle anderen überraschend, dass plötzlich mein Onkel für dieses Amt als Kandidat nominiert wurde. Ich find es aber super, dass er sich dafür entschieden hat.“

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