26.04.2021 09:55 |

Im Porträt

George Nussbaumer: Schwarze Stimme, großes Herz

Die „schwärzeste Stimme Österreichs“ erklingt wieder: George Nussbaumer veröffentlichte unlängst seine erste CD mit ausschließlich Eigenkompositionen.

Zahlreiche Tonträger, umjubelte Auftritte seit den 80er-Jahren, ein Millionenpublikum beim Song-Contest und der Toni-Russ-Preis: An Highlights mangelte es in der Karriere des blinden Sängers wahrlich nicht. Umso überraschender, dass George erst vor gut einem Monat mit „Did anybody say it would be easy" (Hat jemand behauptet, dass es einfach wird?) seine erste CD nur mit Eigenkompositionen präsentierte.

Einfach war es für ihn sicher nicht - seiner Blindheit („Die war mir als Kind gar nicht so bewusst, sondern erst im Internat wurde ich damit so richtig konfrontiert") begegnete George aber zeitlebens mit erstaunlicher Gelassenheit und einer gehörigen Portion Selbstironie („Ich gehe nachher noch ins Kino").

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Ich habe alle meine Tonträger selbst finanziert. Im Nachhinein betrachtet gut so, denn ich bewahrte mir dadurch meine künstlerische Freiheit!

George Nussbaumer

Auch als Musiker verließ er sich nicht auf andere: „Ich habe alle meine Tonträger selbst finanziert. Im Nachhinein betrachtet gut so, denn ich bewahrte mir dadurch meine künstlerische Freiheit!“ Zumindest fast immer: Mit dem Dialektsong „Weil’s dr guat goht“ („Das war ein Kompromiss, musste man doch in der Landessprache singen“) wurde er 1996 beim „Eurovision Song Contest“ europaweit bekannt, schlug sich mit Platz 10 achtbar, verlor die Bodenhaftung aber nicht. „Es war ein Guckloch zur Berühmtheit. Geändert hat sich aber nichts - ich bin eher froh, nicht gewonnen zu haben, denn das wirst du nie mehr los“, meint der 57-jährige Vater einer Tochter und zweifache Opa augenzwinkernd. Und so veröffentlichte er im Gegensatz zu „Abba“ seine Alben weiterhin in Eigenregie und freundete sich schließlich auch mit der deutschen Sprache an.

Soul und Soziales
Im „Randy Newman-Projekt“ mit dem deutschen Poeten Maurenbrecher, als Mitglied der Polit-Comedians „Bagger Boys“ und als Kabarettist an der Seite von Stefan Vögel („Blindflug“) bewies George zudem Humor und Vielseitigkeit. Daneben setzte er sich für zahlreiche soziale Projekte ein („Ich lass mich zwar ungern vor einen Karren spannen, aber Respektlosigkeit und Diskriminierung machen mich wütend – also muss ich was dagegen tun“) und bekam 2018 für dieses Engagement den Toni-Russ-Preis verliehen.

Was er leider ebenfalls bekam: einen Herzinfarkt – für George die Initialzündung für das neue Album. „Ich sehe mich mehr als Interpret, aber mein Produzent Walter Schuler bestand auf Eigenkompositionen. Gemeinsam mit Texterin Ina Wolf sind wir’s dann angegangen". Heraus kam ein reifes und abwechslungsreiches Album mit sowohl musikalisch als auch textlich jeder Menge Soul (Seele), das nach der Corona-Krise („Es hilft übrigens, wenn man nicht sieht, dass alle Masken tragen") hoffentlich auch live zu hören sein wird.

Raimund Jäger
Raimund Jäger
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