01.04.2021 18:00 |

KULTUR IM LOCKDOWN

Dorothea Seel: Energie, die nicht flöten geht

Flötistin Dorothea Seel genießt einen internationalen Ruf als Spezialistin für historische Flöteninstrumente. Als gefragte Spielerin und künstlerische Leiterin der „Barocksolisten München“ beschäftigt sie sich mit der Flötenmusik des Barocks und der Klassik, wissenschaftlich und praktisch.

Als im Frühjahr 2020 der erste Lockdown hereinbrach, glaubte Dorothea Seel noch an eine Dauer von wenigen Wochen. Dann begann eine Welle von Absagen. Ein Projekt mit Alte Musik-Shootingstar Theodor Currentzis in Korea fiel ebenso Corona zum Opfer wie ein Konzert bei den Festspielen Sanssouci mit Duopartner Christoph Hammer und ein Konzert bei den Rosetti-Festtagen im Ries.

Wunsch nach kreativem Umgan mit Corona
Manches wurde auf 2021 verschoben und wackelt jetzt wieder. Der Sommer bot fast schon Normalität wegen eines mehrwöchigen Engagements bei den Innsbrucker Festwochen der Alten Musik. Die aktuelle Situation sieht Seel weit problematischer als die Lage von 2020: Festivals und Financiers brechen regelrecht weg. Die Künstlerin, stets zukunftsorientiert und voller Ideen, wünscht sich einen kreativen Umgang mit der Pandemie: Streaming kommt für sie eigentlich nicht in Frage; ihr würde der Kontakt zum Publikum, die Interaktion fehlen, die tote Kamera kann das Publikum nicht ersetzen. Vorstellen kann sie sich Soloperformances, neue reduzierte Formate, Happenings auch für die Studierenden. Gerade sie brauchen das Bühnenerlebnis, um Zukunft zu haben. Ein wichtiges Anliegen ist es der Musikerin, die als „Bühnentier“ und Energiebündel bekannt ist, die „Alte Musik“ von ihrem Image als „alt“ zu lösen und als essenzielles, relevantes Kulturgut im Bewusstsein der Öffentlichkeit zu verankern.

Mit Musik beschäftigt sich Dorothea Seel auch wissenschaftlich; aus dieser Forschungsarbeit werden Konzertprojekte. Diese betreffen die frühe Romantik, etwa Kuhlau, auch den Beethoven-Kreis. 2020 erschien eine CD mit Opernbearbeitungen, da will sie weitergraben. Eine Frage treibt sie zurzeit besonders um: Wie wurde in der Mozartzeit tatsächlich Flöte gespielt? Hier haben sich Konventionen etabliert, die einer kritischen Betrachtung nicht standhalten.

Franz Gratl, Kronen Zeitung

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