Mit Golfball-Effekt

Pfeifende Hightech-Anzüge verliehen Adlern Flügel

Der in diesem Ausmaß unerwartete WM-Höhenflug der österreichischen Skispringer mit zwei Goldmedaillen sowie je einer in Silber und Bronze hat auch etwas mit neuen Sprunganzügen zu tun. Die ÖSV-Equipe erhielt diese vor den Titelkämpfen, so richtig ausgewirkt haben sich die neuen Teile aber erst auf der Großschanze. Dies bestätigten Athleten und Verantwortliche nach einem Statement von Ex-Chefcoach Alexander Pointner. Für die TV-Zuschauer und die Beobachter an der Schanze war bei den Sprüngen der ÖSV-Adler längst ein unübliches Pfeifen zu vernehmen. 

Der 50-Jährige schrieb in seiner Zeitungskolumne von einer speziellen, einer Golfball-Oberfläche ähnelnden Struktur. „Im Prinzip haben wir wie andere Nationen an unserem Material gearbeitet“, erklärte Mario Stecher, Sportlicher Leiter im ÖSV für Skispringen und Kombination. „Natürlich haben wir nachjustiert beim Material. Das muss man auch ständig, um up to date zu sein. Es hat funktioniert, nicht zuletzt aufgrund des psychologischen Vorteils. Wir haben gewusst, wenn wir die Anzüge anziehen, funktioniert es.“

„Wir sind zur FIS gegangen“
Neben der ÖSV-Forschungsabteilung hätten sich auch andere Leute Gedanken auf dem Anzugsektor gemacht, so Stecher. Andere Nationen habe das dann auch aufmerksam gemacht. Und natürlich seien die neuen Anzüge dem Weltverband (FIS) vorab vorgelegt worden. „Wir sind zu den Verantwortlichen der FIS gegangen mit dem Material und das ist abgenommen worden“, stellte Stecher klar. „Damit hat es keine Beanstandungen gegeben.“

ÖSV-Cheftrainer Andreas Widhölzl gab sich zu diesem Thema bedeckt, sprach von handelsüblichen Stoffen, ganz normalen Sprunganzügen. Konkreter wurden die Aktiven. „Das Material arbeiten wir im Sommer heraus und schauen einfach, dass es immer auf dem neuesten Stand ist. Die Anzüge sind dann extra für die WM gekommen“, sagte Jan Hörl. Daniel Huber betonte, dass die Anzüge im unmittelbaren WM-Vorfeld vor dem Vorbereitungskurs in Planica getestet worden seien.

„Sie funktionieren sehr gut“
„Das sind neue Stoffe und sie gehen auch ganz gut, wie man sieht“, meinte der Salzburger. Hörl wiederum ließ wissen, dass es kein Unterschied vom Stoff her sei. „Es ist etwas Gutes, man fühlt sich wohl und weiß, es funktioniert“, erläuterte der 22-Jährige. Aschenwald wiederum wollte festgehalten wissen, dass es nicht nur um die Anzüge gehe. „Sie funktionieren sehr gut, da haben wir Top-Serviceleute. Wir sind da sicher sehr gut aufgestellt gewesen, aber der Sprung muss auch passen.“

„Beim Highlight die besten Anzüge"
Ein klares Statement gab Stefan Kraft ab. „Wenn man bei der WM den besten Anzug hat, hat das eine Auswirkung. Da gibt es Stoffe, die muss man sich aufsparen, da ist nicht jeder gleich“, gab der Großschanzen-Weltmeister Einblick. „Ich bin froh, dass wir es geschafft haben, dass wir sehr coole Anzüge gehabt haben - beim Highlight die besten Anzüge.“ Dabei sei das speziell mental wichtig. „Damit du weißt, du hast jetzt einen coolen Anzug und das gibt einem noch einmal die zwei, drei Meter Lockerheit.“

Für die TV-Zuschauer und die Beobachter an der Schanze war zudem bei den Sprüngen der ÖSV-Adler ein Pfeifen zu vernehmen. Stecher: „Dass es schlussendlich zum Pfeifen gekommen ist, hat sich so ergeben.“ Für Huber lässt dieses Phänomen eines vermuten: „Offensichtlich passiert ein bisschen etwas in der Luft. Mir ist nur wichtig, dass der Anzug trägt. Ich glaube nur, dass sich die Anzüge auf der Kleinen nicht so ausgewirkt haben wie auf der Großen. Es geht vermutlich um die Geschwindigkeit.“

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