19.02.2021 11:18 |

11.000-Mann-„Start-up“

Vivo: Neuer Smartphone-Riese ab Juni in Österreich

Vivo, den fünftgrößten Smartphone-Anbieter der Welt, kennt man in Europa kaum. Kein Wunder, hat sich die zehn Jahre alte Marke aus China doch bisher vor allem dem (südost)asiatischen, indischen und russischen Markt gewidmet. Seit Oktober engagiert man sich auch in Europa, im Juni ist der Österreich-Start geplant. Der wird mit Martin Wallner von einem heimischen Branchenveteranen begleitet. Wir trafen ihm zum Interview.

Rein virtuell, versteht sich: Die Pandemie hat nicht nur unsere Interview-Routinen verändert, sondern auch Vivos Start in Europa verzögert. Eigentlich wollte man diesen schon vor einem Jahr auf der Branchenmesse Mobile World Congress bekannt geben. Aber: „Man sucht sich so ein Jahr nicht wirklich aus, um einen neuen Kontinent zu betreten“, sagt Wallner, der zuvor unter anderem bei Siemens und Samsung Station gemacht hat.

Start im Juni - Fokus auf 5G
Also nutzte man die Zeit zur Vorbereitung, will jetzt aber nicht mehr warten: Ab Juni will Vivo Smartphones aller Preisklassen in Österreich anbieten - mit Marketing-Boost als Sponsor der Fußball-EM und Niederlassung in Wien. Vivo-Smartphones sollen dann sowohl im Handel als auch bei einzelnen Mobilfunkern erhältlich sein. „Mit einem klaren Fokus auf 5G“, sagt Wallner.

Langfristig will man bei allen Händlern und Mobilfunkern erhältlich sein. Mehr zu den Geräten, die im Juni in Österreich starten, will Wallner, der auch für das Schweiz-Geschäft bei Vivo zuständig ist, noch nicht verraten. Die Geräte wurden noch nicht vorgestellt. Vivo gilt als vergleichsweise preisgünstig und innovativ, gehörte zu den ersten Herstellern mit im Display verbauten Fingerscannern und zeigte das erste Gimbal-Smartphone.

Vivo - mittlerweile in 40 Märkten aktiv - ist nicht die einzige chinesische Smartphone-Marke, die ihr Engagement in Österreich zuletzt verstärkt hat. Chinas Platzhirsch Huawei ist durch die anhaltenden US-Sanktionen empfindlich geschwächt, andere große Hersteller verlangen immer höhere Preise für ihre Oberklasse. Die Lücken versuchen kleinere Rivalen zu füllen.

„Die Kunden suchen nach Alternativen“
Die Konkurrenz will Wallner nicht ansprechen, berichtet aber: „Fakt ist, dass die Kunden - sowohl die Netzbetreiber als auch der Handel - extrem positives Feedback geben, weil sie Alternativen suchen.“ Dass man sich für eine lokale Niederlassung entschieden habe, statt die Vermarktung einem Importeur zu überlassen, werde gut aufgenommen. Aktuell sei man für das Wiener Büro auf Mitarbeitersuche.

Wie der Alltag bei Vivo ist, wollen wir wissen. „Es fühlt sich wirklich an wie ein Start-up“, sagt Wallner und verweist auf flache Strukturen sowie die chinesische Firmenphilosophie „Ben Fen“, was übersetzt so viel heiße wie: „Das Richtige tun“. Bei Vivo sei es „komplett anders“ als bei anderen Herstellern aus Asien, in Österreich suche man dementsprechend „Leute, die zu unserer Kultur passen“, sagt er. „Wir werden im ersten Jahr den Markt in Österreich mit etwa 10 Mitarbeitern betreuen und je nach Geschäftsverlauf und Erweiterung in der Schweiz die Zahl erhöhen.“

11.000 Mitarbeiter, fünf Produktionsstandorte
Das Vivo-Hauptquartier steht in Dongguan, einer Stadt mit der Einwohnerzahl Österreichs im südchinesischen 120-Millionen-Ballungsraum Perlflussdelta - der Weltwerkstatt vor den Toren Hongkongs, zu der auch die Megastädte Guangzhou, Shenzhen und Foshan gehören. Vivo hat nach eigenen Angaben 11.000 Mitarbeiter, neun Forschungszentren und fünf Fabriken für jährlich bis zu 200 Millionen Smartphones in China, Indien, Bangladesch und Indonesien. In der Europazentrale in Düsseldorf sind rund 70 Mitarbeiter beschäftigt.

Wurzeln im chinesischen BBK-Konzern
Seine Wurzeln hat Vivo im 1995 gegründeten chinesischen Elektronikkonzern BBK, der auch andere Smartphone-Marken wie Oppo, Realme oder OnePlus hervorgebracht hat. Heute operiere man aber unabhängig von BBK, betont Pressesprecher Thomas Kahmann, der dem Interview ebenfalls beiwohnte.

2020 schaffte es Vivo laut Marktforscher IDC mit 111,7 Millionen verkauften Smartphones hinter Samsung, Apple, Huawei und Xiaomi auf Rang fünf der größten Hersteller. Im „Guide to Greener Electronics“ von Greenpeace landete Vivo 2017 gemeinsam mit den ebenfalls chinesischen Marken Oppo und Xiaomi sowie dem US-Konzern Amazon an hinterster Stelle. Auf der Vivo-Website heißt es dazu, man sei bemüht, für mehr Nachhaltigkeit in der Lieferkette zu sorgen.

Dominik Erlinger
Dominik Erlinger
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