03.02.2021 13:44 |

„Nicht zu verhindern“

Wintersaison droht zum Totalausfall zu werden

Die Aussichten für die Tourismusbranche sind weiterhin düster. Die laufende Wintersaison droht ein Totalausfall zu werden. Die Nachfrage sei im Winter bisher wegen der Lockdowns in Österreich und wichtigen Herkunftsmärkten fast vollständig zum Erliegen gekommen, für die gesamte Saison seien noch keine Prognosen möglich. Doch eines scheint gewiss: „Der weitgehende Entfall der Wintersaison 2020/21 ist nicht mehr zu verhindern.“ Die Hoteliervereinigung reagiert auf diese Tourismusanalyse wie folgt: „Die Bewältigung der Corona-Krise für den Tourismus ist ein Marathon und kein Sprint, das sollte mittlerweile allen klar sein.“

Aktuell schätzt das Wirtschaftsforschungsinstitut (Wifo), dass sich die Zahl der Nächtigungen im Winter 2020/21 (November 2020 bis April 2021) auf insgesamt nur rund 10,2 Millionen belaufen und damit um etwa 83 Prozent unter Vorjahreswert liegen wird. Im Vergleich zum Rekordwinter 2018/19 mit 72,9 Millionen Übernachtungen wäre das ein Einbruch von über 86 Prozent.

Starke Rückgänge in allen Bundesländern
Im stärksten Winter-Bundesland Tirol rechnet das Wifo 2020/21 nur mehr mit 3,1 Millionen Nächtigungen. Zum Vergleich: 2019/20 waren es 22,9 Millionen, in der „Normalsaison“ 2018/19 sogar 27,4 Millionen. In Salzburg wird ein Rückgang auf 1,7 Millionen Nächtigungen erwartet, nach 13,7 Millionen bzw. 16 Millionen in den beiden Jahren davor. Für Wien prognostizieren die Wirtschaftsforscher 0,9 Millionen - in der vorangegangen Wintersaison lag die Nächtigungszahl bei 5,7 Millionen und 2018/19 bei 7,8 Millionen.

Zahl der Gäste sank um rund 94 Prozent
In den ersten beiden Monaten der heurigen Wintersaison, im November und Dezember 2020, brachen die Nächtigungen österreichweit um 89,4 Prozent auf 1,86 Millionen ein. Die Zahl der Gäste sank um rund 94 Prozent auf rund 375.000. Die stark von ausländischen Gästen abhängigen Bundesländer - Wien und in Westösterreich - erlitten dabei einen völligen Ausfall dieser Gästegruppen und damit auch ihrer Umsätze.

Erholung erst 2022?
Mit einer Nachfrage, „die annähernd das Vorkrisenniveau erreicht“, sei frühestens 2022 zu rechnen, so die Wirtschaftsforscher. Gehe man davon aus, dass die Erholung des Städtetourismus durch die Abhängigkeit von Fernmärkten und Flugverbindungen verzögert eintritt, so dürfte erst 2023 mit einer Normalisierung zu rechnen sein.

Österreich als Urlaubsland wieder in
Trotz aller Unsicherheiten bestehe aber auch Grund zum Optimismus: Die Reiselust der Menschen sei nicht nur ungebrochen, sondern man könne davon ausgehen, dass sie durch die lange Zeit der Reisebeschränkungen noch größer geworden ist. Österreich sei zudem im Sommer von vielen Inländern als Haupturlaubsland wiederentdeckt worden. Es erscheine durchaus möglich, dass dies eine nachhaltigere Belebung des Inlandstourismus nach sich ziehen könne.

„Marathon, kein Sprint“
„Die Bewältigung der Corona-Krise für den Tourismus ist ein Marathon und kein Sprint, das sollte mittlerweile allen klar sein“, kommentiert Markus Gratzer, Generalsekretär der Österreichischen Hoteliervereinigung (ÖHV), die neuste Tourismusanalyse des WIFO. „Den Betrieben geht die Luft aus, das Finish ist aber noch lange nicht in Sicht“, verweist er auf die erst 2023 zu erwartende Normalisierung der Nachfrage.

Die prekäre Lage vieler Unternehmen bestätigt auch eine aktuelle ÖHV-Umfrage: Gefragt, wie lange sie bei der derzeitigen Nachfrage- und Beihilfensituation den Betrieb überhaupt noch weiterführen können, geben 28,2 Prozent an, bis zu drei Monate und 34,3 Prozent bis zu sechs Monate: „Da müssen alle Alarmglocken schrillen“, so Gratzer.

Es brauche jetzt „rasch klare Rahmenbedingungen“ von der Regierung für die Öffnung der Hotellerie und Gastronomie in Österreich. „Bis zur angekündigten Entscheidung am 15. Februar bleibt nicht mehr viel Zeit, bis dahin muss unabhängig vom Öffnungstermin ein klares Regelwerk mit der Branche abgestimmt werden.“

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