17.12.2020 14:06 |

„Internet in Gefahr“

Nutzerdaten: Facebook auf Konfrontation mit Apple

Facebook geht im Streit mit Apple um eine geplante Einschränkung der Nutzerdatensammlung durch Apps in der Version 14 seines Mobilbetriebssystems iOS auf Konfrontationskurs. In einer einseitigen Annonce, die am Donnerstag in mehreren großen US-Tageszeitungen veröffentlicht wurde, bezichtigte das soziale Netzwerk den iPhone-Hersteller des Angriffs auf das freie Internet. Die Neuerungen drohten, das Internet, „wie wir es kennen, für immer zu verändern“, so Facebook.

Durch die geplanten Neuerungen in iOS 14 sollen Nutzer künftig leichter verhindern können, dass Apps und Werbedienste über die Grenzen einzelner Anwendungen und Websites hinweg Informationen über ihr Verhalten sammeln. Die Änderungen sollten ursprünglich bereits im Herbst mit der neuen Version von Apples mobilem Betriebssystem für iPhone- und iPad-Nutzer eingeführt werden, unter anderem Facebook hatte jedoch dagegen protestiert und davor gewarnt, dass die Änderung das Werbegeschäft des Online-Netzwerks erschweren würde. Firmenchef Mark Zuckerberg kritisierte zuletzt, da viele kleine und mittlere Unternehmen auf Werbung im Netz angewiesen seien, könne dies die Erholung der Wirtschaft von der Corona-Pandemie beeinträchtigen.

Seinen Standpunkt untermauerte das Netzwerk nun in den USA sogar mit einseitigen Werbeanzeigen an zwei aufeineranderfolgenden Tagen in „Wall Street Journal“, „New York Times“ und „Washington Post“. Unter der Überschrift „Apple gegen das freie Internet“ kritisiert Facebook, Apples Änderungen in den Privatsphäre-Einstellungen könnten das Internet, „wie wir es kennen, für immer verändern“, und mangels der Möglichkeit, personalisierte Werbung zu schalten, Websites und Blogs dazu zwingen, „Abo-Gebühren zu erheben“ oder ihren Angeboten In-App-Käufe hinzuzufügen. „Apples neue iOS-14-Richtlinien werden schädliche Auswirkungen auf viele kleine Unternehmen haben, die darum kämpfen, sich über Wasser zu halten, und auf das freie Internet, auf das wir alle mehr denn je angewiesen sind“, heißt es darin.

Apple schlägt sich auf Seite der Nutzer
Während Facebook sich als Sprachrohr der kleinen und mittelständischen Unternehmen sieht, schlägt sich Apple auf die Seite der Nutzer: „Wir glauben, dass es hier einfach darum geht, für unsere Nutzer einzustehen“, zitierte „The Verge“ einen Sprecher des Konzerns. „Die Nutzer sollten wissen, wenn ihre Daten gesammelt und über andere Apps und Websites geteilt werden - und sie sollten die Wahl haben, dies zuzulassen oder nicht.“

Facebook eilt Epic Games in „Fortnite“-Zwist mit Apple zur Hilfe
Vorbei sein dürfte der Streit damit noch lange nicht, zumal Facebook am Donnerstag eine weitere Front eröffnete: In einem Blogeintrag vom Donnerstag kündigte das Netzwerk an, dem „Fortnite“-Entwickler Epic Games in dessen Streit mit Apple um App-Store-Abgaben beistehen zu wollen. „Wir glauben, dass Apple sich wettbewerbswidrig verhält, indem es seine Kontrolle über den App Store nutzt, um auf Kosten von App-Entwicklern und kleinen Unternehmen Gewinne zu erzielen“, schreibt Facebook und kündigt an, „im Rechtsstreit mit Epic Games relevante Informationen darüber bereitzustellen, wie sich die Richtlinien von Apple negativ auf Facebook und die Menschen und Unternehmen, die unsere Dienste nutzen, ausgewirkt haben.“ Für das Gericht sei es von entscheidender Bedeutung, die breiteren Auswirkungen der unfairen Richtlinien zu verstehen, die Apple neben vielen anderen Unternehmen auch iOS-Entwicklern auferlegt habe, so Facebook.

 krone.at
krone.at
Kommentare
Eingeloggt als 
Nicht der richtige User? Logout

Willkommen in unserer Community! Eingehende Beiträge werden geprüft und anschließend veröffentlicht. Bitte achten Sie auf Einhaltung unserer Netiquette und AGB. Für ausführliche Diskussionen steht Ihnen ebenso das krone.at-Forum zur Verfügung.

User-Beiträge geben nicht notwendigerweise die Meinung des Betreibers/der Redaktion bzw. von Krone Multimedia (KMM) wieder. In diesem Sinne distanziert sich die Redaktion/der Betreiber von den Inhalten in diesem Diskussionsforum. KMM behält sich insbesondere vor, gegen geltendes Recht verstoßende, den guten Sitten oder der Netiquette widersprechende bzw. dem Ansehen von KMM zuwiderlaufende Beiträge zu löschen, diesbezüglichen Schadenersatz gegenüber dem betreffenden User geltend zu machen, die Nutzer-Daten zu Zwecken der Rechtsverfolgung zu verwenden und strafrechtlich relevante Beiträge zur Anzeige zu bringen (siehe auch AGB).

Mittwoch, 27. Jänner 2021
Wetter Symbol