02.12.2020 08:11 |

Jede Menge Kritik

Studenten sehen Novelle als verpasste Chance

„Nach einem Jahr Ausnahmezustand an den Hochschulen und Problemen an allen Ecken wäre es an der Zeit Verbesserungen im Universitätsgesetz vorzunehmen, anstatt durch die Änderungen das Studium weiter zu erschweren“ zeigt sich Jan Stering, stellvertretender Vorsitzender enttäuscht. „Man hätte erwarten können, dass man nun endlich bereit ist mutige Konzepte zu liefern, damit Flexibilität und Qualität im Studium gesteigert werden können“, ergänzt Stering. Konkret fordert die ÖH Uni Graz die Einführung eines Teilzeitstudiums, die Steigerung der Qualität der Lehre, die Reduktion von Voraussetzungsketten und mehr Wahlmöglichkeiten im Studium. „Leider reicht es der Regierung offenbar, Löcher zu stopfen. Ein großer Wurf ist das aber nicht“ - fasst Stering zusammen.

Mindeststudienleistung ohne Mehrwert
Die ÖH Uni Graz begrüßt zwar, dass die Mindeststudienleistung von den ursprünglich angedachten 16 ECTS pro Jahr deutlich gesenkt wurde, sieht aber auch in der jetzigen Fassung weiterhin keinen Mehrwert für die Studierenden. „Die von der Bundesregierung angedachte Lösung, um die Verbindlichkeit im Studium zu stärken, schwächt hauptsächlich die Individualität und Flexibilität im Studienverlauf und das trifft vor allem erwerbstätige Studierende und jene mit Betreuungspflichten besonders hart“, so Viktoria Wimmer, Vorsitzende der ÖH Uni Graz.

Weniger Mitspracherecht für Studierende
Ebenfalls zu bemängeln ist die vorgeschlagene Entmachtung des Senats. Durch die Verschiebung von Kompetenzen vom Senat zu Rektorat und Universitätsrat wird auch das Mitspracherecht von Studierenden geschwächt. Unter anderem bei der Wiederbestellung von Rektoren soll nun die Entscheidung ganz bei den Uniräten liegen.

Längst überfällige Änderungen
Ein paar Punkte sind aber durchaus positiv hervorzuheben. „Seit den ersten Gesprächen mit dem Ministerium hat die ÖH kontinuierlich auf die Probleme im Hochschulsektor hingewiesen und einige dringend notwendige Maßnahmen wurden auf unser Zutun hin auch endlich umgesetzt.“, erklärt Immanuel Azodanloo, zweiter stellvertretender Vorsitzender. „ECTS-Gerechtigkeit, Beweislastumkehr bei Anerkennungen oder die einfachere Anrechenbarkeit von schulischen oder beruflichen Qualifikationen sind wesentliche positive Änderungen, die den Studienalltag zumindest ein wenig besser machen“, führt Azodanloo aus.

Hoffnung auf Begutachtungsphase
„Wir werden als ÖH Uni Graz in dieser Begutachtungsphase stets darauf hinweisen, dass man es verabsäumt hat, wirklich wichtige Schritte zu setzen. Es braucht jetzt den Mut für wirkliche Perspektiven und Neuerungen statt neuer Stressfaktoren“, so das Vorsitzteam unisono.

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