27.10.2020 10:54 |

Gastro-Branche bedroht

Italiens Starköche protestieren gegen Regierung

Italiens Starköche revoltieren gegen die Regierungsverordnung, laut der Restaurants, Pizzerien, Bars und Konditoreien im Land ab sofort um 18 Uhr schließen müssen. „Jeden Tag sind Restaurantinhaber gezwungen, ihr Lokal zu schließen. Unzählige Familienbetriebe werden nicht mehr in der Lage sein, weiterzuarbeiten“, warnte der „König“ der italienischen Starköche, Gianfranco Vissani.

Vissani erklärte, er selbst habe sein Restaurant in Rom schließen müssen. „Ich konnte nicht mehr weitermachen. Es gibt keine genauen Regeln. Statt uns zu unterstützen, bestraft uns die Regierung“, argumentierte Vissani. Er kritisierte unter anderem den Regierungsbeschluss, maximal vier Personen an einem Tisch sitzen zu lassen.

„Ab Dezember werden wir alle pleite sein, ganz Mailand wird ausgestorben sein. Bald wird es zu Protesten wie in Rom und Neapel kommen“, sagte Paolo Peroli, Miteigentümer eines der traditionsreichen Nachtlokale in Mailand. Er zählt zu einer Gruppe von Lokalinhabern, die am Donnerstag vor dem Sitz der Regionalregierung der Lombardei gegen die restriktiven Maßnahmen protestiert hatte.

Der Mailänder TV-Starkoch Davide Oldani meinte, Restaurants seien vom Standpunkt der Hygiene sicherer als Privatwohnungen. Restaurants hätten sich bisher strikt an die Vorschriften der Regierung gehalten. „Wir werden es weiterhin tun, wir müssen Geduld haben“, sagte Oldani.

70 Prozent weiterer Umsatzrückgang droht
Der Gastronomen-Verband FIR rechnet wegen der neuen strengen Schutzmaßnahmen mit einem zusätzlichen Umsatzrückgang für Lokale von 70 Prozent. „8000 Arbeitnehmern droht allein in Mailand der Jobverlust. Die Personen gehen nicht mehr außer Haus, sie gehen nicht in Lokale und Restaurants. Der mediale Terror hat die Gastronomie zerstört“, betonte Glauco Marras, Präsident des FIR-Verbands.

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8000 Arbeitnehmern droht allein in Mailand der Jobverlust.

Italiens Gastronomen-Verband FIR

Stützungsmaßnahmen gefordert
Zwei Millionen Arbeitnehmer bangten um ihren Job, 250.000 Familien seien durch die Maßnahmen gefährdet, warnte der Branchenverband der Gastronomiebetreiber. Lokalinhaber forderten von der Regierung dringende Stützungsmaßnahmen in dieser zweiten Phase der Epidemie, die die Gastronomiebranche stark beeinträchtigt. Protestkundgebungen gegen die Einschränkungen im Gastronomiebereich gab es am Samstag unter anderem in Mailand und Palermo.

Die Gastronomie in Italien generiert jährlich einen Umsatz von 84 Milliarden Euro. Die Branche habe in diesem Jahr bereits 34 Milliarden Euro verloren, so der Verband. Wegen der Krise und der vielen Arbeitnehmer im Home-Office gäben die Italiener um 40 Prozent weniger für Speisen außer Haus aus als 2019.

In Frankreich hatten die Köche ebenfalls Anfang Oktober ihrem Unmut Luft gemacht. Auch dort zeigte man sich mit den aktuellen Corona-Maßnahmen der Regierung ganz und gar nicht einverstanden.

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