22.10.2020 11:00 |

Irreführende Zahl

Tirol: Nur noch acht Intensivbetten frei?

Laut dem offiziellen Online-Informationsportal der Bundesagentur für Gesundheit und Ernährungssicherheit (AGES) sind in Tirol nur mehr acht bis zehn Intensivbetten für Corona-Patienten frei. Eine Information, die für große Verunsicherung und Angst sorgt. Aber was hat es mit der irreführenden und nicht relevanten Zahl auf sich?

Viele haben längst den Überblick verloren: Jeden Tag neue Zahlen, neue Statistiken, neue Berechnungen. Wie widersprüchlich und irreführend diese sein können, zeigt ein Beispiel der Agentur für Gesundheit und Ernährungssicherheit (AGES). Die AGES ist seit Anfang Oktober die wichtigste Informationsquelle in Österreich und für das sogenannte Corona-Dashboard mit allen Statistiken zuständig. Dort informieren sich täglich Zehntausende Bürger.

Laut AGES nur acht Intensivbetten frei
Zumindest bis Mittwoch waren auf der AGES-Seite zwei sehr beunruhigende Zahlen zu den freien Spitalsbetten für Corona-Patienten zu lesen. Demnach stehen in Tirol nur mehr 32 Normalbetten und acht Intensivbetten zur Verfügung. Diese beängstigende Auskunft sorgt für große Verunsicherung. Dass die beiden Ziffern so keine Aussagekraft haben, das erfährt der Internet-Nutzer nicht.

Die „Krone“ hat Elmar Rizzoli, Leiter des Tiroler Corona-Einsatzstabes, befragt. Rizzoli spricht zwar von steigenden Covid-Patientenzahlen in Spitälern (95 am Mittwoch, Anm.), relativiert aber die AGES-Zahlen: „Diese beziehen sich auf die ausschließlich für Covid-Fälle reservierten Kapazitäten. Diese können aber bei Bedarf adaptiert werden.“

Mehr Patienten, aber keine Engpässe
Was heißt das in der Praxis? An der Klinik Innsbruck liegen aktuell 37 Corona-Patienten auf der Normal-, sechs auf der Intensivstation. „Am Spitzentag im April waren es 58 auf der Normalstation und 23 in der Intensiv“, stellt Klinik-Sprecher Johannes Schwamberger gegenüber. Damals seien die Kapazitätsgrenzen aber nicht erreicht worden. Der Vergleich zeigt also, dass die AGES-Meldung mit der Realität wenig zu tun haben kann. „Reine“ Corona-Betten würden ohnehin weniger vorgehalten, sagt Schwamberger, „weil wir heute wissen, dass wir in kürzester Zeit Platz schaffen können“. Der Wert der AGES-Auskunft geht also gegen null, schafft aber maximal Verunsicherung.

Claudia Thurner, Kronen Zeitung

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