16.10.2020 10:19 |

Desinformation im Netz

Oxford-Impfstoff soll Menschen in Affen verwandeln

Mit „Sputnik V“ hat Russland Mitte August den ersten Impfstoff gegen das Coronavirus zugelassen. Um diesen gewinnbringend auch in anderen, westlichen Ländern besser vermarkten zu können, scheint man nun zu unlauteren Mitteln zu greifen: Die britische „Times“ hat eine Desinformationskampagne aufgedeckt, die darauf abzielt, den als besonders aussichtsreich geltenden Impfstoff der Universität Oxford, den diese zusammen mit dem Pharmakonzern AstraZeneca entwickelt, zu diskreditieren und zu verleumden.

Bilder, Memes und Videoclips, die den in Großbritannien entwickelten Impfstoff als gefährlich darstellen, seien in Russland produziert worden, und Mittelsmänner versuchten nun, die Bilder in sozialen Netzwerken auf der ganzen Welt zu „säen“, berichtete die „Times“ unter Berufung auf einen Whistleblower. Gestartet wurde die Kampagne demnach vor rund einem Monat, nachdem ein Proband bei Tests mit dem britischen Impfstoff erkrankt war und diese daraufhin unterbrochen werden mussten.

„Affen-Impfstoff“
Die dominierende Aussage der im Internet kursierenden Bilder ist, dass der Impfstoff, der in Millionen Dosen vom Pharmariesen AstraZeneca hergestellt werden soll, Menschen in Affen verwandeln könnte, weil er ein Schimpansenvirus als Vektor benutzt. So veröffentlichte die „Daily Mail“ etwa ein Bild, das Regierungschef Boris Johnson als haarigen Affen im Anzug zeigt, unter seinem Arm ein Ordner mit der Aufschrift des Pharmakonzerns. Ein anderes zeigt einen Schimpansen im Laborkittel mit einer Spritze in der Hand, dahinter ein Gemälde, das suggeriert, der Impfstoff werde die Evolution umkehren und den Menschen wieder zum Affen „degradieren“.

Ziele der Desinformationskampagne seien neben Großbritannien auch Länder wie Brasilien und Indien, in denen Russland versuche, seinen eigenen Impfstoff „Sputnik V“ zu vermarkten, so der Informant gegenüber der „Times“. Noch unklar ist dem Bericht nach, ob die Desinformationskampagne direkt vom Kreml gesteuert wird bzw. in Auftrag gegeben wurde.

Russland spielt Desinformations-Ball zurück
Ein Sprecher der russischen Botschaft in London wies die Vorwürfe gegenüber der Zeitung zurück und bezeichnete diese selbst als „ein Beispiel für Desinformation“. Der Vorwurf, dass der russische Staat irgendeine Art von Propaganda gegen den AstraZeneca-Impfstoff betreiben könnte, „zielt offensichtlich darauf ab, Russlands Bemühungen bei der Bekämpfung zu diskreditieren, einschließlich der guten Zusammenarbeit, die wir mit Großbritannien in diesem Bereich aufgebaut haben“.

„Risiko für öffentliche Gesundheit“
AstraZeneca-Chef Pascal Soriot verurteilte indes die Versuche, die Arbeit der Wissenschaftler zu untergraben. „Wissenschaftler bei AstraZeneca und vielen anderen Unternehmen und Institutionen auf der ganzen Welt arbeiten unermüdlich daran, einen Impfstoff und therapeutische Behandlungen zu entwickeln, um dieses Virus zu besiegen. Aber es sind unabhängige Experten und Aufsichtsbehörden auf der ganzen Welt, die letztendlich entscheiden, ob ein Impfstoff sicher und wirksam ist, bevor er zur Anwendung zugelassen wird. Fehlinformationen stellen ein eindeutiges Risiko für die öffentliche Gesundheit dar. Dies gilt insbesondere während der gegenwärtigen Pandemie, die weiterhin Zehntausende von Menschenleben fordert, unsere Lebensweise erheblich beeinträchtigt und der Wirtschaft schadet.“

Soriot appellierte, „zuverlässige Informationsquellen zu nutzen, den Aufsichtsbehörden zu vertrauen und sich an den enormen Nutzen zu erinnern, den Impfstoffe und Medikamente der Menschheit weiterhin bringen“.

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