12.10.2020 12:52 |

Babys und Nazi-Symbole

So nutzen Rechtsextreme Instagram zur Rekrutierung

Lifestyle, Musik, Mode, schnelle Clips und schöne Bilder machen Instagram für Millionen vor allem junger Menschen attraktiv. In Österreich zählt die zu Facebook zählende Foto-Plattform laut statista.de 2,4 Millionen Nutzer, der größte Anteil wird mit rund 70 Prozent von den unter 35-Jährigen gestellt. Rechtsextreme Kreise haben längst erkannt, welche Wirkung die Plattform haben kann, um junge Unterstützer zu gewinnen, die von den altbekannten rechten Botschaften vielleicht abgestoßen wären, wie eine Untersuchung des Recherchezentrums Correctiv zeigt.

Über mehrere Monate filterte und analysierte ein Team von Reportern und Datenexperten Tausende Instagram-Accounts nach rechten Inhalten und sprach mit Insidern, um die subtilen Strategien der Rekrutierung von rechten und rechtsextremen Gruppen aufzuzeigen. In eigenen Workshops wird beispielsweise gelehrt, wie man Bilder für die Plattform macht und worauf dabei, auch hinsichtlich etwaiger Verbote, zu achten ist, wie eine Aussteigerin aus der rechten Szene Correctiv erläuterte.

Frauen nehmen demnach dabei eine Schlüsselrolle ein, weil sie nach außen als weniger aggressiv wahrgenommen würden. „Die Mädels sind dann mehr für das schöne Bild verantwortlich“, wird die Aussteigerin zitiert. Aus den mehr als 4500 Accounts, die das Recherchenetzwerk in verschiedenen Gruppen kategorisieren konnte, zeigt sich, dass Frauen entscheidende Verbindungsfunktionen für die rechte Szene auf Instagram haben - etwa zur Identitären Bewegung.

Versteckte Codes und Symbole
Hashtags und Emojis seien ebenfalls ein wichtiger Bestandteil der Strategie. Influencerinnen mischten harmlose Hashtags mit rechten Sprachcodes und Symbolen. Herzen in den Farben der Reichsflagge oder Runenzeichen in den Biografien der Nutzer seien häufig benutzte Codes der Szene auf Instagram. Die Recherche zeigt zudem, dass Sportevents, Rap-Musik oder Kleidungsmarken mit Bezug zur rechten Szene aktiv auf Instagram beworben werden, um junge Leute an sich zu binden, erst online, später auch offline.

Die zu Facebook gehörende Plattform Instagram verhindert die dokumentierte Kommunikation nicht. „Ich kann garantieren, dass sich niemand bei Facebook, zumindest nicht in der Tiefe, angeschaut hat, wie deutsche rechtsextreme Accounts und Symbole erkannt oder bekämpft werden können“, sagt Gregor Hochmuth, einer der ersten Entwickler von Instagram.

Gut getarnter Hass
In einer Stellungnahme wies ein Sprecher von Facebook darauf hin, dass der Konzern „Personen und Gruppen, die sich an organisiertem Hass und organisierter Gewalt beteiligen“ verbiete und „Inhalte von unserer Plattform, wenn sie diese Gruppen verherrlichen, unterstützen oder vertreten“, lösche. In diesem Jahr seien bisher über 1,2 Millionen Inhalte, „die im Zusammenhang mit gefährlichen Organisationen stehen, von Instagram entfernt“ worden.

Doch laut Correctiv wisse sich der Hass in den „Tiefen von Instagram“ gut zu tarnen. „Die Plattform scheine dagegen bisher kein wirkungsvolles Mittel gefunden zu haben.“

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