23.09.2020 07:05 |

French Open

Thiem ein Mitfavorit - Fragezeichen bei Bällen

Befreit vom Druck, endlich den ersten Grand-Slam-Titel gewinnen zu wollen, reist US-Open-Sieger Dominic Thiem im Laufe des Mittwochs nach Frankreich. Der 27-jährige Niederösterreicher muss dafür auch wieder seine „Freiheit“ aufgeben und begibt sich wie der Rest der Tennis-Welt in die Paris-„Bubble“ der French Open. Nach zwei Endspielen 2018 und 2019, die er jeweils gegen Rafael Nadal verlor, ist Thiem trotz der Strapazen von New York wieder alles zuzutrauen. Neue Bälle in Paris könnten laut Thiem „bisserl die Ergebnisse verändern“. 

Da Thiem in Roland Garros gemäß seines Rankings als Nummer 3 gesetzt wird, könnte er es diesmal schon im Halbfinale mit dem topgesetzten Rom-Sieger Novak Djokovic oder Sandplatz-König Rafael Nadal zu tun bekommen. Mehr weiß man am Donnerstagabend nach der Auslosung. Der Topfavorit ist und bleibt aber der Spanier, daran ändert auch sein Viertelfinal-Aus in Rom nichts: Allein die French Open hat der 19-fache Major-Sieger schon zwölf Mal gewonnen, in Paris möchte er diesen Rekord nun auf 13 ausweiten. Kein Spieler hat ein einzelnes Grand-Slam-Turnier öfter gewonnen als der Mallorquiner.

Doch der seit Jahren als „Sand-Prinz“ titulierte Thiem, der längst zum Allrounder geworden ist, könnte mit neuer Lockerheit noch gefährlicher werden. „Es kann meinem Spiel sehr guttun. Ich hoffe, dass ich den Rückenwind, den ich mir mit dem US-Open-Titel gegeben habe, ausnütze in Paris“, meinte Thiem nach seiner Rückkehr in Wien.

Erste Corona-Fälle
Fakt ist, dass die French Open gleich aus mehreren Gründen anders sein werden als sonst. Natürlich steht alles im Zeichen der Coronakrise und der „Bubble“: Die Organisatoren lassen jedoch wesentlich mehr Spieler auf ihre Anlage als zuletzt jene in New York. Im Gegensatz zu den US Open gibt es eine Qualifikation, auch der Mixed-Bewerb, die Junioren- und Legenden-Bewerbe werden ausgetragen. Schon vor dem ersten Schlag in der Qualifikation gab es allerdings auch schon die ersten Corona-Fälle.

Man darf gespannt sein, ob die Franzosen das Virus im Griff behalten. Nach der Terrorbedrohung hatte man es mit der Sicherheit in Paris auch weniger streng genommen als bei den US Open. Zudem sollen nach aktuellem Stand bis zu 5.000 Zuschauer pro Tag zugelassen werden. Keine „Geisterspiele“ also in Roland Garros. Vorerst.

Anders ist auch die Jahreszeit. Statt am Traditionstermin Ende Mai/Anfang Juni und im Pariser Frühling geht das größte Sandplatz-Tennisturnier der Welt vier Monate später in Szene. „Ich kann mich erinnern, im Halbfinale 2016 gegen Djokovic hat es elf Grad gehabt. Viel kälter wird es auch nicht werden“, sagte Thiem kürzlich in „Sport am Sonntag“.

„Das wird der größere Unterschied sein“
Allerdings sieht Thiem einen wesentlichen Unterschied in den neuen Roland-Garros-Bällen. Diese werden nun von Wilson (früher Babolat) produziert. „Das wird der größere Unterschied sein.“ Bei der Vorbereitung noch in Wien hat er die Bälle getestet. „Die Babolat waren eigentlich meine Lieblingsbälle, die waren schön schnell, perfekt für mein Spiel, perfekt auch für Nadals Spiel.“ Die neuen Bälle werden langsamer sein, mehr „aufgehen“. „Das wird auch sicher ein bisserl die Ergebnisse verändern“, prophezeite Thiem.

An der Favoritenrolle Nadal ändert weder das etwas, noch sein frühes Aus in Rom. In seinem „Wohnzimmer“ und im „best of five“-Sätze-Modus auf Sand ist der Spanier auch mit 34 nach wie vor der klare Sieganwärter. Djokovic mit seinen 31 Siegen aus 32 Matches in diesem Jahr und Thiem sind seine schärfsten Herausforderer.

Halep um zweiten Roland-Garros-Titel
Bei den Damen ist Simona Halep die Rolle der Topfavoritin zuzusprechen. Die Rumänin hat drei Titel in Folge gewonnen in Dubai, Prag und Rom und hat 14 Siege en suite zu Buche stehen. Die US Open hat sie zuletzt wie sechs weitere Top-Ten-Damen ausgelassen. Ob Serena Williams, die am Samstag ihren 39. Geburtstag diesmal in Paris feiert, ihr 24. Major-Rekord-Sieg ausgerechnet auf dem Sand von Paris gelingt, darf zumindest angezweifelt werden.

Dieser Untergrund gilt doch als forderndster, was auch die Dauer der Rallyes betrifft. Dennoch ist die US-Amerikanerin dreifache French-Open-Siegerin (2002, 2013, 2015). Halep hat vor zwei Jahren erstmals an der Seine triumphiert. Die Titelverteidigerin und Nummer eins der Welt, Ashleigh Barty (AUS), hat sich nach den US Open auch gegen ein Antreten in Roland Garros entschieden. Darum geht Halep als Nummer 1 ins Turnier.

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