13.08.2020 05:00 |

Tipps vom Facharzt

Auf der Wasserrutsche sind die Zähne in Gefahr!

Sommer, Sonne, Wasserspaß - wer denkt dabei schon an einen Zahnarztbesuch? Tatsächlich passieren auf Wasserrutschen aber die häufigsten Zahnunfälle: Hunderte Behandlungen pro Jahr sind darauf zurückzuführen. Solche Verletzungen können langwierige Spätfolgen nach sich ziehen, wenn man nicht schnell und richtig handelt.

Jedes dritte Kind zwischen 8 und 12 Jahren erleidet in seinem Leben eine Frontzahnverletzung. Pro Jahr verlieren ca. 12.000 Österreicherinnen und Österreicher akut oder als Spätfolge einen oder mehrere Frontzähne, meistens durch Sportunfälle. Schlägt sich der eigene Sprössling einen Zahn zum Teil oder ganz aus, sollten Eltern daher rasch reagieren: „Ist das gebrochene Fragment größer als 1/4 eines bleibenden Zahnes, kommt es in den meisten Fällen zur Öffnung des Zahninnenraumes (Pulpa), in dem sich der Nerv und das Blutgefäß des Zahnes befinden. Unser Mundraum ist übersäht mit Keimen, der Innenraum eines Zahnes ist hingegen keimfrei. Um ein Eindringen von Bakterien bestmöglich zu verhindern, sollte schnellstmöglich der Zahnarzt aufgesucht werden“, erklärt Dr. Lukas Fürhauser, Facharzt für Zahn-, Mund- und Kieferheilkunde, Akademie für orale Implantologie, Wien. Er gibt Eltern zudem einen wichtigen Tipp: „Wenn der abgebrochene Teil noch vorhanden ist, unbedingt zur Behandlung mitnehmen!“

Dafür das Stück Zahn so rasch wie möglich nach dem Unfall in eine sogenannte Zahnrettungsbox legen. In der darin enthaltenen Nährlösung können die Zellen an der Wurzeloberfläche bis zu 24 Stunden überleben. Diese Box ist in der Apotheke erhältlich (eventuell kann man auch beim Personal des Schwimmbades nachfragen) und darf in keinem Haushalt mit Kindern oder Jugendlichen fehlen. Am besten bei Ausflügen immer in den Rucksack packen! „Alternativ eignet sich zum Transport des ausgebrochenen Teils etwa ein Gefäß mit kalter H-Milch, weil diese aufgrund der hohen Erhitzung praktisch keimfrei ist“, berichtet Dr. Fürhauser. „Auch sterile Kochsalzlösung bietet sich als Flüssigkeit an bzw. kann man das ausgebrochene Stück in eine Plastikfolie einwickeln. Es sollte hingegen nicht trocken, etwa in einem Taschentuch, oder in einer Box mit Wasser mitgenommen werden!" Zur Blutstillung in der Mundhöhle ein sauberes Stofftuch verwenden, auf das der kleine Patient beißen kann. Zusätzlich Lippe und betroffenen Stellen kühlen, um die Schwellung gering zu halten. Falls kein Tetanus-Impfschutz besteht, ist es ratsam, diesen noch am selben Tag nachzuholen.

Schlägt sich das Kind einen Milchzahn vollständig aus, sollte man es beruhigen und ebenso die betroffene Stelle kühlen. „Milchzähne werden jedoch nicht wieder replantiert, um die Schädigung des bleibenden Zahnkeimes nicht zu riskieren. Bitte trotzdem noch am selben Tag einen Zahnarzt aufsuchen!“, rät Dr. Fürhauser. Fachärztliche Abklärung ist natürlich auch dann noch am Tag des Vorfalls angesagt, wenn ein bleibender Zahn nicht mehr an der ursprünglichen Position steht oder eine Lockerung auftritt. Denn möglicherweise ist eine Schienung notwendig, zudem sollte die Vitalität des Zahnes getestet werden.

Ein solches „Frontzahntrauma“ kann langwierige Folgen nach sich ziehen, oft kommt es erst nach Jahren zu Problemen - besonders, wenn unmittelbar nach dem Unfall nicht richtig ge- und behandelt wird. Verloren gegangene „Beißerchen“ haben zudem einen negativen psychologischen Effekt auf die betroffene Person und beeinträchtigen die Lebensqualität. Der Erhalt des Zahns und der -wurzel ist besonders wichtig, gerade, wenn Gebiss und Kiefer noch wachsen. Ist ein Implantat unvermeidbar, kann etwa an der Akademie für orale Implantologie in Wien mithilfe digitaler Verfahren eine 1:1-Kopie des natürlichen Zahns erstellt werden (Copy-Abutment-Technik). Das bedeutet: Patienten werden unmittelbar nach einem Zahnunfall behandelt und haben zwei Stunden später einen neuen Zahn.

Monika Kotasek-Rissel, Kronen Zeitung

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