17.07.2020 14:06 |

Antisemitismus

TikTok in der Kritik wegen rechtsextremer Videos

Der Präsident des World Jewish Congress (WJC) fordert gesetzliche Maßnahmen in der EU gegen rechtsextreme Videos in sozialen Medien. „Über die vor allem bei Jugendlichen beliebte Plattform ‘Tik Tok‘ werden immer mehr Videos mit antisemitischer Hetze oder Leugnung des Holocausts verbreitet“, schrieb Ronald S. Lauder in einem Kommentar am Freitag. Dieser Trend werde durch aktuelle Studien belegt und müsse so schnell wie möglich gestoppt werden.

„Uns liegt ein Querschnitt unerträglicher Postings vor: Da erklingt etwa in einem Video ein Lied mit dem Refrain ‘Wir machen einen Ausflug nach Auschwitz, es ist Zeit zu duschen!‘“ Zu diesen Tönen sehe man einen skorpionartigen Roboter, der mit einem Hakenkreuz Menschen töte. Laut Untersuchung der BBC habe dieses Video bereits mehr als sechs Millionen Zugriffe weltweit erreicht.

Lauder ortet „Verharmlosung der Shoah“
In einem anderen Video trinke ein junger Mann eine milchartige Flüssigkeit. Als er sich über den seltsamen Geschmack beschwere, kläre ihn ein Freund auf, dass er gerade aus einer Büchse die Asche von Anne Frank in sein Getränk geleert habe. Der TikTok-Nutzer mit dem Profil-Namen „bigmacdaddywac“ habe damit 1,3 Millionen Likes erzielt.

Ein anderer TikTok-Nutzer lasse einen sonnengebräunten jungen Mann zu fröhlicher Musik aus der Dusche steigen. Eine Person, die als „Auschwitz guard“ bezeichnet werde, sehe ihn überrascht an. Damit solle suggeriert werden, dass es den KZ-Häftlingen gut ergangen sei. „Eine klare Verharmlosung der Shoah und ihrer Opfer“, so Lauder, der 1986 US-Botschafter in Österreich war.

„Ich bin erschüttert“
Damit würden Nutzer der in China beheimateten Social-Media-Platform straflos mit antisemitischen Stereotypen vertraut gemacht. „Ich bin erschüttert, dass diese Videos in der EU bisher frei und ohne Gegenmaßnahmen verbreitet werden dürfen“, empörte sich Lauder. Dazu komme, dass TikTok vor allem bei Jugendlichen sehr beliebt sei, etwa 40 Prozent der weltweit 1,5 Milliarden Nutzer seien zwischen 16 und 24 Jahre alt.

Am Institut für Terrorismusbekämpfung an der Universität Haifa seien von Februar bis Mai 2020 viele TikTok-Videos untersucht worden. Dabei seien 200 Postings entdeckt worden, „die eindeutig rechtsextreme Inhalte aufwiesen, vor allem durch die Leugnung oder Verhöhnung der Shoah“, betonte Lauder.

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