24.05.2020 06:05 |

Mesh-System von Google

Nest Wifi: Eltern werden diesen Router lieben

Der US-Internetkonzern Google bietet mit Nest Wifi seit Kurzem einen Mesh-fähigen Router in Österreich an, der, gepaart mit auch als smarte Lautsprecher dienenden Satelliten, selbst größere Häuser und Wohnungen lückenlos mit WLAN versorgen soll. Eine besonders interessante Funktion für Eltern gibt’s auch: Auf Knopfdruck lassen sich alle Geräte der Kinder vorübergehend vom Internet trennen, wenn die lieben Kleinen ohne Ablenkung lernen oder die Hausübung machen sollen. Wir haben den Google-Router und die Lautsprecher-Erweiterungen getestet.

Googles Nest Wifi besteht, je nach Größe der mit WLAN zu versorgenden Fläche, aus mehreren Komponenten im schlichten weißen Plastikchassis. Herzstück des Netzwerks aus WLAN-Zugangspunkten, die sich dank automatischer Übergabe verbundener Geräte an den jeweils stärksten Zugangspunkt, einheitlichem Namen und Passwort in der Praxis wie ein einziges großes WLAN anfühlen, ist der Nest Wifi Router. Ihn findet man im Mesh-System normalerweise nur einmal, die etwas kleineren „Point“-Satelliten verstärken das WLAN-Netz des Routers in den Randbereichen.

Keine Netzwerkbuchsen an den Satelliten
Wie viele Zugangspunkte man für lückenloses WLAN braucht, hängt von der abzudeckenden Fläche und baulichen Gegebenheiten ab: Mehr als zwei Räume sollten nicht zwischen Router und Satellit liegen, damit bei letzterem noch genug Internetgeschwindigkeit ankommt. Die Satelliten per Kabel mit dem Router zu verbinden, klappt leider nicht: Zwar hat der Router einen Gigabit-Ethernetanschluss, nicht aber die Satelliten. Die verfügen hingegen über einen eingebauten Lautsprecher mit - das Mikro kann man per Hardware-Schalter abklemmen - Sprachsteuerung, was es beim Router nicht gibt.

Die verbaute WLAN-Technik ist auf der Höhe der Zeit. Den allerneuesten .ax-Standard bietet Nest Wifi zwar nicht, es wird aber ohnehin noch ein paar Jahre dauern, bis größere Mengen kompatibler Geräte durch die WLAN-Netze geistern. Für den Moment und auch die nächsten Jahre ist man mit dem am 5-Gigahertz-Band bis zu 1733 Megabit pro Sekunde schnellen und dank 4x4-MIMO-Technologie auch bei mehreren simultan damit verbundenen Empfangsgeräten responsiven .ac-WLAN noch gut aufgestellt. Am alten 2,4-Gigahertz-Band sind unter Idealbedingungen bis zu 600 Megabit drin, dank Bluetooth LE und Zigbee steuert die Nest-Wifi-Infrastruktur bei Bedarf künftig auch Smart-Home-Geräte.

Starker Funkausstattung steht eine etwas minimalistische Anschlussausstattung gegenüber. Selbst am Router gibt es nur zwei Netzwerkdosen, von denen eine für die Verbindung mit dem vorhandenen DSL- oder Kabelmodem vorgesehen ist. Wer einzelne Geräte gern zur Optimierung der Reaktionszeiten per Kabel mit seinem Router oder dem WLAN-Satelliten verbinden will, kriegt hier also schnell Probleme. Und auch ein Zusammenspiel mit Powerline-Lösungen, um entlegene Orte ohne WLAN-Empfang ins Mesh-Heimnetzwerk zu holen, ist so nur mit Tricks - etwa einem zweiten Router statt eines Satelliten - möglich.

Ohne Google-Konto geht gar nichts
Befremdlich wird manch einer finden, dass es zur Einrichtung des Routers zwingend ein Konto beim Hersteller braucht. Das birgt zwar bisweilen Vorteile, etwa die Möglichkeit, die heimische WLAN-Infrastruktur unterwegs am Handy verwalten zu können, wenn man gar nicht damit verbunden ist und kann bequem sein - etwa, wenn Google anhand der MAC-Adressen von WLAN-Geräten erkennt, was für ein Gerät das ist und es in der Steuer-Software entsprechend benennt. Es wird aber bei Google-Skeptikern, denen der Datenhunger des Internetkonzerns nicht geheuer ist, wohl auch ein Ausschlusskriterium für Nest Wifi sein.

Netzwerk-Profis sind hier nicht die Zielgruppe
Überhaupt hatten wir im Test den Eindruck, dass die Zielgruppe für Googles Mesh-Router nicht unbedingt der PC-Profi ist, der gern an Einstellungen herumtüftelt. Vielmehr ist man bemüht, ein möglichst einfach einzurichtendes und zu verwaltendes WLAN-Produkt anzubieten, mit dem auch zurechtkommt, wer sich normalerweise nicht mit Netzwerktechnik beschäftigt.

Die Einrichtung erfolgt beispielsweise nicht über ein Web-Interface wie bei Konkurrenzgeräten, sondern über die Google-Home-App am Smartphone. Statt IP-Adressen in ein Browserfenster einzutippen, fotografiert man zur Ersteinrichtung einfach einen QR-Code am Router bzw. bei der Mesh-Erweiterung am Satelliten ab. Der Rest wird weitgehend automatisch erledigt, gerade einen WLAN-Namen und ein Passwort muss der Nutzer noch einstellen. In Summe sollte die Einrichtung damit auch für Laien, die noch nie einen Router installiert haben, kein Problem sein.

Praktische Geräte- und Benutzerverwaltung an Bord
Das Steuer-Interface, das in der Google Wifi App bereitgestellt wird, lässt manche Funktionen missen, die man in anderen Router-Verwaltungsschnittstellen findet. Eine Priorisierung einzelner Netzwerkdienste ist beispielsweise nicht möglich, auch beim WLAN-Kanal hat man kein großartiges Mitspracherecht. Dafür gibt es die Möglichkeit, einzelne Geräte zu priorisieren, ein Gäste-WLAN und eine einfache und effektive Geräte- und Benutzerverwaltung inklusive tauglichem und für jedes WLAN-Gerät einzeln aktivierbaren Jugendschutz-Filter. Auch diverse Statistiken zur WLAN-Nutzung findet man in der Steuer-App.

Kindern auf Knopfdruck das Internet abdrehen
Wer mag, erstellt in der Steuer-App WLAN-Benutzer, weist ihnen die von der jeweiligen Person verwendeten Geräte zu und schaltet den Kindern auf Knopfdruck das Internet ab, wenn es Zeit für die Schulaufgaben ist. Dabei dürfen auch Zeitpläne erstellt werden - etwa, dass die Verbindung zur Schlafenszeit gekappt und in der Früh wieder aktiviert wird. Eine wirklich praktische Sache und für Eltern klar ein Argument für den Google-Router. Die Einfachheit der Google-Wifi-App trägt dabei dafür Sorge, dass auch Menschen auf diese Features zugreifen können, die eben keine Netzwerkprofis sind.

Sehr gute Sendeleistung, zuverlässiges Mesh
Einen grundsoliden Eindruck hinterließ im Test die Signalstärke: Theoretisch hätten wir die gut 100 Quadratmeter Testfläche auch mit dem Router allein abdecken können, mit zwei Altbauwänden und rund 15 Metern Distanz dazwischen bot der in den hintersten Winkeln der Wohnung aber nur mehr wenig Empfang. Stellt man nun an dieser Stelle einen Mesh-Satelliten auf, herrscht wieder optimaler Empfang, ohne dass die Reaktionszeiten spürbar leiden. Die Übergabe der Geräte vom einen zum anderen Mesh-Zugangspunkt klappte im Test ohne Probleme, wir waren stets zuverlässig mit dem stärksten Zugangspunkt verbunden. Alles in allem lassen also weder WLAN-Leistung noch Mesh-Zuverlässigkeit Wünsche offen.

Sprachsteuerung klappt nicht immer
Die Sprachsteuerung der Netzwerkfunktionen hat im Test nicht immer geklappt. Zwar spuckte uns der Google-Assistant am mit Lautsprecher ausgestatteten Satelliten auf die Frage „Wie schnell ist mein WLAN?“ die aktuellen Speedtest-Daten aus, größere Eingriffe in die Benutzer- und Geräteverwaltung wollten so aber nicht so recht gelingen, weshalb wir im Zweifel dann doch lieber zur App griffen.

Grundsätzlich sind die Lautsprecher in den Aktivität mit hübschen LED-Effekten anzeigenden Zugangspunkten aber eine praktische Sache, liefern eine für ein Küchenradio durchaus brauchbare Klangqualität - sogar mit einem Hauch von Bass. Sie „hören“ gut und bieten für Sprachsteuerungs-Skeptiker physisch abschaltbare Mikrofone, lassen sich bei deaktiviertem Mikro aber immer noch als Multi-Room-Box für Spotify und andere Musikdienste ansteuern.

Fazit: Arm an Anschlüssen, aber stabil und zugänglich
Netzwerk-Tuner, die Wert auf Browser-Interface und Ethernet-Ports legen und Google-Skeptiker, die ihren Router nicht mit einem Online-Konto verknüpft wissen wollen, werden mit Nest Wifi nicht glücklich. Auch der Preis für so ein Mesh-System - Router und Satellit kosten im Paket 260, ein Zugangspunkt 140 Euro - ist nicht ohne. Dem stehen aber die sehr einfache Einrichtung, hohe Zugänglichkeit, praktische und auch für Laien nutzbare Funktionen zur Benutzer- und Geräteverwaltung, hohe Sendeleistung samt ausgereifter Mesh-Technik sowie der pfiffige Smart Speaker im Satelliten gegenüber. Stärken, die Nest Wifi zur guten Wahl für Normalverbraucher machen, die sich schlicht stabiles und flottes WLAN mit den wichtigsten familiären Verwaltungsmöglichkeiten wünschen.

Dominik Erlinger
Dominik Erlinger
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