18.04.2020 06:01 |

krone.at-Test

HP Elite Dragonfly: Top-Notebook aus Müll?

HP hat mit dem 360-Grad-Laptop Elite Dragonfly einen neuen PC nach Österreich gebracht, der sich an Business-Nutzer richtet, von dem der Hersteller aber auch behauptet, er sei besonders umweltfreundlich. Etliche Komponenten fertige man aus Recycling-Material, verspricht HP - und schickte uns ein Notebook, das zum Teil aus recyceltem Müll gemacht wurde, ins Testlabor. Wie Abfall fühlt es sich aber ganz und gar nicht an.

Gegenüber „Digital Trends“ spezifiziert HP, welche Teile des Elite Dragonfly aus Recycling-Material gemacht werden. Demnach setze man beim Magnesiumgehäuse zu 90 Prozent auf Recycling-Metall, in der Tastatur ist aufbereitetes Plastik aus alten DVDs, bei den Lautsprechern soll aus dem Meer gefischter Plastikmüll zum Einsatz kommen.

Auf die Ausstattung wirkt sich HPs Recycling-Gelübde nicht negativ aus. Das Elite Dragonfly ist ein kompaktes und leichtes, auch als Präsentations-Display oder Tablet nutzbares, mit Eingabestift und Touchscreen ausgestattetes Multifunktions-Notebook. Obendrein im stabilen mattblauen Magnesium-Chassis, verwindungssteif und sauber verarbeitet.

Freilich: Eine gewisse Hochwertigkeit darf es in diesem Preisbereich auch sein. In der günstigsten Ausstattungsvariante 1600 Euro, für die High-End-Ausfertigung 3200 Euro sind eine Ansage, Recycling hin oder her.

Hier die Hardware-Tabelle:

HP Elite Dragonfly

CPU-Optionen

Core i5-8265U: 4 x 1,6 GHz
Core i7-8565U: 4 x 1,8 GHz

RAM

8 - 16 - GB LPDDR3

Diagonale

13,3 Zoll

Auflösungs-Optionen

1920 x 1080 Pixel
3840 x 2160 Pixel HDR

Massenspeicher

256 GB - 1 TB SSD (PCIe)
optional: 32 GB Intel Optane

Optisches Laufwerk

nicht vorhanden

Grafiklösung

Intel UHD Graphics 620

Anschlüsse

HDMI 1.4, 2 x Thunderbolt 3 (USB-C), 1 x USB 3.0 (USB-A), Audioklinke

Funkstandards

.ax-WLAN, Bluetooth 5.0, LTE (optional)

Webcam

0,9 Megapixel

Akku

38 Wattstunden

Software

Windows 10 Pro

Extras

Stabiles Magnesium-Chassis
Eingabestift (liegt bei)
Fingerscanner
Beleuchtete Tastatur

Gewicht

0,99 Kilo

Straßenpreis

1600 - 3200 Euro

Auf technischer Ebene hat man es in jedem Fall mit einem rund 1,6 Zentimeter dünnen und mit 13,3-Zoll-Display ausgestatteten 360-Grad-Notebook zu tun. Das Gerät lässt sich also in ein Tablet oder ein Stand-Display verwandeln. Beim Bildschirm gibt es in den günstigeren Varianten Full-HD-Auflösung, in den teuren sogar 4K.

Unser Testgerät mit 1,6 GHz schnellem Core i5-8265U, 16 Gigabyte RAM und 512 Gigabyte SSD hatte die Full-HD-Variante, die mit für die tägliche Arbeit ausreichender Schärfe, hoher Helligkeit, guter seitlicher Ablesbarkeit und sauberer Farbdarstellung einen guten Eindruck hinterließ. Mit dem leuchtstarken Touch-Bildschirm ist das Gerät auch in hellen Umgebungen nutzbar, wo es aber trotzdem spiegelt.

Genug Power für alltägliche Aufgaben
Die Rechenleistung ist für ein Arbeits- und Surfgerät vollkommen ausreichend. Der Quad-Core-Prozessor, gepaart mit dem üppigen LPDDR3-RAM, stemmt mühelos Office-Programme, Surfen, Streamen, Multi-Tasking. Die über PCI-Express angebundene SSD-Speicherlösung tut ihr Übriges für hohes Arbeitstempo. Teurere Varianten haben gar Intel-Optane-Speicher.

Grafikintensivere Kost überfordert die Onboard-GPU aber, außerdem drosselt sich der Prozessor bei längerer Beanspruchung. Gamer und Video-Cutter werden hier also nicht glücklich.

Vieltipper und Bildschirmarbeiter dafür schon. Die weiß beleuchtete Tastatur überrascht mit einem guten Tippgefühl für ein so dünnes Notebook. Auch das große Touchpad überzeugt mit Präzision, klarem Druckpunkt und guten „Gleiteigenschaften“. Der dünne Rahmen maximiert bei kompakten Maßen die Bildfläche. Die Lautsprecher klingen auch ziemlich gut für die Größe.

Leichtgewicht mit Power für einen Arbeitstag
Überhaupt: Mit nur einem Kilo Gewicht ist das Elite Dragonfly ein gutes Immer-Dabei-Notebook, das in der Tasche nicht schwer aufträgt. Erkauft wird das geringe Gewicht mit einem eher kleinen Akku, der im Test aber rund acht Stunden Mischnutzung bei reduzierter Helligkeit zuließ. Etwas schwerere Geräte schaffen hier oft mehr. Dafür lädt das Elite Dragonfly schnell: Nach einer halben Stunde ist es halbvoll, hat also Saft für vier Stunden.

Wie viel Freude das Gerät als Tablet-Ersatz oder Stand-Display bereitet, hängt vom Anspruch ab. Mit Tastatur an der Rückseite und einem Kilo Gewicht ist das Elite Dragonfly natürlich nur Teilzeit-Tablet und ein wenig gewöhnungsbedürftig. Für eine schnelle Skizze oder ein PDF kann der Modus durchaus praktisch sein, längeres Surfen ist aber auf leichteren Geräten angenehmer. Als Stand-Display funktioniert es dank relativ steifer Scharniere gut, als Notebook ebenso - auch am Schoß.

Ungestümer Lüfter, das Gehäuse wird warm!
Ein paar Haare in der Suppe gibt es natürlich auch. Die Anschlussausstattung zählt grundsätzlich nicht dazu: Zweimal USB-C, Audioklinke, USB 3 und HDMI - noch in der schon etwas älteren Version 1.4 - ist sehr ordentlich in dieser Gewichtsklasse. Der auch unter Last zwar nur leise säuselnde, aber recht schnell und oft anspringende statt langsam hochdrehende Lüfter und die am Gehäuse gut fühlbare Wärmeentwicklung dagegen schon.

Das stabile Magnesiumgehäuse, in dem laut HP Recycling-Metall stecken soll, bietet an der Unterseite eine Wartungsklappe, über die das Gerät schnell geöffnet werden kann. Praktisch für einen SSD-Tausch und eines Business-Gerätes würdig. Der RAM ist indes fest verlötet und nicht erweiterbar. 16 Gigabyte sollten aber ohnehin noch eine Weile genügen.

Display mit optionalem Geheimnis-Wächter
LTE und ein Anti-Industriespionage-Feature, bei dem das Display so eingestellt wird, dass es nur direkt von vorn ablesbar ist, gibt es optional auch. Die Linse der Webcam kann mechanisch verdeckt werden. Dank .ax-WLAN funkt man außerdem am neuesten Standard. Kurzum: Die Funkausstattung ist gut und es gibt sinnvolle optionale Extras.

Am HP Elite Dragonfly läuft Windows 10 Pro, das sich seit einem größeren Update in dieser Hinsicht auch recht gut auf Stift- oder Touch-Bedienung versteht, also durchaus Nutzen aus dem 360-Grad-Formfaktor zieht.

Etwas Bloatware vorinstalliert
Vorinstalliert sind einige HP-Dreingaben, darunter eine accountpflichtige Büro-Sport-App, die zu Bildschirmpausen animiert und verspricht, das Arbeitsverhalten statistisch zu durchleuchten. Also nicht unbedingt nur das Nötigste. Auch von anderen Herstellern liegt Bloatware bei: Zwei Streaming-Anbieter, ein soziales Netzwerk, immerhin mit Business-Fokus, und das eine oder andere Mini-Spiel sind auch vorinstalliert. Das Betriebssystem wird manch einer also noch etwas bereinigen wollen.

Fazit: Es lässt sich schwer nachprüfen, wie viel von HPs Recycling-Gelübde Überzeugung und wie viel davon Marketing ist. Wenn HP tatsächlich einen nennenswerten Anteil an dem Gerät aus Recycling-Materialien fertigt, müssen wir sagen: Hut ab! Das Elite Dragonfly ist ein wertiges und für Büro- und Multimedia-Tätigkeiten gut gerüstetes Immer-dabei-Notebook. Es erfreut mit tollem Display und guten Eingabegeräten, macht auch hie und da als Stand-Display oder Tablet eine gute Figur. Die Akkulaufzeit geht in Ordnung, das geringe Gewicht und die trotzdem solide Verarbeitung überzeugen. Die eine oder andere Schwäche - der ungestüme Lüfter, die Hitzeentwicklung, die Bloatware - trübt den guten Gesamteindruck da nur wenig.

Dominik Erlinger
Dominik Erlinger
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