10.03.2020 13:00 |

Appell an Tierärzte

Zu wenig Freiwillige für den Tiroler Tiernotdienst

Sie leisten Bereitschaft, um die Kundschaft der Konkurrenz zu versorgen: Nur etwa ein Drittel der Tiroler Tierärzte macht freiwillige Notdienste - und es werden immer weniger. Eine Besserung ist erst zu erwarten, wenn alle an einem Strang ziehen und mitmachen.

Es ist wohl der Albtraum aller Haustierbesitzer: Um Mitternacht ertönt plötzlich ein gequältes Heulen – ein Notfall. Wenn man dann Pech hat, muss man ganze 150 Kilometer bis zur Tierklinik St. Lukas in Arzl im Pitztal zurücklegen.

Sie ist die letzte „wahre“ Tierklinik in Tirol: Um sich rechtlich als solche bezeichnen zu dürfen, muss man täglich 24 Stunden erreichbar und besetzt sein. „Als die Arbeitszeitenreglungen verschärft wurden, war der Notdienst für viele nicht mehr kostendeckend möglich“, erzählt Peter Theurl von der Tierärztekammer Tirol.

Er kümmert sich um die Webseite der Tiroler Tierarztnotdienste, welche vor einem Jahr ins Leben gerufen wurde. Etwa ein Drittel aller Tiroler Tierärzte verrichten freiwillig Nacht- und Wochenenddienste – auf der Webseite ist ersichtlich, wer an welchem Tag erreichbar ist. „Sie machen den Notdienst aus Überzeugung, Solidarität und Verantwortung gegenüber den Patienten“, lobt Theurl das Engagement seiner Kollegen.

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Bereitschaft bringt oft nicht das „große Geld“
Letztendlich verrichten sie jedoch die Arbeit derer, die sich dem Rad der Freiwilligendienste voll und ganz entziehen. Obwohl Behandlungen außerhalb der normalen Ordinationszeiten mit dem zwei- bis vierfachen Tarif abgerechnet werden, handelt es sich um kein lukratives Geschäft, sagt Theurl: „Auch wenn ich nur einen Notfall am Wochenende habe, muss ich trotzdem die ganze Zeit in Bereitschaft sein – mein Umsatz beläuft sich dann nur auf knapp 300 Euro.“

Hinzu kommt, dass grundsätzlich viele Tierärzte ihren Stammkunden eine private „Notfall-Nummer“ geben: So bleibt den Freiwilligen, welche tatsächlich die ganze Zeit in Bereitschaft stehen, der Gewinn aus. „Mir ist es im Moment aber lieber so, als dass im Notfall gar niemand zur Verfügung steht“, betont Theurl.

„Wenn alle mitmachen, nehmen die Dienste ab“
„Herrchen“ und „Frauchen“ würden den Nachtdienst auch nicht wirklich erleichtern: „Sie sind oft verärgert, wollen nicht zahlen und werden manchmal sogar ausfällig.“ Manche wüssten nicht, dass der Service freiwillige verrichtet werde.

Lange Anfahrten tragen meist zur schlechten Laune der Haustierbesitzer bei: Zwar ist an den meisten Wochenenden für einen Notdienst in jedem Bezirk gesorgt, in der Nacht sehe das laut Theurl aber schon wieder ganz anders aus: „In Innsbruck Stadt und Land gibt es grundsätzlich jede Nacht einen Dienst – in den anderen Bezirken ist das nicht garantiert.“ Imst ist die Ausnahme, denn dort liegt die Tierklinik St. Lukas.

„Wir haben die Hoffnung, dass in Zukunft die öffentliche Hand den tierärztlichen Bereitschaftsdienst mitfinanziert und damit attraktiver und lukrativer macht“, sagt Theurl. Mit dem Land führe man Gespräche.

Doch er findet auch klare Worte an die Tierärzte, die sich derzeit gegen Notdienste sträuben: „Unser Image leidet immens darunter.“ Außerdem: Würden einfach alle mitmachen, würden auch die Dienste pro Arzt weniger. Zudem richtet Theurl einen Appell an alle „Krone“-Leser: „Sprechen Sie ihren Tierarzt auf das Thema an – ermuntern Sie ihn, mitzumachen.“

Mirjana Mihajlovic
Mirjana Mihajlovic
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