22.02.2020 05:02 |

Zahnfleischschwund

Hilfe, meine Zähne lockern sich!

Hinter diesem Problem steckt meist eine Parodontitis, die auch andere Organe wie Herz und Gelenke gefährden kann. Umso wichtiger ist eine regelmäßige Mundhygiene - auch beim Zahnarzt!

Ulrich R. (49) bemerkt zunehmenden Zahnfleischschwund und lockere Zähne. Nun hat er Angst, diese zu verlieren. „Es handelt sich in diesem Fall um eine fortgeschrittene Parodontitis, eine übertragbare entzündliche Erkrankung, die sich durch irreversible Zerstörung des Zahnhalteapparates ausdrückt. Auslöser sind Bakterien im Zahnbelag, der Plaque“, erklärt Zahnärztin Dr. Claudia Mayer-Rieckh aus Graz.

Diese Bakterien lösen zunächst Gingivitis, Zahnfleischentzündung, aus, die durch regelmäßige und konsequente Entfernung der Beläge geheilt werden kann. Geschieht dies nicht, greift die Entzündung auf den gesamten Zahnhalteapparat über (Parodontitis). Prophylaxeassistentin Marion Zenz nennt typische Anzeichen: „Geschwollenes, empfindliches Zahnfleisch, das beim Putzen oder Essen blutet, sich zurückgezogen hat und lockere Zähne, Mundgeruch. Unbehandelt drohen Knochenverlust, frei liegende Zahnhälse, die überempfindlich auf kalt und heiß reagieren, schließlich Zahnausfall.“ Die Bakterien gelangen über den Blutkreislauf in andere Körperbereiche und lösen dort mitunter ebenfalls Entzündungen aus.

„Chronische Parodontitis kann das Auftreten und den Verlauf vieler Erkrankungen beeinflussen und zu ernsthaften Problemen führen. Begünstigt werden z. B. Arteriosklerose, Herzinfarkt, Schlaganfall, Diabetes, rheumatoide Arthritis“, warnt Dr. Mayer-Rieckh. „Auch bösartige Veränderungen des Verdauungstraktes sind mögliche Folgen. Bei Schwangeren steigt das Risiko für Wachstumsverzögerung des Ungeborenen, vorzeitigen Blasensprung oder verfrühte Wehen.“

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Mehr als die Hälfte der erwachsenen Österreicher sind von Parodontitis betroffen.

Dr. Claudia Mayer-Rieckh, Zahnärztin aus Graz

Meist lässt sich durch rechtzeitige Diagnose inklusive Bakterientest und individuelle Therapie - abhängig von Art und Stadium der Erkrankung - Zahnverlust verhindern. Dr. Mayer-Rieckh empfiehlt zusätzlich orthomolekulare Substanzen wie Zink, Coenzym Q10, Vitamin C. Unterstützende Therapien können auch Photodynamischer Laser, Mundspüllösungen und Probiotika sein. Bei leichten Formen reicht intensive Mundhygiene sowie regelmäßige Entfernung von Belägen und Zahnstein. Liegen aggressive Keime vor, sind zusätzlich Antibiotika notwendig. Nicht alle Menschen reagieren gleich auf die Bakterien. Manche zeigen schon bei geringer Belastung fortschreitende Parodontitis. Die erhöhte Entzündungsneigung kann erblich bedingt sein.

Teamwork unerlässlich
Nach der Behandlung ist lebenslange Erhaltungstherapie notwendig und die Mitarbeit des Patienten. Dr. Mayer-Rieckh rät zu regelmäßigen Kontrollen und professioneller Zahnreinigung sowie mehrmals täglichem Zähneputzen. Zwischenräume mit Zahnseide oder Zwischenraum-Bürstchen säubern. Auf gesunde Ernährung achten, nicht rauchen, Stressmanagement betreiben!

Eva Rohrer, Kronen Zeitung

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