13.07.2010 14:32 |

"Knigge 2.0"

Website gibt 101 Verhaltensregeln für das Netz

Offline genügt ein kurzer Blick ins Benimm-Büchlein, doch in der digitalen Welt ließe so manch heikle Situation vermutlich selbst den Vater der guten Manieren, Adolph Freiherr Knigge, ratlos zurück. Ist es in Ordnung, wenn ich eine Kontaktanfrage auf Facebook ignoriere? Darf ich im Restaurant mein Handy auf den Tisch legen? Und: Muss ich eigentlich immer erreichbar sein? Eine Website versucht nun, Antworten auf diese Fragen zu geben.

E-Mail, SMS, Twitter und Facebook haben ihren festen Platz im elektronischen Leben eingenommen. Doch während in der analogen Welt bereits seit über 200 Jahren Umgangsformen Orientierung geben, rätseln Nutzer moderner Kommunikationswege immer wieder, was sie eigentlich dürfen und was nicht.

Die Deutsche Telekom und Etikette-Experten der Deutschen Knigge Gesellschaft gehen deshalb in die Offensive: In Workshops mit etwa 70 Teilnehmern aus zwölf Nationen haben sie eine Sammlung von 101 Benimmregeln für das digitale Leben zusammengestellt, die am Dienstag in Berlin vorgestellt wurde. "eEtiquette" heißt das online zur Diskussion stehende Regelwerk. Man könnte die Website auch einen "Knigge 2.0" nennen.

"Keine strengen Regeln"
Doch so eng sehen die Erfinder der Leitlinien das Ganze gar nicht. "Wir wollen keine strengen Benimmregeln aufstellen, sondern ein Bewusstsein für den Umgang mit neuen Kommunikationsmedien schaffen und den Nutzern Empfehlungen geben", sagt der Leiter des Creation Centers der Telekom, Raimund Schmolze. Die ständige Weiterentwicklung moderner Technologien erfordere es, "dass sich die Menschen fragen, wie sie in der digitalen Welt eigentlich miteinander umgehen wollen", erklärt er das Anliegen des Projekts.

Dass sich viele Menschen offenbar wenig Gedanken machen, bevor sie ihre guten Manieren online über Bord werfen, zeigt ein kurzer Klick durchs Netz. Auf sozialen Netzwerken laden nicht wenige spätestens Montag früh die Partyfotos des vergangenen Wochenendes hoch, nicht selten werden Belanglosigkeiten mitgeteilt oder ungefragt Kommentare gepostet. Über mögliche Folgen privater Offenbarung im World Wide Web denken viele offenbar gar nicht nach, oder aber erst, wenn es bereits zu spät ist.

Kontraproduktive Status-Meldungen
Hier will die "eEtiquette" Abhilfe schaffen. Von Leitlinien wie "Wer ständig mitteilt, dass er beschäftigt ist, erzeugt den gegenteiligen Eindruck" dürfte sich manch einer angesprochen fühlen. Hilfreich auch der Hinweis, hin und wieder den eigenen Namen zu googeln, um mögliche "digitale Klone" zu kennen. Als gute Faustregel für partywütige Teenager könnte auch der Tipp dienen, ins Internet nur jene Fotos zu stellen, die die eigene Mutter freigeben würde.

Dass der neue "eKnigge" die digitale Gemeinschaft auf humorvolle Weise "erziehen" möchte, verraten pointierte Tipps: Nur R2D2, der kleine Roboter aus "Krieg der Sterne", darf eine Beziehung digital beenden. Oder: Telefoniere nie in einer öffentlichen Toilette. Eine rauschende Spülung verrät alles. Und: Wer verheiratet ist und ein Zweithandy mit Prepaid-Karte besitzt, könnte den Verdacht erwecken, eine Affäre zu haben.

Stift und Papier nicht abgemeldet
Eine Botschaft der "eEtiquette" mag so manchen Leser verblüffen. Benimmregel Nummer 24 empfiehlt nichts weniger, als öfter mal ganz einfach zu Stift und Papier zu greifen. Der Vorteil: In diesem Fall wüsste sogar wieder der gute alte Knigge Rat.

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