11.02.2020 10:45 |

„Smart Meter“

Alle Steirer erhalten einen neuen Stromzähler

Alle steirischen Haushalte sollen bis 2022 einen neuen Stromzähler erhalten. Die große Tauschaktion um 250 Millionen Euro nimmt in diesem Jahr so richtig Fahrt auf. Die „intelligenten“ Geräte sollen beim Stromsparen helfen, der Einbau ist für die Kunden kostenlos. Allerdings äußern Kritiker Bedenken wegen Schutz der Verbrauchsdaten.

Was sind eigentlich Smart Meter?
Moderne Stromzähler, die den Energieverbrauch messen und einmal am Tag zum Netzbetreiber senden. So entfällt das Ablesen durch den Kunden oder ein Besuch vom Netzbetreiber. Kunden können außerdem gespeicherte Verbrauchswerte ablesen und selbst erzeugten Strom, zum Beispiel durch Fotovoltaik, messen. Die Ein- und Abschaltung der Geräte erfolgt zentral und aus der Ferne.

Warum kommen die neuen Zähler?
Eine EU-Stromrichtlinie fordert die Einführung von „intelligenten Messsystemen“. In Österreich wurde festgelegt, dass bis Ende 2022 mindestens 95% aller Zählpunkte mit dieser Technologie ausgestattet werden müssen.

Welche Vorteile bringt das „intelligente“ Gerät?
Bei der Abrechnung haben Betreiber genauere Daten. So werden in Zukunft keine Nachzahlungen mehr nötig sein. Kunden können ihren Energieverbrauch außerdem genauer analysieren: Bis zu 96-mal täglich kann der Stromverbrauch ermittelt werden, so sollen sich etwaige Stromfresser im Haushalt leichter finden lassen. Rund zehn Prozent des Stromverbrauchs können laut Energie Steiermark gesenkt werden.

Was kostet der Einbau des Zählers den Kunden?
Der Zählertausch ist mit keinen zusätzlichen Kosten verbunden, auch an der monatlichen Zählermiete ändert sich laut Energie Steiermark nichts. Informationen zum Austausch werden davor an die betroffenen Kunden verschickt.

Was, wenn ich keinen neuen Stromzähler will?
Da der Stromzähler Eigentum des Betreibers ist, kann ein Tausch nicht vom Kunden verhindert werden. Über eine „Opt-Out-Funktion“ ist aber eine Abmeldung von den ,,intelligenten„ Funktionen möglich. Dazu haben sich laut Energie Steiermark bisher 2 bis 2,5 Prozent der betroffenen Kunden entschieden. Messungen werden auch in diesem Fall durchgeführt, lediglich die Häufigkeit der Datenübertragung wird beschränkt.

Wie viele Smart Meter gibt es eigentlich bereits in der Steiermark?
Insgesamt werden etwa 900.000 Geräte installiert. 30 Energieunternehmen haben sich dazu in einem Netzwerk zusammengeschlossen. Begonnen wurde 2018, zuerst in kleineren Pilotprojekten. Bisher wurden etwa 13.000 Geräte eingebaut, heuer sollen 70.000 folgen, vor allem in der Oststeiermark und im Grazer Umland. Die großen Wellen folgen 2021 und 2022.

Wieviel kostet die gesamte Einbauaktion?
Die Kosten liegen bei gut 250 Millionen Euro. 70 Millionen Euro kosten die Geräte selbst, der Rest sind Kosten für die Installation und die Investitionen für die Datenübertragung und -verarbeitung.

Was passiert mit den alten Zählern?
Die mechanischen Ferraris-Zähler, die seit 1886 verwendet werden, landen beim Elektroschrott. Wertlos sind sie allerdings nicht: Kunststoffteile können zu Granulat verarbeitet werden, Kupfer wird eingeschmolzen. Nichtsdestotrotz entstehen in Österreich dadurch Tausende Tonnen Abfall.

Wie sicher sind die neuen Stromzähler?
Laut Energie Steiermark werden die Daten Ende-zu-Ende verschlüsselt. Niemand außer den Kunden und dem Netzbetreiber habe Zugriff auf Verbrauchswerte. Eine tägliche Übermittlung ermöglicht dem Betreiber allerdings genaue Analysen des Energieverbrauchs und könnte Rückschlüsse auf die Kunden ermöglichen. Sollten sich Hacker Zugriff auf das System verschaffen, könnten sie Tausende Kunden vom Netz trennen. Laut E-Control werde die Sicherheit “laufend dem aktuellen Stand der Technik angepasst", externe Experten des European Network for Cyber Security prüften die Zähler zudem auf die Sicherheit der Daten.

Sind Smart Meter gesundheitsschädlich?
Es gibt Warnungen vor möglichen Gefahren durch die Strahlung der Zähler. Laut Ärztevertretern gibt es bei ausreichend Abstand aber keine Bedenken.

Julian Strassegger, Kronen Zeitung

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