10.02.2020 15:19 |

„Wo warst du, Mami?“

Mutter trifft tote Tochter im VR-Cyberspace wieder

Es sind berührende und zugleich verstörende Szenen im südkoreanischen Fernsehen: Nach vier Jahren sieht Jang Ji-sung ihre Tochter Nayeon das erste Mal wieder. „Wo warst du, Mami? Hast du an mich gedacht?“, fragt die Siebenjährige. Genauer: ihr Avatar. Denn Nayeon ist tot. Virtual-Reality-Spezialisten haben sie für das Wiedersehen mit ihrer Mutter zum Leben erweckt.

Nayeon war 2016 im Alter von sieben Jahren an einer seltenen, unheilbaren Krankheit gestorben, wie die Website ajudaily.com berichtet. Vier Jahre später kam es nun zu einem Wiedersehen zwischen ihr und ihrer Mutter, die den Tod ihres dritten von insgesamt vier Kindern bis heute nicht verkraftet hat.

Für die südkoreanische MBC-Dokumentation mit dem Titel „Ich treffe dich“ wurde die kleine Nayeon in achtmonatiger Arbeit virtuell wieder zum Leben erweckt. Um alles so realistisch wie möglich erscheinen zu lassen, wurden die Bewegungen eines Kindermodells im Motion-Capture-Verfahren aufgenommen und in einem VR-Studio reproduziert.

„Ich denke die ganze Zeit an dich“
Das vergangene Woche im südkoreanischen Fernsehen ausgestrahlte Wiedersehen fand in einem virtuellen Park mit Erinnerungen an Jang und ihre Tochter statt. Als Nayeon hinter einem Holzstapel hervortritt, kann ihre Mutter ihre Tränen nicht länger zurückhalten. „Ich denke die ganze Zeit an dich“, schluchzt sie, während sie mit ihren Händen immer wieder über das Gesicht ihrer virtuellen Tochter streicht. Nayeons Vater, Bruder und Schwester verfolgen das Wiedersehen vom Rand des Greenscreens-Studios aus. Auch sie weinen.

Am Ende feiern Jang und Nayeon Geburtstag, pusten virtuell Kerzen aus und essen Seetangsuppe. Was mitunter bizarr anmuten mag, für Jang hat das Treffen therapeutische Wirkung: „Ich glaube, ich hatte den Traum, den ich mir immer gewünscht habe“, sagt sie nach dem virtuellen Wiedersehen.

Trost für andere
Ihre Motivation, an dem TV-Projekt teilzunehmen, sei gewesen, „jemanden zu trösten, der wie ich ein Kind, einen Bruder oder einen Elternteil verloren hat“. Sie wünscht sich zudem, dass sich „viele Menschen an Nayeon erinnern werden, nachdem sie die Sendung gesehen haben“. Sie selbst hegt die Hoffnung, dass sie ihre Tochter jetzt „mehr lieben als vermissen“ wird, so Jang. „Damit ich zuversichtlich sein kann, bis ich sie später wiedersehe.“

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