13.01.2020 20:00 |

Die Supertechnikerin

Liensberger mit „Goldschuhen“ im Gepäck in Flachau

„Nach allem, was passiert ist, durfte man von der Saison gar nichts erwarten. Und jetzt ist sie bislang meine Beste, das gibt mir Lust auf mehr!“ Skirennläuferin Katharina Liensberger hat vor dem Heimslalom in Flachau etwas in ihre Gefühlswelt blicken lassen. Und dabei nochmals offenbart, dass sie das Theater um ihren missglückten Ski-Wechsel im Herbst sehr mitgenommen hat.

„Sehr viele haben gar nicht mitgekriegt, wie tragisch die Situation war“, erzählte die 22-jährige Vollblut-Rennfahrerin aus Vorarlberg, die den Saisonstart in Sölden verpasst hatte und erst kurz vor Inkrafttreten einer langen Sperre zu Rossignol zurückgekehrt war. Sie habe aber auch aus dieser Situation versucht, das Beste zu machen. „Das Ganze selbst in die Hand zu nehmen und zu sagen, es geht um das, was ich liebe, nämlich Skifahren, das hat mich umso mehr gestärkt“, versicherte Liensberger. Privatcoach Roland Pfeifer, der im Sommer noch die Verantwortung über ihr Training gehabt hatte, sei nicht mehr an Bord, bestätigte die Rennläuferin in Flachau. Und natürlich habe sie wegen der Spannungen im Herbst wichtiges Training verpasst. Umso erfreulicher seien ihre beiden dritten Plätze in diesem Winter. Einer kam im Zagreb-Slalom, einer beim Riesentorlauf in Lienz, wo sie auch Slalom-Vierte geworden war.

Am mit insgesamt 174.000 Euro höchstdotierten Damenrennen des Winters teilzunehmen, mache Spaß. „Geld ist immer ein Zeichen für eine Wertigkeit. Auch ich bin happy, wenn meine Leistung beachtet wird.“ Mit dem Killington-Preisgeld habe sie sich selbst in einem Outlet goldfarbene Schuhe gekauft, erzählte die Göfnerin. „Gold hat für mich eine große Wertigkeit. Und nach all den Turbulenzen wollte ich mir selbst etwas Wertvolles gönnen.“ Die Gold-Schuhe waren auch in Flachau in Liensbergers Reisegepäck. Die „Spionage“-Affäre um Shiffrin und Vlhova amüsiert Liensberger übrigens eher. „Ich finde es cool, dass das mal klar so geoutet wird. Man soll sich ja immer an den Besten orientieren, das tu ich auch.“ Dann aber, so Liensberger, „muss man das Beste für sich rausholen, nicht etwas nachmachen. Aber eine gewisse Orientierung bringt das Ganze sicher.“

Für den Lückenschluss nach ganz vorne kann es noch etwas dauern. „Ich will mich jeden Tag verbessern und jedes Resultat im Rennen zeigt mir dann, wo ich stehe und wie gut ich meinen Job gemacht habe.“ Dreieinhalb Sekunden Rückstand als Dritte in Zagreb sind für „Liensi“ eher Ansporn als Frustration. „Es war schön, ihnen dort beim Skifahren zuzuschauen. Es hat sich gezeigt, dass die beiden gewisse Dinge besser machen. Es ist eine Herausforderung, aber ich liebe Herausforderungen. Sie sind immer eine Chance für Weiterentwicklungen. Sowas gibt mir Mut und Kraft - und stärkt mich.“

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