07.01.2020 14:20 |

„Lebensecht“

„Neon“: Samsung-Start-up macht Avatare menschlich

Samsung will digitale Avatare mittels künstlicher Intelligenz künftig menschlicher wirken lassen. Die KI-Tochter Star Labs des südkoreanischen Technologieriesen stellte auf der CES in Las Vegas am Dienstag ihr Projekt Neon vor: Computeranimierte Geschöpfe, die bisher etwa in Computerspielen, Filmsequenzen oder in Apps häufig noch künstlich und steif wirken, sollen „echt“ werden - und sich damit nicht mehr von Menschen unterscheiden.

Der im US-Bundesstaat Kalifornien ansässigen Samsung-Tochter zufolge basiert die neue Technik auf Fortschritten bei der Entwicklung intelligenter Algorithmen, künstlicher neuronaler Netzwerke und der Computerberechnung von Modellen. Die „Neons“ genannten Avatare sollen demnach künftig etwa als TV-Nachrichtenmoderator, als Sprecher von Unternehmen und Behörden sowie als Schauspieler eingesetzt werden - oder auch als „Gefährten und Freunde“.

„Neons werden unsere Freunde sein, unsere Mitarbeiter und Begleiter“, sagt Star Labs-Chef Pranav Mistry. Dabei könnten sie „kontinuierlich dazulernen“ und aus ihren Interaktionen eigene Erinnerungen entwickeln. Dem Unternehmen zufolge sollen die Avatare so lebensecht wirken, dass sie beim Anblick kaum von Menschen aus Fleisch und Blut zu unterscheiden sind und mit einer Latenz von wenigen Millisekunden reagieren.

Die Ankündigung von Samsung fällt zusammen mit wachsenden Befürchtungen vor sogenannten Deepfakes im Internet - also Videos, die täuschend echt aussehen, aber tatsächlich mittels KI zu Manipulationszwecken verfälscht oder geschaffen wurden.

Gefahrenpotenzial
Die von Samsung vorgestellte Entwicklung habe potenziell „große Auswirkungen“ auf viele Bereiche - vom Kundenservice über Beratungsstellen bis hin zum Unterhaltungsbereich, glaubt Analyst Jack Gold. Die Technik berge allerdings auch die Möglichkeit, um menschliche Interaktionen „für schlechte oder illegale Absichten zu fälschen“, gibt er zu bedenken.

Avi Greengart von Techsponential hält die Avatare sowohl für realistisch als auch für „gruselig“, wie er sagt. „Wenn man beiseitelässt, wie beeindruckend die Technologie ist, wird Neon auf eine Art und Weise benutzt, die die Leute mögen, die sie tolerieren oder sogar aktiv hassen?“, fragt er.

 krone.at
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