Sein märchenhafter Weg

Davies: Vom Flüchtlingskind zum Bayern-Star

Alle kennen den neuen Shooting-Star der Bayern, Alphonso Davies, nur wenige aber wissen von seiner Odyssee. Wie er es aus einem Flüchtlingslager in Ghana zum Bayern-Profi schaffte. 

Es steht außer Frage: Der Kanadier ist die Entdeckung dieser doch schwierigen Saison für die Bayern. Der erst 19-jährige Alphonso Davies mischte den linken Flügel richtig auf. Er ist schnell wie der Wind, wie er das auch beim ersten Tor der Bayern in Freiburg eindrucksvoll unter Beweis stellte.

Es ist bemerkenswert, was er in der 16. Minute machte. Er startet aus der eigenen Hälfte, wieselflink nach einem Doppelpass und dann hat er auch noch die Übersicht für den genialen Pass auf Robert Lewandowski. Schon gegen Tottenham glänzte er mit zwei Assists.

Man zweifelte
Wenige verstanden es, als die Bayern vor einem Jahr einen 18-jährigen Kanadier namens Davies verpflichteten. Kanada ist nicht wirklich eine Fußballnation, von Davies hatten zuvor wenige etwas gehört, er kam vorerst auch kaum zum Einsatz bei den Bayern. Kurzum: Man zweifelte. Zu Unrecht. Die französische Sporttageszeitung „L’equipe“ widmete ihm jetzt eine lange Story.

Geboren im Flüchtlingslager
„Phonzie“, wie er von seinen Kollegen genannt wird, kam am 2. November 2000 auf die Welt, in einem Flüchtlingslager namens Buduburam in Ghana. Seine Eltern waren gerade vor dem Krieg in Liberia geflohen (der zweite Bürgerkrieg dort dauerte von 1999 bis 2003). „Wir hatten weder Kleider noch Lebensmittel, wir sahen ständig Tote um uns herum“, erzählte seine Mutter Victoria. Als Flüchtlinge in Ghana wurde ihr Leben kaum leichter.

Fußball in einer Eishockey-Stadt
Die Familie Davies entscheidet sich, nicht in Ghana zu bleiben und nach Kanada auszuwandern: 2005 bekommen sie das Erlaubnis. In Ontario erreichen sie kanadisches Land, lassen sich dann in Edmonton nieder. In einer Stadt, die sich nur für Eishockey interessiert, drehen sich die Gedanken des kleinen Phonzie nur um den Fußball. Als er acht Jahre alt ist, hat seine Familie kein Geld um den Mitgliedsbeitrag eines Klubs zu entrichten. Da kommt ihm ein Hilfsprogramm zugute. Ein Programm, dass bedürftige Kinder unterstützt.

Erinnert an einen gewissen Arjen Robben
Davies fällt sofort auf. Seinen Trainer erinnert er an einen gewissen Arjen Robben. Und nicht nur ihn. Auch die Scouts der Vancouver Whitecaps (oben im Bild im Trikot der Mannschaft) werden auf ihn aufmerksam. Mit 14 wechselt er zu Vancouver. Von nun an ist sein Weg vorgezeichnet.

Er stellt einen Rekord nach dem anderen auf: Er trifft als jüngster Spieler in der USL (Dritte nordamerikanische Liga). Da ist er erst 15, im gleichen Jahr debütiert er auch als jüngster Spieler nach Freddy Adu in der MLS (erste nordamerikanische Liga). Am 6. Juni 2017 bekommt er die kanadische Staatsbürgerschaft, noch am selben Tag wird er in die kanadische Nationalmannschaft einberufen (spielte seitdem 17-mal, erzielte fünf Tore).

Am 25. Juli 2018 verkündigt der FC Bayern München - trotz der Konkurrenz vieler großer europäischer Vereine - Alphonso Davies für 22 Millionen Dollar (fast 19 Millionen Euro) verpflichtet zu haben. „Er ist einer der besten Spieler seiner Generation, wir erwarten viel von ihm“, sagte Hasan Salihamidzic, Sportdirektor des FC Bayern München, damals. Er wusste, was er sagt.

Davies kommt im Januar 2019 in Europa an. Trotz seines jungen Alters mit einem Lächeln im Gesicht. Von Alaba unter seine Fittiche genommen, lernt „Usain“, wie ihn seine Teamkollegen wegen seiner Geschwindigkeit nennen, schnell bei seinem neuen Klub.

Usain - neuer Liebling der Fans
Bekam er im Frühjahr erst sechs Einsätze, avanciert Davies in dieser Herbstsaison zum neuen Liebling der Fans. Sein Auftritt gegen Dortmund (4:0, 9. November), und die Assists gegen Ende des Jahres sprechen für sich. Phonzies „Traum“ geht weiter und er vergisst auch das Land nicht, das ihn seinerzeit adoptiert hatte. Als Symbol der Einwanderung in Kanada war er das Gesicht und die Stimme der WM-2026-Kampagne.

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