12.11.2019 12:10 |

Handy, VR-Brille & Co.

Die Bildung wird digital - und um Klassen smarter

Flucht aus der „Kreidezeit“: Die Digitalisierung ist dabei, die Bildung zu revolutionieren. Weil die Politik dabei nachsitzen muss, nimmt die Industrie selbst das Heft/iPad in die Hand.

Selbstfahrende Transportsysteme flitzen durch die Gänge und bringen Bauteile in die Labore, ein Roboterarm winkt zur Begrüßung, an digitalen Zwillingen wird programmiert - Szenen, wie in einem Hightech-Labor, die in der HTL Wolfsberg (Kärnten) mittlerweile zum Alltag gehören.

Hier wird in einer von vier „Smart Learning Klassen“ der Austro-Tochter des Chipherstellers Infineon (4201 Beschäftigte, 2,9 Milliarden Euro Umsatz) gelernt, umgesetzt, gelehrt. Und ganz nebenbei das Bildungssystem völlig auf den Kopf gestellt.

Lehrer lernen von den Schülern
Lehrpläne sind passé, „Nicht genügend“ in den Praxisfächern keine Kategorie mehr, Lehrer lernen von den Schülern. Denn wenn es um Augmented Reality (erweiterte Realität), digitale Medien und das Internet der Dinge geht, sind die Jugendlichen oft voraus.

„Es geht hier darum, die Schüler zu begeistern“, so Projektleiter Harald Weiguni: „Ziel ist, digitales, analoges und praxisorientiertes Lernen zu kombinieren.“

Dass Roboter und Algorithmen jetzt auch in der Schule den Ton angeben (bislang galt ja Smartphone-Verbot), ist nicht unumstritten. Aber ob es uns passt oder nicht: Die Digitalisierung hat mit dem Bildungssystem den nächsten Lebensbereich erobert.

„Unser Bildungssystem ist wie ein riesiger Dampfer“
Und weil die Politik hinterherhinkt, übernimmt jetzt eben die vom Fachkräftemangel geplagte Industrie, die sich hier die Mitarbeiter der Zukunft ausbildet. Infineon Austria Vorstandsvorsitzende Sabine Herlitschka: „Unser Bildungssystem ist wie ein riesiger Dampfer. Wir brauchen aber Fähigkeiten eines Schnellbootes. Und Smart Learning Klassen sind dieses Schnellboot.“

Tempo machen bei der Digitalisierung in der Bildung will jetzt auch die Politik, die großen Nachholbedarf ortet. Bis 2023 soll ein entsprechender Masterplan umgesetzt werden.

Interview: Bildungsexperte, Kritiker, Autor Andreas Salcher über Aufholbedarf bei der Digitalisierung, Vorteile für Schüler und Spielregeln bei Handys.

„Krone“: Sie haben am Masterplan Digitalisierung in der Schule mitgearbeitet. Was kommt da auf uns zu?
Andreas Salcher:Es gibt drei relevante Elemente. Wichtigstes sind pädagogische Konzepte. Dann die Ausbildung der Lehrer - die Rolle ändert sich: Weg von der Belehrungsschule. Das dritte ist eine funktionierende Technik.

Dient die Digitalisierung wirklich den Schülern, deren Entwicklung, oder der Industrie?
Sie dient eindeutig dem Schüler. Es geht um die Lernfreude. Was wir mit Digitalisierung schaffen, ist, dass jeder in seiner Geschwindigkeit lernen kann.

Bislang galt in der Klasse Smartphone-Verbot. Plötzlich gibt’s Tablets und VR-Brillen statt Schulbüchern. All das galt bis vor kurzem als pädagogisch wertlos.
Wichtig ist, dass es ganz klare Spielregeln in der Schule gibt für die Nutzung von Handy und Computer.

Zahlen und Fakten: So digital sind unsere Schulen
Beim Digitalisierungsgrad der heimischen Schulen gibt es Unterschiede. So gibt es in zwei Dritteln der Berufsbildenden Mittleren und Höheren Schulen (BMHS) ein pädagogisches Konzept für den Einsatz digitaler Technologien im Unterricht. In den Neuen Mittelschulen (NMS) sind es nur 58,8, in den AHS 50 Prozent. Insgesamt wird an zwei Dritteln der heimischen Schulen bei Bedarf mit schülereigenen Geräten im Unterricht gearbeitet.

Auch bei der Ausstattung gibt es deutliche Unterschiede. Notebook- bzw. Tablet-Klassen gibt es etwa in 14,6 Prozent der BMHS, in den AHS liegt der Anteil bei 6,4 und in den NMS bei nur 5,9 Prozent. WLAN in allen Unterrichts- und Aufenthaltsräumen gibt es in fast 60 Prozent der BMHS, in 50,6 Prozent der AHS und in 45,5 Prozent der NMS. Internetleitungen mit mehr als 40 Megabit Geschwindigkeit gibt es in 40,6 Prozent der NMS, in 37,1 Prozent der AHS und in 42,8 Prozent der BMHS. Internetleitungen mit mehr als 100 Megabit Geschwindigkeit gibt es in 38,8 Prozent der BMHS, in 34,5 Prozent der AHS - aber nur in 13,7 Prozent der NMS.

Thomas Leitner, Kronen Zeitung, krone.at

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