17.10.2019 12:00 |

„Nachkommen!“

Die Dolomiten als Sehnsuchtsziel für Bergsteiger

Türme, Grate und Zacken. Die bizarren Felsformationen der italienischen Dolomiten sind nicht nur ein beliebtes Fotomotiv, sondern ein Sehnsuchtsort für Bergsteiger, ein Ort, an dem Alpingeschichte auf sportlichen Ehrgeiz und Gaumenfreuden trifft.

Hunderte Meter steiler Fels liegen unter mir, und vor meinen Augen ragt eine Wand schier endlos senkrecht hinauf. Nur ein knalloranges Seil, das meinen Bergführer und mich verbindet, deutet eine Richtung an. Und diese führt gnadenlos nach oben. Obwohl mir nur wenige Zentimeter Fels einen Stand bieten und die Griffe, die ich fest umklammere, sehr klein sind, verspüre ich kein Gefühl der Angst oder Unsicherheit. Denn Pauli, mein Guide, sorgt mit seiner sympathischen Südtiroler Art für völliges Vertrauen. Schon schallt wieder das Kommando durch die Wand: „Nachkommen!“ Ich klettere los.

Wir sind unterwegs in den wunderschönen und weltberühmten Bergen der italienischen Dolomiten, welche 2009 zum UNESCO-Weltnaturerbe geadelt wurden. Neben mir reckt sich das Massiv der Tofana gegen den Himmel, hinter mir liegt der Antelao, dessen Gipfel von mystisch wirkenden Nebelfetzen umhüllt ist, und weiter im Süden glänzt der weiße Gletscher des 3343 Meter hohen Marmolada in der Herbstsonne, mit dem Col di Lana davor, einem der blutigsten Schauplätze des Gebirgskrieges zwischen 1915 und 1918.

Generationen von Kletterern haben hier ihre Spuren im bleichen Fels hinterlassen, alpinistische Meisterleistungen vollbracht und die Dolomiten heute zu einem weltweit einzigartigen Sehnsuchtsort für Bergsportler und Naturliebhaber gemacht. Und jetzt bin ich es, der hier seine spärlichen Kletterkünste an den Dolomitenwänden einem Härtetest unterziehen darf.

Möglich gemacht hat dies der innovative kanadische Bergsportausrüster Arcteryx, der mit „Arcteryx Trips“ Outdoor-Enthusiasten weltweit elf einzigartige sportliche Reisen zu entlegenen Zielen in Nordamerika und Europa anbieten möchte, etwa Trailrunning durch die kanadischen Chilcotin-Mountains, Bergsteigen in den Westalpen im berühmten französischen Bergsteigerort Chamonix, Wandern im Yukon bei Tombstone oder eben Klettern an den berühmten Felsnadeln, Zacken und Türmen der Dolomiten.

„Was uns von anderen Abenteuerprogrammen unterscheidet, ist, dass wir uns darauf konzentriert haben, Reisen zu abgelegenen Orten anzubieten, an denen die Teilnehmer ein Gefühl der Abgeschiedenheit erleben und genießen können und sich auf dem Spielplatz der Natur vergnügen“, erzählt der Kanadier John Irvine von Arcteryx. Ermöglicht wird dies auch durch die Zusammenarbeit mit Arcteryx-Athleten und erfahrenen Weltklasse-Guides, wie eben mit dem Südtiroler Bergführer Pauli Trenkwalder, der athletisch-sympathischen Osttiroler Bergführerin Lisi Steurer, der gemeinsam mit Ines Papert die erste Rotpunkt-Begehung – also ohne Belastung des Sicherungsseiles – der schweren Route „Ohne Rauch stirbst du auch“ an der Nordwand der Großen Zinne gelungen ist, oder den beiden expeditionserfahrenen Tirolern Paul Mair und Walter Zörer.

Inzwischen haben Pauli und ich unseren Dolomiten-Gipfel erreicht, den 2477 Meter hohen Sasso di Stria, zu Deutsch Hexenstein. „Sind die Berge hier nicht wunderschön?“, gerät Pauli prompt ins Schwärmen. So oft schon stand er hoch oben auf bekannten Dolomitengrößen wie den Drei Zinnen, dem Langkofel oder dem Cristallo, doch die Faszination für diese Berglandschaft ist immer gleich geblieben. „Die Landschaft ist so einzigartig, so vertikal und dieser Kontrast zwischen grünen Almen, weißen Felswänden und dem blauen Himmel so wunderbar!“

Der berühmte schweizerisch-französische Architekt Le Corbusier selbst bezeichnete die Berge im Süden des Alpenhauptkammes, die sich auf die drei Provinzen Südtirol, Trient und Belluno aufteilen, als „die schönste Architektur der Welt“. „Wenn ich hier zum Klettern bin, stelle ich mir immer wieder vor, wie diese Berge einst im Urmeer als Korallenriff entstanden sind“, erzählte mir Bergführer Pauli mitten in unserer vorletzten Seillänge. „Und als dann das Meer absank, ragten diese bizarren hellen Felsen empor, die ganz anders waren als alle anderen Berge ringsum.“

Wir sind inzwischen zurück beim Rifugio Cinque Torri, also direkt unterhalb einer weiteren berühmten Felsformation der Dolomiten nahe des Falzaregopasses und oberhalb der mondänen Bergsportstadt Cortina d’Ampezzo.

Die „Königin der Dolomiten“ zählt zweifellos zu den bekanntesten und exklusivsten Urlaubsorten der Alpen und begeistert ihre Gäste mit ihrer lebhaften Atmosphäre beim abendlichen Schlendern zwischen den zahlreichen Luxus-Boutiquen, während rundum die Berggipfel von der untergehenden Sonne in sanfte Rottöne getaucht werden. „Alpenglühen“ par excellence. Pauli und ich hingegen lassen unseren Klettertag bei köstlichen Tagliatelle mit Steinpilzen und einem guten Glas italienischem Weines im Rifugio Cinque Torri ausklingen, um morgens topfit zu den berühmten Drei Zinnen aufzubrechen. Denn auch mich haben die Dolomiten in ihren Bann gezogen.

Hannes Wallner, Kronen Zeitung

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