18.09.2019 07:00 |

Album „State Of Mind“

The Faim: Das Lüften des schwarzen Schleiers

Die Australier The Faim erobern mit sanftem Rock, eingängigen Refrains und kompositorischem Handwerk gerade die Charts in aller Herren Länder. Im Zuge des Frequency Festivals haben wir mit Sänger Josh Raven und Drummer Linden Marissen über das Debütalbum „State Of Mind“, ihre Heimat Australien und das Songwriting mit großen Namen gesprochen. Am 28. November kommen sie für ein Konzert ins Conrad Sohm in Dornbirn.

Zwischen all den toughen Cloud-Rap-Hassbotschaften und den paralysierenden EDM-Technobeats wirkte der breitflächige Rock der Australier The Faim fast schon ein bisschen deplatziert. Aber eben nur fast, denn so wie das Frequency selbst kein Alternative-Festival mehr ist, sind The Faim eben auch keine harten Rocker. Auch wenn Songs wie „Tongue Tied“, der Opener des brandneuen Albums „State Of Mind“, vorsichtig antäuschen, verortet sich das Quartett lieber auf einer weitläufigeren Ebene. Den einen mag die mitunter stark gen Stadionrock schielende Debütplatte zu aufgesetzt und allgemeintauglich klingen, anderer erkennen in den Songs radiotaugliche Parallelen zu U2 oder Coldplay, ohne sich vollends den beiden großen Weltstars anzunähern. „Wenn wir zu schreiben beginnen, hat aber ohnehin keiner den Hauch einer Ahnung, wohin die Reise geht“, erklärt Drummer Linden Marissen im „Krone“-Interview, „Experimentierfreudigkeit und das Aufbrechen von Strukturen sind uns aber wichtig.“

Die Schienen-Band
Marissen ist erst seit Jänner an Bord der 2014 gegründeten Band, die aber erst seit dem Vorjahr für Aufsehen sorgt. Mit Singles wie „Saints Of The Sinners“, „One Way Or Another“ oder „A Million Stars“ spielte man sich nicht nur im heimischen Perth verstärkt ins Rampenlicht, sondern konnte - Internet und Liveterminen sei Dank - auch weit über die Kontinentalgrenzen hinaus reüssieren. Die Österreich-Premiere gab es im Wiener Chelsea, woran sich Bandgründer und Sänger Josh Raven noch heute mit einem Schmunzeln erinnert. „Ich wette alle Musiker aus dem Ausland sagen dir, wie besonders es ist, unter einer U-Bahn zu spielen. Ich muss da immer schmunzeln, weil wir insgesamt schon vier Shows unter unterschiedlichsten Fortbewegungsmitteln spielten. Ich weiß auch nicht warum, aber es bringt mich jedes Mal zum Lachen.“

Rund die Hälfte der Songs von „State Of Mind“ haben The Faim aktuell geschrieben, die andere Hälfte setzt sich aus Ideen und Kreativschüben der letzten Jahre zusammen. Heraus kommt ein bunter Querschnitt der noch jungen, aber ungemein spannenden Karriere der Band. „Am Wichtigsten ist natürlich, dass erstmals überhaupt ein richtiges Band-Feeling herrscht“, freut sich Marissen. Raven ergänzt: „Uns ist es wichtig, etwas Neues zu finden und einzigartig zu klingen. Je weniger geistige Grenzen du dir setzt, umso weitläufiger sind die Perspektiven, die sich dir eröffnen. Dass alle vier Bandmitglieder unterschiedliche Musik hören und unterschiedliche Zugangsweisen haben, macht die Band schlussendlich auch aus. Darauf fußt auch die klangliche Vielfältigkeit.“

Glückliche Begegnung
The Faim steht französisch für „Der Hunger“ und zeigt schon im Namen, dass Raven und Co. weit mehr als nur ein paar nette Touren und viel Spaß im Sinn haben. Ganz in der Do-It-Yourself-Manier haben sie einst schon als Teenager Plakate gemalt und Flyer verteilt, 30-Sekunden-Snippets ihrer Lieblingssongs großer Stars wie Nirvana oder Metallica ins Netz gestellt und angesichts der überschaubaren lokalen Konkurrenz alles gespielt, was nur irgendwie möglich war. Im Sommer 2016 wurde Blink-182- und Good Charlotte-Produzente John Feldmann auf die Band aufmerksam und unterstützte sie von einem Tag auf den anderen. Ein Jahr schrieben sie in Los Angeles mit Größen wie Mark Hoppus (Blink-182), Pete Wentz (Fall Out Boy) oder Josh Dun (Twenty One Pilots) an ersten Songs, die schließlich zur EP und zum jetzigen Album wurden.

„Diese Jungs haben unseren Sound nicht geprägt“, erklärt Raven, „aber natürlich sind die Einflüsse unterbewusst eingeflossen. Wir haben bewusst jene Musiker um uns geschart, die selbst einmal bei null begonnen haben und wissen, wie hart man für Erfolg arbeiten muss. Wenn man außerhalb der eigenen Grenzen arbeitet und sich auf so etwas einlässt, fließt auch die Kreativität viel besser. Wir waren einmal 22 Tage am Stück dort, um wirklich intensiv an dem Album zu arbeiten. Allein schon durch den Zugang zu den tollen Musikern und Produzenten in den USA nehmen wir viel für uns mit. Natürlich sind wir in Australien in gewisser Weise isoliert, ich bin aber überzeugt davon, dass man den Schwung und die Motivation der Amerikaner in diesem Business auch zu uns nach Hause mitnehmen kann.“

Keine Raum für Grenzen
Den steigenden Bekanntheitsgrad verdanken The Faim nicht zuletzt ihrem Einsatzwillen im Livegeschäft. Ohne noch ein Album veröffentlicht zu haben, haben die Australier schon die Bühne mit Pvris, Sleeping With Sirens oder Sum-41 geteilt, etwa beim Download Festival gespielt und mittlerweile weit mehr als 26 Millionen Streams auf sich vereint. „Wenn wir für etwas stehen, dann für Diversität. Wir haben auf dem Album Songs, die richtiggehend vorpreschen und welche, die sich lieber ruhig und angenehm entfalten. Da ist nichts gekünstelt oder am Reißbrett entworfen. Und dass wir mit Hardcore- oder Punk-Bands auf der Bühne waren - warum denn auch nicht? Das erweitert im besten Fall den Horizont aller Parteien. Wir sind im Kern eine Rockband, die sehr viele Pop-Elemente integriert und auch gerne mal am Hip-Hop vorbeischrammt. Wer will denn 20 Jahre lang dasselbe tun?“

„State Of Mind“ ist daher auch die Zusammenfassung der Entdeckungsreise einer Band, die noch viel vorhat. „Das Album ist prinzipiell eine Reflektion über die Dinge und Reaktionen, die dir im Alltag des Lebens widerfahren. Wir tragen im Leben nicht immer einen schwarzen Schleier, um uns dahinter verstecken zu können. Nur Veränderungen bringen dich weiter und dafür sind wir das beste Beispiel.“ Auch wenn man mit der Songwahl manchmal etwas Pech hatte. So klingt „Beautiful Drama“ doch etwas sehr stark nach P!nks Welthit „Beautiful Trauma“. „Was soll ich sagen“, lacht Ravens, „anfangs habe ich mich noch richtiggehend darüber geärgert. Eineinhalb Jahre habe ich an dem Song gebastelt und dann kommt P!nk und nimmt ihn mir quasi weg. Unser Song ist aber trotzdem gut.“ The Faim goes Fame - so viel steht fest. In Österreich sind sie übrigens nochmal am 28. November im Dornbirner Conrad Sohm zu sehen. Karten gibt es unter www.oeticket.com.

Robert Fröwein
Robert Fröwein
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