Lob für Stöger, aber:

Bjelica: „Man war bei der Austria unrealistisch!“

Nenad Bjelica ist beim Wolfsberger AC als Trainer erfolgreich gewesen, er ist bei Lech Posen in Polen erfolgreich gewesen und er ist aktuell bei Dinamo Zagreb in Kroatien erfolgreich - allein seine Zeit beim FK Austria Wien hat nicht unter einem guten Stern gestanden, der erstmaligen Qualifikation für die Champions League zum Trotz. Wieso es für den 48-Jährigen vor rund sechs Jahren in Wien-Favoriten nicht klappen wollte, wieso die Realität und die „Veilchen“ mitunter miteinander auf Kriegsfuß stehen, von wem er sich mehr Unterstützung erwartet hätte und was er von Peter Stögers Comeback in Violett hält - das erfahren Sie HIER!

krone.at: Nenad, dass Sie auch nach Ihrem Abgang von der Wiener Austria stets mit Österreich verbunden blieben und Ihre Familie auch weiterhin in Kärnten lebt, ist vermutlich kein Geheimnis…
Nenad Bjelica: Als Familie fühlen wir uns sehr wohl in Österreich, in Kärnten, in Klagenfurt - wir sind inzwischen beinahe Kärntner und die Kinder sprechen sowieso Kärntnerisch (grinst). Aber das ist auch normal, wir wohnen ja schon seit 13 Jahren in Klagenfurt - und dort werden wir auch bleiben, dort wird immer die Basis unserer Familie sein. Und Kroatien ist auch nicht weit weg…

krone.at: Und wie sehr verfolgen Sie als Kärntner den österreichischen Liga-Fußball? Was sagen Sie etwa zu Ihrem Ex-Klub WAC…
Bjelica: Die Liga verfolge ich jetzt wieder mehr als wie ich noch in Polen war, dort war ich etwas zu weit weg. Natürlich freue ich mich über die Erfolge des Wolfsberger AC, wo man Hervorragendes leistet! Ich freue mich sehr, dass sich dieser Verein so gut entwickelt, dank der guten Arbeit der Familie Riegler und aller Leute im Verein. Sie wissen, wo ihre Grenzen sind und sie gehen nie einen Schritt zu weit. Ich freue mich auch für Kärnten und generell für den kärntnerischen Fußball, der doch sehr lange am Boden war. Und jetzt ist er wieder in der Europa League, das ist großartig! Ich hoffe, dass sie das eine oder andere Spiel auch gewinnen werden.

krone.at: Und zur Wiener Austria, die heuer eher mitleiderweckend in die Saison gestartet ist?
Bjelica: Na gut, bei der Austria ist vieles neu - neuer Trainer, neuer Sportchef, neue Mannschaft. Da braucht man ein bisschen Zeit, bis alles funktioniert und klappt, das ist nicht einfach. Ich hoffe, dass sie ihren Weg noch finden, auch wenn der Saisonstart nicht gut war, weder im Europacup noch in der Liga. Aber nach fünf, sechs Runden kann man noch nicht von einer schlechten Saison reden, man hat noch viele Spiele vor sich und man kann noch viel verbessern.

krone.at: Seit dem Meistertitel 2013 unter Peter Stöger scheint bei Violett der Wurm drinnen zu sein. Wie beurteilen Sie von außen das Geschehen rund um die Austria?
Bjelica: Ich würde sagen, dass es bei der Austria immer ein bisschen am sportlichen Plan gefehlt hat. Man hat sich damals schon nicht richtig einschätzen können, man hat Erfolge sehr laut gefeiert und geglaubt: Okay, wir sind jetzt dort, wo wir hingehören. Man war nicht realistisch und weil man sich nicht einschätzen konnte, hat man auch keine guten Entscheidungen getroffen und keine Geduld gehabt…

krone.at: Auch mit Ihnen?
Bjelica: Auch mit mir! Ich habe mit der Austria Historisches geschafft und trotzdem bin ich bei der ersten minimalen Krise entlassen worden. Die sportliche Philosophie dahinter war für mich nicht wirklich auf einem Top-Niveau. Jetzt, bei Peter Stöger, glaube ich, dass es eine gute Entscheidung der Austria war, ihn zu holen. Er ist ein Mann, der schon viel in seinem Leben gesehen und auch kein Problem damit gehabt hat, in die Regionalliga zum GAK zu gehen und dann über Wiener Neustadt und Austria Wien seinen Weg bis zum 1. FC Köln zu machen und überall tolle Erfolge gefeiert hat. Er ist ein „Fußballmann“, ein Mann, der sich im Fußball auskennt, und ich hoffe, dass er mit seiner Autorität vieles schaffen wird.

krone.at: Hat diese Autorität zu Ihrer Zeit damals gefehlt?
Bjelica: Absolut, absolut! Wirtschaftlich war die Austria immer sehr gut organisiert, finanziell ist die Austria immer gut dagestanden, hat auch viel in die Infrastruktur investiert. In diesem Bereich hat man immer die richtigen Entscheidungen getroffen - aber im sportlichen Bereich nicht wirklich! Das hat mir ein bisschen gefehlt und auch wenn ich in der Meisterschaft gescheitert bin, hätte man damit auch anders umgehen können. Aber da habe ich keinen großen Willen gesehen, keine Geduld, mit mir weiterzuarbeiten. Inzwischen sieht man, dass ich meinen Weg gegangen bin und mit einem anderen Verein wieder in der Champions League stehe. Ich hoffe, dass die Austria auch ihren Weg findet und dass der sportliche Weg in Zukunft besser sein wird.

krone.at: Täusche ich mich, wenn ich den Eindruck habe, dass Sie das schon noch immer ein bisschen beschäftigt, dieses Jahr 2013, dieses abrupte Ende bei der Austria…
Bjelica: Natürlich, das hat mir schon wehgetan! Also da will ich gar nichts dagegen sagen. Ich glaube, dass man sich nicht richtig einschätzen konnte und dass man nicht verstanden hat, was es bedeutet, mit 15 Spielern in der Champions League zu spielen. Meisterschaft, Pokal und Champions League - da sind die Belastungen enorm! Und wenn du erst in Porto spielst, vor 30.000 Leuten, ein 1:1 erreichst, und dann in Grödig, wo sie vor dem Match den Schnee vom Spielfeld schaufeln und 700 Leute im Stadion sind, das ist für die Spieler im Kopf nicht einfach. Das hat man bei der Austria einfach nicht verstanden, das haben sie nicht einschätzen können, das war das größte Problem. Sonst hätte ich vielleicht noch länger bei der Austria gearbeitet.

krone.at: Aber wenn Sie von der sportlichen Führung sprechen, bezieht sich das auch auf den damaligen Sportchef Thomas Parits?
Bjelica: Ja! Thomas war ja eigentlich kurz vor seinem Karriereende als Sportchef und da hat er die letzte Autorität gegenüber den Spielern und im Vorstand nicht mehr gehabt. Thomas hat mir die Chance gegeben und mich zur Austria geholt, wofür ich ihm sehr dankbar bin - und ich glaube, dass ich das mit dem Einzug in die Champions League zurückgezahlt habe. Aber die Unterstützung war letztlich minimal, wirklich minimal, weil kurz vor seinem Karriereende als Sportdirektor wollte er sich nicht mehr viel einmischen. Aber als Trainer brauchst du Rückendeckung und Rückendeckung kannst du nur vom sportlichen Leiter kriegen - aber eigentlich vom ersten Tag an habe ich diese Rückendeckung nicht gespürt.

krone.at: 2013, als die Austria in der Champions League spielen durfte, waren dabei Nenad Bjelica als Coach sowie Marin Leovac und Emir Dilaver als Spieler. Und ebendieses Trio darf sich nun wieder über zumindest sechs Spiele in der Champions League freuen. Was ist das für eine komische Geschichte?
Bjelica:(lacht) Nicht nur die zwei, Emir und Marin, auch mein Co-Trainer Rene Poms und Martin Mayer als Konditionstrainer waren damals schon dabei! (überlegt kurz) Leovac und Dilaver haben damals ihren Beitrag für den Erfolg der Austria geleistet, in den Qualifikationsspielen oder in der Gruppenphase der Champions League, auch wenn sie nicht unbedingt Stammspieler waren. Links hinten hatten wir Markus Suttner, der Nationalspieler war, was natürlich für Leovac nicht einfach war. Und Dilaver war ein knapp 20-, 21-Jähriger, der erfahrenere Spieler vor sich gehabt hat. Aber sie beide haben ihren Teil beigetragen! Nun haben sich unsere Wege wieder gekreuzt, weil ich auf beiden Spielern bestanden habe, als ich zu Dinamo gekommen bin - und der Verein hat mir diese Wünsche erfüllt. Ich hoffe, dass sie lange bei uns bleiben.

krone.at: Wie sehr hat sich der Coach Nenad Bjelica in den vergangenen Jahren geändert, seit er erstmals beim FC Kärnten 2008 als Spielertrainer ins Geschäft eingestiegen ist?
Bjelica: Ach, ein viel besserer Trainer (grinst). Ich bin jetzt viel sicherer, viel ruhiger und erfahrener, ich habe inzwischen mehr als 440 Spiele absolviert. Unerfahren war ich auch damals nicht, als ich zur Austria gekommen bin, schon da hatte ich über 200 Spiele gehabt. Aber jedes Spiel bringt dich weiter - es nicht das Gleiche, sechs Jahre im Trainerjob zu sein oder schon zwölf Jahre. Was meine Arbeit auf dem Platz betrifft, hat sich nicht viel geändert - vielleicht ein bisschen in der Teamführung und ich bin vielleicht ein bisschen ruhiger geworden, versuche meinen Fokus immer auf dem nächsten Spiel zu haben. Und momentan läuft alles sehr gut. Ja, ich bin sehr glücklich!

Hannes Maierhofer (in Zagreb)

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