16.08.2019 06:06 |

Übergewicht

Zu dick - sind die Hormone schuld?

Warum es für viele Menschen so schwierig ist, überschüssige Kilos wieder loszuwerden erklärt der Hormonexperte Prof. Müller-Tyl. 

Zu viel Fast Food, Softdrinks und wenig Bewegung - unser Lebensstil begünstigt den Fettaufbau. Dieser ist von der Natur als Reserve für Hungerzeiten oder Schwangerschaft vorgesehen und hatte der Menschheit das Überleben gesichert.

Wodurch entsteht Adipositas?
Meist ist es eine Kombination aus Hormonen, Genetik, zu reichlichem, ungesundem Essen und wenig körperlicher Aktivität. Warum essen wir gegen besseres Wissen mehr, als wir sollten? Der Körper besitzt zahlreiche Mechanismen, um festzustellen, ob er mehr oder weniger Nahrung braucht. Im Normalfall nimmt man ganz ohne Kalorienkontrolle und Waage gerade die richtige Menge zu sich. Hunger und Sättigung werden nicht nur kurzfristig durch Größe und Beschaffenheit der unmittelbar vorangegangenen Mahlzeiten bestimmt, sondern Aufspaltung, Einlagerung und Abbau von Fett ist in erster Linie hormonabhängig. Nach neuesten wissenschaftlichen Theorien gilt als Zentralorgan für Adipositas das „selbstsüchtige Gehirn“, welches bestimmte Hormone zu jedem Zeitpunkt so programmiert, dass es sich seinen Glucoseanteil von 25 Prozent der Gesamtzufuhr sichert. Eine Gewichtsabnahme ist nur dann möglich, wenn dieses System „verstellt“ wird. Und dagegen wehrt sich das Gehirn vehement, in dem es zum Beispiel Neuronen, die zu viel Zucker melden, einfach abschaltet. Dadurch ist Abnehmen auch so schwierig.

Welche Hormone spielen eine Rolle?
Das Hormon Leptin wirkt als natürlicher Appetitzügler und wird vorwiegend im Fettgewebe produziert. Es steigt nach dem Essen stark an, während es beim Fasten abfällt. Leptin kontrolliert die Produktion von Insulin. Dieses sorgt wiederum dafür, dass der Zuckerhaushalt des Menschen im Gleichgewicht bleibt. Leptin, Insulin und bestimmte Darmhormone (z. B. Ghrelin) steuern den Appetit. Andere Stoffe wie etwa bestimmte Peptide (Verbindung von Aminosäuren) werden von Zellen im Dünndarm nach der Mahlzeit ins Blut abgegeben und hemmen den Hunger. Auch Sexualhormone greifen in die Regelung des Stoffwechsels und damit auch in die des Gewichtes ein. Die weiblichen Sexualhormone Progesteron und Östrogen stimulieren die Aufspaltung und Aufnahme von Fetten. Das männliche Testosteron hingegen baut zusammen mit dem Hormon Adrenalin vor allem die direkt unter der Haut gelegene Fettschicht (subcutan) des Bauches ab. Bei Testosteronmangel kann es zu einem Schwimmreifen-förmigen Fettansatz kommen.

Insulin beeinflusst übrigens nicht nur den Blutzucker. Es sorgt u. a. auch dafür, dass gefäßschädigende Fettsäuren aus dem Blut in das Fettgewebe geschleust werden. Funktioniert Insulin an den Fettzellen nicht mehr richtig (Insulinresistenz), gelangen vermehrt Fettsäuren aus dem Fettgewebe - vor allem aus dem Bauchfett - in die Blutbahn. Dies trägt dazu bei, dass der Stoffwechsel aus dem Lot gerät, und die Insulinresistenz noch steigt. Muskulatur und Leber nehmen weniger Blutzucker auf. Gleichzeitig bildet die Leber ungehemmt Glukose, sodass der Blutzucker-Spiegel weiter ansteigt. Die meist selbstverschuldeten Komponenten sind falsche Ernährung (zu viel Fett und Zucker, zu wenig Ballaststoffe), Bewegungsmangel, Stress, Rauchen sowie unbehandelte hormonelle Störungen.

Psyche und Adipositas hängen scheinbar ebenfalls zusammen. Werden durch Stress ständig große Mengen des Hormons Cortisol ausgeschüttet, steigt der Appetit und damit auch die Nahrungsaufnahme. Menschen, die zu wenig des stimmungsaufhellenden Botenstoffes Serotonin aufweisen, leiden oft unter Heißhungeranfällen am Abend. Serotonin hemmt nämlich die Esslust, stimuliert die Fettverbrennung und reduziert das Gewicht.

Prof. Dr. Erich Müller-Tyl & Karin Rohrer-Schausberger, Kronen Zeitung

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